Jährlich wiederkehrende sportliche Wettbewerbe kennt man in Höchstadt etliche. Der ungewöhnlichste und - wahrscheinlich - temporeichste ist das Bienenwettfliegen, das der Imkerverein Höchstadt und Umgebung jedes Jahr an seinem Blütenhonigfest veranstaltet.
Und er hat jedes Mal interessierte Zuschauerscharen. Diesmal sogar aus Heroldsbach. "Etliche Kinder und ihrer Eltern sind wieder gekommen", erzählt Vereinsvorsitzender Hannes Neumeier bei den Vorbereitungen zum Wettflug. Vor Kurzem besuchten die ersten Klassen aus der oberfränkischen Gemeinde den Bienenstand von Erwin Hutterer. Und waren begeistert. "Mama, ich habe Bienen gestreichelt", sollen einige zu Hause berichtet haben.
Jetzt stehen Paul, Fabian und Adrian beim neunjährigen Jonas Niedt de Matos, der ihnen den Lehrbienenstock erklärt. Jonas lernt die Imkerei bei Neumeier. Nächstes Jahr will er ein eigenes Volk haben und in Höchstadt-Nord in der Nähe seines Elternhauses aufstellen. Dann wird er auch als Mitglied im Verein aufgenommen. Als Jüngster.
Zu seinem Hobby ist er durch die Besuche mit seiner Grundschulklasse gekommen. Ansonsten ist der Imkernachwuchs etwas älter. "Oft ist der Beginn des Ruhestands maßgeblich", sagt Neumeier. "Von April bis Juni hat ein Imker schon reichlich Arbeit. So hat sich im vergangenen Jahr ein Russlanddeutscher aus Weingartsgreuth gemeldet. Er hat inzwischen schon drei Völker. Die Völker des "Römer Schorsch" betreut derzeit noch Neumeier, der sich über die Ruhestandsplanung des stadtbekannten Musikers freut. Drei Jahre lang stehen Anfängern die erfahrenen Imker als Bienenpaten bei.
"Man muss schon wissen, wie man eine Biene anfassen kann, ohne dass sie sticht", verrät Neumeier den Kindern und Erwachsenen, die sich zum Wettflug am Lehrbienenstock eingefunden haben. Blitzschnell greift er zu und hält die Imme an den Flügeln fest. Er lässt sie in ein Plastikröhrchen gleiten und verschließt es mit einem Schaumstoffstöpsel.
"Nun können wir unsere Rennbienen markieren", sagt er zu den Buben, die schon fleißig die Lackstifte geschüttelt haben. Denn das Röhrchen ist an der Unterseite mit einem Gitter verschlossen, durch das Farbe auf die Rücken der Insekten gelangen kann.
Neun Stück in den Farben Grün, Weiß und Rot werden um den Sieg kämpfen. "Grün gewinnt", ruft Adrian, ehe er mit Erwin Hutterer und der Box zum Startpunkt am Gremsdorfer Ortsschild aufbricht. "Ich bin für Weiß", ruft Paul. Das Wetten rentiert sich, gibt es doch ganz viel Honig für die, die richtig liegen, und sogar einen Segelflug zu gewinnen.
"Es wird keine fünf Minuten dauern, dann sind die ersten wieder am Flugloch", warnt Neumeier die Zuschauer vor. Zeit für allerhand Fragen.
Sorgen um das Wohlergehen macht sich eine begleitende Mutter. Ob denn der Farbfleck dauerhaft sei. "Sie tragen ihn bis an ihr Lebensende", versichert ihr Neumeier. Erstaunte Blicke. "Im Sommer beträgt die Lebenszeit einer Biene rund sechs Wochen und erst am Ende werden sie zu Flugbienen, die Pollen und Nektar sammeln. Unsere Rennbienen werden also noch eine Woche leben."
Dabei lässt sich Neumeier nicht aus der Ruhe bringen, obwohl ihn etliche umstehende Kinder auf die Biene auf seiner Schulter aufmerksam machen. Die Biene ruht sich bei ihm aus. "Solange ich sie nicht störe, sticht sie bestimmt nicht."
Und noch mehr Erstaunen ruft hervor, als er erklärt, dass sich das Bienenjahr schon dem Ende zuneige. Heuer besonders früh, schätzt er. "Die Lindenblüte wird in einer Woche vorbei sein und damit ist das Blühjahr im Grunde schon vorbei." Die Bienen flögen dann viel weniger - mangels Nahrung - und die Imker müssten das Zufüttern beginnen. Heuer voraussichtlich Ende Juni bereits, einen Monat früher als sonst. "Das liegt am warmen Januar", weiß er.
Von März bis Mitte Mai sammeln die Bienen Pollen und Nektar vor allem während der Obstbaumblüte. Deshalb heißt Honig aus dieser Zeit auch Blütenhonig.
"Und dann gibt es noch Blattlausscheiße", versucht er seine jungen Zuhörer etwas zu schockieren. "Den Waldhonig" Er stammt tatsächlich von den frischen Trieben der Laub- und Nadelgehölze. Blattläuse zapfen sie an und scheiden eine Zuckerlösung aus. Im Morgentau, wenn sie flüssig ist, tragen sie die Bienen in ihren Stock und lagern sie in den Waben ab. Dabei wandelt sie sich wie der süße Saft aus Blüten in Honig um. "Ganz hygienisch" versichert der Fachmann.
Dann lenkt er die Aufmerksamkeit schnell auf das verstopfte Flugloch. "Bei dem schönen Wetter kommen die ersten Rennbienen bald." Ein paar übereifrige Kinder muss er ein wenig zurückhalten, denn etliche Bienen schwirren um die Gruppe herum und trauen sich offenbar nicht zu landen. "Eine Weiße fliegt an", ruft Paul. "Sieger ist die, die wirklich landet", bremst Neumeier den Eifer.
Die Weiße dreht etliche Warteschleifen, einer glaubt auch eine Grünmarkierte ausgemacht zu haben. Doch dann berührt die Weiße den blauen Einflugplatz mit den Beinen. "Weiß hat gewonnen", verkündet Neumeier. Der Hauptpreis geht an Samuel Seitz aus Etzelskirchen, auch einer der interessierten Buben.