Er ist inzwischen 81 Jahre alt und hat schon einige Ersatzteile gebraucht: "Ich komme hier nur mühsam hoch. Ich habe seit 2011 eine Schulter aus Titan, seit letztem Jahr ein Knie aus Titan. Ich bin ein Titan", scherzte Bill Ramsey, als er die Bühne im großen Saal der Heinrich-Lades-Halle erklomm. Das hielt den deutsch-amerikanischen Sänger aber nicht davon ab, die Gäste des Jazz-Band-Balls gemeinsam mit dem Butch-Miles-Quintett zu begeistern.
Ramsey trat mit dieser Formation zwei Mal auf, im großen Foyer, wo die Zuhörer dicht an dicht standen, sodass vermutlich niemand umfallen hätte können. Ein zweites Mal war er im Großen Saal zu hören. "Einen wunderschönen Abend" wünschte die internationale Formation mit Musikern aus Großbritannien, Italien und den USA den Zuhörern. Drummer Butch Miles hatte bereits mit Count Basie musiziert. Dazu gehörten noch Klarinettist Dan Block, der Wiener Vibraphonist Martin Breinschmid, der Italiener Rossano Sportiello am Klavier und der britische Bassist Dave Green.
Statt "Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe" gab es mit Bill Ramsey "That old black magic" und statt "Schokoladeneisverkäufer" "Fly me to the moon". Wer "Pigalle" im Ohr hatte, wurde mit "Orfeo Negro", dem Titelsong aus dem Film Black Orpheus, angenehm überrascht. Im großen Saal hatte er "Rollin' on the river", aber auch "Georgia" im Repertoire und verabschiedete sich mit der Aufforderung: "Keep rocking!"
Gut gemischt war das Programm des Abends. Genauso wie das Publikum: Jazzliebhaber, die in "zivil" den musikalischen Beiträgen lauschten, aber auch bekennende Faschingsfans in den unterschiedlichsten Kostümen. Schlümpfe, Piraten, Blumenkinder, Cowboys und andere Gestalten bevölkerten die Halle. Und wie jedes Jahr war Mann oder Frau vor die Wahl gestellt, was man unbedingt hören wollte. Denn parallel wurden großer und kleiner Saal, aber auch das große Foyer bespielt. Wo Platz war, konnte auch getanzt werden, was allerdings nicht immer ganz einfach war.

Eine Band auf Achse

Die Laurel & Hardys Marching Band empfing im Eingangsfoyer die Besucher des Jazz-Band-Balls, zog auch während einiger Umbauzeiten durch die Säle und begeisterte im kleinen Saal als vorletzter Programmpunkt die Zuhörer. Im großen Saal machte die Uni-Bigband Erlangen den Auftakt. Sie hatten die Aufgabe, die Besucher in den großen Saal zu lotsen. "A Tisket a Tasket", für viele noch im Gehör von Ella Fitzgerald, aber auch "Ain't she sweet" gehörte zum Programm. Und Sängerin Rebecca Kunzelmann ist neben ihren Gesangskünsten und dem Einsatz als Posaunistin allemal ein Hingucker. Es klingt natürlich etwas ungewöhnlich, wenn ihre Formation das "Tijuana Taxi" von Herb Alpert zum Besten gibt, kam bei den Zuhörern aber sehr gut an. Die Formation setzte sich "zu 95 Prozent aus Studenten der Universität zusammen", wie Leiter Ulrich Nehls zu berichten wusste. Ergänzt werden die Musiker durch Mitarbeiter der Erlanger Firma Siemens.

Zurück in die 50-er Jahre

Die fünfköpfige Franconian Jazz-Band ließ mit Stücken wie "It don't mean a thing, if it ain't got that swing", das auch Ella Fitzgerald im Repertoire hatte, die 1920-er Jahre wieder aufleben. Von vielen Fans und Zuhörern umlagert waren Rickbop & The Hurricanes. Die Powermusiker aus Bamberg brachten unüberhörbar mit ihren Hits der 1950-er und 1960-er Jahre dieses Lebensgefühl wieder zurück. Viele erinnerten sich offensichtlich an diese Zeit, als der Käfer das Standardauto darstellte und Songs von Buddy Holly oder Bill Haley en vogue waren.
Jens Wimmers Boogie-Trio hatte sich die "Roaring Twenties" zum Vorbild genommen. Die Formation sorgte mit ihrer Zeitreise für gute Stimmung im großen Saal. Aber auch die anderen Gruppen mussten sich nicht verstecken und hatten ihre treuen Fans. Swamp aus den Niederlanden deckte in diesem Jahr die Abteilung Zydeco, Cajun und Swamp-pop ab. Banjo, Akkordeon und Waschbrett sind die unverzichtbaren Instrumente für die fünfköpfige Gruppe. The Magictones, die zweitgrößte Formation des Abends, zeichnete hauptsächlich für Rhythm and Blues und Songs aus der Blütezeit des Soul verantwortlich.
Conexión punktete vor allem mit ihrer Sängerin Mayelis Guyat. Kubanische Klassiker und südamerikanische Stücke brachten Robby Geerken (Percussion), Sergio Gomez (Bass), Daniel Almeida (Piano), Justo Perez (Flöte) und Hardi Barnewold (Percussion) auf die Bühne.