Franz-Josef Lang war in seinem Element. Strahlend wie die Nachmittagssonne, und in fließendem Französisch begrüßte er die Gäste aus der Partnerstadt Sainte Luce sowie die anderen Teilnehmer eines Sprachkurses der VHS. Der Bäcker aus der Hauptstraße erzählte über sein Handwerk, plauderte aus dem "Brotkästchen" und verriet den Frauen und Männern, was denn das Geheimnis eines gelungenen Backwerk ist. Oder besser: Seine Frau Hertha verriet es. "Eingebackene Küsse machen den Kuchen gut", behauptete sie. Ihr Mann widersprach da keineswegs.

Elf Franzosen und drei Begleiter halten sich zurzeit in Herzogenaurach auf. Im Rahmen der deutsch-französischen Sprachwoche bessern sie ihre Deutschkenntnisse auf und lernen manch fränkische Eigenheiten kennen. So wie das Küchlebacken bei Franz-Josef Lang. Der führte die Gäste in die enge Backstube des historischen Gebäudes.

Genau das macht auch den Sinn dieser Zusammenkünfte aus, erläuterte Ute Siegler. Weil die Gruppe viel kleiner ist als bei sonstigen Delegationen, könne man auch mal kleine Sachen machen. Sie organisiert das Rahmenprogramm, während Traude Schmidt und Karin Stadelmann für den Unterricht zuständig sind. Seit letztem Jahr wird das Angebot durch die VHS und den Partnerschaftsverein Sainte Luce ermöglicht.

Fränkische Küchle

Der Bäcker zeigte nicht nur, wie die fränkischen Küchle entstehen, diese "kleinen Kuchen", wie er wörtlich übersetzte. Er ließ auch Bäckermeister Heinz Kreuzer und seiner Gehilfin Birgit Walz zeigen, wie das Brezenbacken geht. Und dabei erfuhren die Franzosen Wissenswertes über das deutsche Gebäck und darüber, dass die Laugenbreze eigentlich schwäbisch ist und ihre jetzige Form der Christianisierung zu verdanken sei, als das heidnische Sonnenrad zum Symbol der Dreieinigkeit umgeformt wurde, wie Bäcker Lang nachgelesen hatte.
Er machte auch Werbung für sein Handwerk, denn "wir werden immer weniger". Er zeige auch Kindern gern, wie ein Brot entsteht und wo es herkommt, sagte Lang. Damit diese nicht davon ausgehen, dass das aus dem Automat im Supermarkt stammt.

Und dann durften die Gäste auch selber ran und den Teig zur Brezel formen. Das klappte gar nicht mal so schlecht, wie beispielsweise die (deutsche) Teilnehmerin Rita Katzer aus Röttenbach bewies. Und das ganz ohne entsprechende Vererbung, denn, so sagte sie, "mein Vater war Schuster".

Heute ist übrigens ein offizieller Empfang der Gäste im Rathaus. Den Termin ihres Aufenthalts hatten sie bewusst aufs Altstadtfest gelegt. Und das schlechte Wetter? "Das störte nicht. In der Weinlaube war's trocken", sagte Ute Siegler.