Auf der Arbeit nennen sie ihn nur noch "Dimido". Eine Abkürzung für Dienstag, Mittwoch und Donnerstag - die Tage, an denen der Kriminalhauptkommissar im Polizeipräsidium in Nürnberg ist. Montag und Freitag geht Stefan Himpel (FW) dagegen einem anderen Job nach - sie gehören ganz der Gemeinde.

Doch ganz so einfach ist diese Abgrenzung von Beruf und Ehrenamt nicht immer. Denn für die Lonnerstadter ist Himpel schließlich nicht nur Bürgermeister, wenn es im Kalender steht. Vielmehr ist er rund um die Uhr sieben Tage die Woche für sie erreichbar: "Von Bürgern, die ein Anliegen haben, werde ich oft angesprochen. Daran hab' ich mich inzwischen gewöhnt. Das ist kein Problem", sagt Himpel. Genauso wenig, dass manche von ihnen direkt bei ihm zuhause anrufen oder an der Tür klingeln. Das Abschalten fällt ihm allerdings immer wieder schwer: "Ich liege oft lange im Bett wach und kann nicht schlafen", erzählt der 58-Jährige.

Als Theo Link krankheitsbedingt sein Amt abgab, übernahm Himpel, zu der Zeit noch stellvertretender Bürgermeister, zunächst kommissarisch den Posten des Rathaus-Chefs. Seit 1. April ist er nun offiziell im Amt. Besuch gab es deshalb sogar schon von seinem Dienstvorgesetzten, Kriminaldirektor Thilo Bachmann: "Er fand das eine tolle Sache und hat sich das hier alles mal angeschaut", freut sich Himpel.

Antworten auf viele Fragen

Inzwischen, nach über hundert Tagen, ist er längst mittendrin in der Arbeit: "Es ist schon anstrengend. Das hätte ich nicht gedacht", sagt Himpel. Gerade am Anfang habe es viele neue Anträge von Gemeinderäten gegeben. "Das ist sehr zeitintensiv. Es ist nicht immer leicht, das alles neben dem Tagesgeschäft unterzukriegen", sagt Himpel. Auch auf die Sitzungen bereitet er sich gewissenhaft vor: "Wenn man es ordentlich machen will, braucht das alles Zeit. Ich will auf alle Fragen eine Antwort parat haben", erzählt der gebürtige Erlanger.

Arbeit nimmt Himpel sich auch immer wieder mit nach Hause. Auch sonntags sitzt er daheim an seinem Schreibtisch und bearbeitet verschiedenste Unterlagen. "Die Familie kommt bei all dem zu kurz. Aber ich beklag' mich nicht. Die Arbeit macht Spaß."

Doch alles kann und will er neben seinem Job bei der Kriminalpolizei nicht stemmen. Deshalb hat er bestimmte Aufgaben an seine Stellvertreter abgegeben. Regina Bruckmann (FW), Zweite Bürgermeisterin, kümmert sich um alles, was die Jugendarbeit betrifft und leitet einen Arbeitskreis zur Wiederbelebung des Altorts. Hans Höps (CSU-BB), Dritter Bürgermeister, übernimmt alles rund um den Bauhof. "Das war mir ein großes Anliegen", sagt Himpel. Im Gemeinderat selbst läuft es für ihn bisher gut: "Konflikte gibt es natürlich immer. Wir sind kein Kuschelzoo hier. Aber es wurde jetzt noch keiner unsachlich oder ausfallend."

Horst Gäck (SPD/WG), sein damaliger Konkurrent bei der Wahl des Bürgermeisters, ist zufrieden: "Wir sind noch in der Gewöhnungsphase. Jeder hat seine andere Art. Stefan Himpel gibt sich Mühe." Auf die Wahlziele der SPD/WG gehe er ein, um einen Konsens sei er bisher stets bemüht. "Wir bewegen uns aufeinander zu. Wenn er so weiter macht, können wir etwas erreichen", so Gäck.

Auch Hermann Popp (SPD/WG) sieht die Zusammenarbeit inzwischen auf einem guten Weg: "Er scheint gemerkt zu haben, dass man an einem Strang ziehen muss, wenn man wirklich etwas für die Gemeinde erreichen will." Geärgert habe er sich aber, dass seine Partei gleich am Anfang bei der Wahl des Zweiten und Dritten Bürgermeisters "kalt gestellt wurde". "Die Bauhofleitung hat er eigenmächtig vergeben, das hat er überhaupt nicht mit den Gemeinderäten besprochen."

Lobende Worte findet Regina Bruckmann: "Es läuft alles sehr gut. Wir arbeiten gut zusammen. Stefan Himpel informiert mich über alle Sachen sehr gut."

Seinen Urlaub im September nutzt Himpel für eine zweiwöchige Fortbildung für Bürgermeister. Wenn er zwischendurch mal wieder auf andere Gedanken kommen will, geht der Hobbywinzer auf seinen Weinberg in Lonnerstadt: "Wenn ich da draußen bin, kann man wirklich abschalten. Die Arbeit mit den Händen ist eine tolle Abwechslung zur Büroarbeit."

Und wenn er dann abends im Bett doch mal wieder nicht einschlafen kann, ist das für Himpel gar nicht so schlimm: "Nachts kommen mir oft die besten Ideen."