Wenn im Höchstadter Gewerbegebiet Aischpark die Motorräder brummen, sich um kleine Hütchen schlängeln und ihre Fahrer fachsimpeln, dann ist es wieder soweit und die Verkehrswacht versammelt Biker der Region unter dem Motto "Sicherheit kann und muss trainiert werden".

In einem theoretischen Teil zu Beginn erläuterte Fahrlehrer Gerhard Wust aus Neustadt häufige Ursachen für Motorradunfälle anhand konkreter Fallbeispiele und berichtet auch von ungewöhnlichen Gefahrenquellen. "Wenn ein Motorradfahrer mehrere Autos oder Lastwagen überholt und zu knapp vor einem Fahrzeug wieder einschert, können moderne Bremsassistenten von Autos und Lastwagen auslösen und zu Auffahrunfällen führen", erklärte Wust.

Damit es gar nicht erst zu einem Unfall kommt, ist es wichtig, das Motorrad auch in Gefahrensituationen unter Kontrolle zu halten und das richtige Verhalten zu trainieren.

Wie fühlt es sich überhaupt an, wenn ein Reifen blockiert? Die mehr als 70 Teilnehmer übten das Bremsen aus verschiedenen Geschwindigkeiten und das schnelle Ausweichen auf den Firmengeländen von Baxter und Medwork. "Gerade in Schrecksituationen ist es entscheidend, den Blick dorthin zu richten, wo Platz zum Ausweichen ist", erklärte der Fahrlehrer und fügte hinzu: "Die Blickführung ist das A und O. Dort wo man hinsieht, fährt man auch automatisch hin."

Das vorausschauende Fahren und die Geschicklichkeit übten die Teilnehmer auch, indem sie ihre Maschinen in einem langsamen Slalom ausbalancierten, auf einer Kreisbahn in Schieflage brachten oder weitere Parcours bewältigten. "In engen Kurven ist das Zusammenspiel von Gas und Kupplung entscheidend", erklärte Motorrad-Instruktor Jochen Meier.

"Durch mehrere Übungsdurchgänge können die Fahrer Zuversicht und Vertrauen in ihr Können und das Fahrverhalten ihrer Maschine entwickeln." Das erlebte auch Jens Berben aus Erlangen, für den das Training zu einem Pflichttermin geworden ist: "Es ist gut, jedes Jahr aufs Neue das Fahrgefühl zu schulen und von Runde zu Runde klappt es besser."

Auch Gernod Fusshöller aus Pyrbaum freute sich, bei der jährlichen Schulung bekannte Gesichter wiederzutreffen. "Das Training weckt mein Motorrad und mich aus dem Winterschlaf. In diesem Jahr fahre ich mit neuen Reifen und konnte gleich merken, dass sich die Investition gelohnt hat."

Das Training soll die Fahrer nicht nur vor eigenen Unfällen bewahren, sondern sie auch ausrüsten, damit sie anderen verunglückten Verkehrsteilnehmern helfen können. Bei verletzen Motorradfahrern ist es beispielsweise wichtig, die Halswirbelsäule zu stabilisieren, während der Helm gerade vom Kopf gezogen wird. Notarzt Dr. Roland Maeumbaed und ein Team vom Roten Kreuz übten mit den Teilnehmern nicht nur die stabile Seitenlage, sondern auch Maßnahmen zur Reanimation und den richtigen Gebrauch eines Defibrillators. "Traut euch zu helfen, denn nur wenn ihr gar nichts macht, macht ihr alles falsch", fasste der Notarzt zusammen.

"Die Mischung aus Fahrpraxis und Theorie finde ich sehr gelungen. Im normalen Straßenverkehr kann man diese Erfahrungen nicht sammeln und durch das Feedback konnte ich mich an jeder Station verbessern", sagte Thomas Ackermann aus Dormitz. Er nahm zum ersten Mal an dem Training teil, "aber bestimmt nicht zum letzten Mal".