Keine Frage, das Stadtarchiv im Keller des Rathauses platzt aus allen Nähten und braucht dringend neue Räumlichkeiten. Diese Botschaft ist im zweiten Stock auf der Bürgermeister-Etage längst angekommen, was Stadtoberhaupt German Hacker (SPD) auch bestätigt. Und nicht nur das: Es gab bereits im Jahr 2008 Pläne, das Archiv flächenmäßig zu vergrößern. Bei der in ein paar Jahren anstehenden Erneuerung des Rathaustrakts durch eine Generalsanierung oder einen Neubau soll auch diese drängende Frage beantwortet werden.

Insofern verhallte das Flehen der Archivleiterin Irene Lederer in der Kulturausschuss-Sitzung am Dienstagabend nicht ungehört. Da machte sie auf die dringenden Platzprobleme aufmerksam. Man könne nichts mehr annehmen, jedes Referat müsse seine ausgedienten Akten selber irgendwie unterbringen. Das Archiv verfügt auf etwa einhundert Quadratmetern Fläche über 500 Regalmeter Lagerfläche in den Archivschränken. Benötigt würden aber drei- bis viermal so viel, sagt die Archivarin. Auf die Gesamtfläche umgerechnet, stellt Lederer fest: "Wir benötigen 500 Quadratmeter."

Von etwa 350 Quadratmetern gehen bereits die Pläne aus dem Jahr 2008 aus, sagte Bürgermeister German Hacker auf Anfrage des FT. Die Rathaussanierung war vor vier Jahren wegen der Finanzkrise auf Eis gelegt worden. Jetzt wird das Thema erneut aktuell. Eine Erneuerung steht in Zusammenhang mit der Aufplanung des benachbarten Hubmannareals. Geplant sei, das Archiv unterirdisch zu errichten, wenn nötig auch zweigeschossig. In spätestens fünf Jahren könnte das Archiv in neue Räume einziehen, umreißt Hacker eine zeitliche Vorgabe.

Das ist nach Auffassung von Irene Lederer schon recht spät. Sie nennt mehrere Gründe, weshalb man besser heute als morgen handeln sollte. Der eine Aspekt ist die räumliche Enge. So könne das Stadtarchiv keine Altakten der Verwaltung mehr aufnehmen. Da aber befürchtet die 54-Jährige, dass diese Akten verloren gehen,weil sie aufgrund der akuten Platznot in den einzelnen Referaten dann vielleicht geschreddert werden müssen. Daher drängt die Historikerin, die auch das Stadtmuseum leitet, auf ein neues Archiv. Das muss sich ihrer Meinung nach gar nicht mal im Rathaus befinden, sondern könne auch außer Haus untergebracht werden. In anderen Städten finde man so etwas durchaus häufig. "Wie wär's mit dem Konsumgebäude?", fragt die Archivarin nach, wohl wissend, dass dieser Bau bei der Neugestaltung des Hubmann-Areals ja der Spitzhacke zum Opfer fallen soll.

Gesundheitlich bedenklich

Es ist aber nicht nur der fehlende Platz für die zu archivierenden Materialien, was Lederer gar nicht gefällt. Auch die Tatsache, dass sich das Personal ebenso wie die Besucher im gleichen Zimmer mit dem Archiv aufhält, sei ein Unding. Schon aus gesundheitlichen Gründen sei das unzulässig, führt die Archivarin in ihrem Jahresbericht aus und führt Staub und Pilzsporen an. Wenn jemand ein eingeschränktes Immunsystem oder Atemwegserkrankungen habe, so Lederer, dann sollte er sich nicht dauerhaft im Magazin aufhalten. Und stellt fest: "Ich habe selber gereizte und gerötete Augen, wenn ich länger hier sitze."

Zu sehen sind die Spuren an alten Stadtbüchern. Diese seien durch frühere Wasserschäden und Schimmel in ihrem Erhaltungszustand gefährdet und müssen nach und nach restauriert werden. 2013 konnte ein neuer Handschriftenband namens "Stadtbuch 1580 bis 1597" gesichert werden.

Grundlage einer langfristigen Sicherung "der in der Regel einmaligen und daher unersetzbaren Archivalien" ist für Irene Lederer eine fachgerechte Lagerung. Hierzu gehören ausreichende Lagerkapazitäten, eine gleichmäßige Klimatisierung sowie säurefreie und alterungsbeständige Kartonagen und Mappen.

Akut gefährdet ist laut Lederer derzeit nichts, da der Kellerraum trocken sei. So seien die vorhandenen Pilze nicht aktiv. Raumluftmessungen haben übrigens keine Auffälligkeiten ergeben, erklärte Bürgermeister Hacker im FT-Gespräch.

Lederer verweist noch auf ein anderes Problem, das sie in einen Zwiespalt drängt. Momentan hat man etwa 20 Grad Raumtemperatur im Archiv, wie es eben in gewöhnlichen Büros der Fall ist. Für das Magazin ist das zu viel. Dort bräuchte man 16 Grad. Lederer: "Wenn Menschen sich wohlfühlen, ist es für das Magazin schon zu warm."