Es ist kalt an diesem Donnerstagmorgen, als sich Gerrit Hoppe zusammen mit dem FT auf den Weg macht, um die Mitfahrbänke zu testen. Im September des vergangenen Jahres installierten Hoppe (FW) und weitere Gemeinderäte Bänke in Lonnerstadt, Sterpersdorf, Ailsbach und zwei in Höchstadt.

Das Konzept: Wer kein Auto hat, aber trotzdem in die Stadt und wieder nach Hause mitgenommen werden möchte, setzt sich auf die Bank. Zuvor wählt man nur noch per Schild den Zielort in der Hoffnung darauf, dass man von einem Autofahrer mitgenommen wird.

Selbst gefahren war Hoppe mithilfe der Bänke zuvor aber noch nicht. Dementsprechend gespannt war er vor dem Selbstversuch, als es von Lonnerstadt zum Höchstadter Bahnhof gehen sollte. Innerlich war er darauf eingestellt, mindestens ein paar Minuten in der Kälte ausharren zu müssen.

Doch so war es nicht. Die Zeit reichte noch nicht einmal, um es sich auf der Mitfahrbank bequem zu machen, denn kaum hatte Gerrit Hoppe die Tafel auf Höchstadt (Bahnhof) umgelegt, schon hielt der erste Autofahrer an. Es war Volkmar Raber, ein Bekannter von Hoppe, der ihn erkannte und mitnahm. "Ich schaue regelmäßig zu den Bänken, aber da sitzt nie jemand drauf", erklärt Raber auf der kurzen Autofahrt in die Nachbarstadt.

Sein persönliches Bedenken ist, dass ältere Menschen, für die das Projekt unter anderem gedacht ist, zu stolz seien. Außerdem, so denkt er, hätten sie wahrscheinlich Angst, lange warten zu müssen - ähnlich wie Hoppe, der sichtlich erleichtert war, als sein Freund Raber anhielt.

Hoppe glaubt unterdessen, dass das Projekt noch zu unbekannt ist: "Wenn es mehr genutzt werden würde, wäre es total selbstverständlich." Natürlich sei eine Mitfahrbank nicht so zuverlässig wie der Bus, vielmehr soll es ein "Vorreiter für den Bus sein".

Der Bus würde wahrscheinlich ähnlich kurz brauchen. Fünf Minuten später, nachdem Hoppe ins Auto eingestiegen war, stieg er auch schon wieder am Höchstadter Bahnhof aus. Doch er ahnt: "Ich bin mir sicher, dass das Rauskommen aus dem Dorf deutlich einfacher ist als das Wiederreinkommen." Denn in Lonnerstadt kennt man ihn. Und so war es auch: Ein ruhiges Abwarten auf der Bank reichte in Höchstadt nicht aus. Man musste sich bemerkbar machen, auf das Schild deuten, den Daumen ausstrecken. Trampen eben. Blicke von Autofahrern streiften Hoppe, doch zunächst blieb niemand stehen.

Zehn Minuten später, der Daumen fröstelte schon leicht, hielt Tanja Gittelbauer an. Auch sie kennt Hoppe, kommt aus Lonnerstadt und musste in Höchstadt ein paar Dinge erledigen. Für sie war es auch das erste Mal, dass sie jemanden von der Mitfahrbank mitnimmt: "Gerade als Frau weiß man ja nicht, wen man da einsteigen lässt."

Rund 25 Minuten, nachdem Hoppe in Lonnerstadt den Test begonnen hat, steht er wieder an derselben Stelle. Keine lange Zeit, doch Hoppe meint: "Es erfordert doch ein wenig Mut." Man müsse sich bemerkbar machen - und jemanden kennen, sonst wird es schwierig.