Das "Lebkuchenhaus" hat es der ein oder andere Uehlfelder wegen seines Aussehens schon genannt. Was niedlich klingt, ist für die Prechtels noch immer eine ernste Sache.

Vergangenes Jahr, kurz vor Weihnachten am 18. Dezember, wirbelte ein Schicksalsschlag das Leben der Familie plötzlich durcheinander. Ein Defekt am Toaster in der Küche entfachte ein Feuer in ihrem Wohnhaus, das bald komplett in Flammen stand. Das Hab und Gut war mit einem Streich verloren, die Zimmer, in denen die fünfköpfige Familie lebte, verbrannt, verkohlt. Das Erdgeschoss vom Löschwasser zerstört. Rund 200.000 Euro beträgt der Schaden alleine am Gebäude. Der verbrannte Hausrat kommt da noch hinzu.

"Mir war das megapeinlich"

Wie eh und je stehen Jürgen Prechtel und seine Frau Doris hinter der Theke ihres Lottoladens in Uehlfeld. Bei ihnen befindet sich auch die Poststation. Daher kennen viele Menschen die Familie. Und dementsprechend groß war auch die Anteilnahme.

"Wir bedanken uns ganz, ganz toll bei den Leuten. Dafür, dass uns so viele geholfen haben", sagt Doris Prechtel, immernoch sichtlich gerührt. "Mir war das megapeinlich", gibt die 53-Jährige zu. Es habe einige Leute gegeben, die zu ihr in den Laden kamen, um ihr persönlich eine Spende zu geben. Ein komisches Gefühl sei das gewesen. Aber sie sei sehr dankbar.

In Uehlfeld lief damals sofort eine Spendenaktion an. Norbert Stoll, Vorsitzender des Schützenvereins, und Felix Flohr, der Vorsitzende des Feuerwehrvereins, richteten bei der Raiffeisenbank Uehlfeld-Dachsbach ein Spendenkonto ein.

Es sei toll, wie die Menschen sich beteiligt haben, sagt Stoll. Mehr als 200 einzelne Spenden seien eingegangen. Auch von außerhalb der Gemeinde. Eine Summe wolle er gegenüber der Zeitung nicht nennen.

Doch auch andere Art der Unterstützung und Hilfe kam sofort. Einige, die leerstehende Wohnungen hatten, haben sich gemeldet. Die Firma Estella aus Neustadt hat fünf neue Betten gespendet. Zusammen mit ihrer 14-jährigen Tochter Mona konnten die Prechtels dann glücklicherweise gleich gegenüber in eine leerstehende Wohnung über der Bäckerei Fumy ziehen. Die Söhne Chris (23) und Florian (26) seien anderweitig zur Miete untergekommen.

Erst sei man angesichts der Brandschäden davon ausgegangen, dass das Haus abgerissen werden müsste, sagt Jürgen Prechtel. Doch Sachverständige der Versicherung hätten die Statik geprüft und grünes Licht für eine Sanierung gegeben, so der 52-Jährige.

Nun haben sich die Prechtels an den Wiederaufbau gemacht. Dach, Fenster, Leitungen, Böden: Ihr Bauantrag hat den Gemeinderat passiert und liegt nun beim Landratsamt. "Wir hoffen, dass es im September losgehen kann", sagt Doris Prechtel.

Alle Erinnerungsstücke weg

Sie knabbert noch immer an den Folgen. Natürlich: Sie sei froh, dass niemand verletzt wurde. Ihr Verdacht auf Rauchgasvergiftung hatte sich damals zum Glück nicht bewahrheitet, alle sind wohlauf. Doch die Erinnerungen. Viele alte Möbelstücke, manches Erbstück, die Alben mit den Kinderfotos und andere Erinnerungsstücke sind verloren. Als es ans Ausräumen ging und die verkohlten Möbel mit Vorschlaghämmern zerkleinert werden mussten, da habe sie schon geschluckt. "Sie haben gesagt: ,Mama, das ist kaputt'. Ich bin dann gegangen."

Jetzt ist wieder Zuversicht eingekehrt. Das total entkernte Haus steht da wie ein Gerippe und wartet auf neues Leben. Nächstes Jahr soll Einzug sein.

Was man aus der Sache für eine Lehre ziehen kann? Sie müsse eine Lanze für die Versicherungen brechen. Es heiße ja oft: Im Notfall zahlen sie nicht. Doch sie hätten null Diskussionen bei der Kostenübernahme gehabt. "Zum Glück waren wir gut versichert", sagt Doris Prechtel. Gebäude- und Hausratversicherung griffen.

Und psychologisch? Wie verarbeitet man das? Hier bleibt sie ganz pragmatisch: "Einfach weitermachen."