Es war ein hartes Urteil, das Richter Gallasch am Ende eines langen Prozesses fällte. Drei Jahre und sechs Monate Gefängnis lautete das Strafmaß für den Angeklagten, der sofort nach der Verhandlung abgeführt wurde.

Der Schuldige hatte seit 1999 einen Modelleisenbahn-Handel über die Internetplattform Ebay betrieben. Als er Anfang 2017 eine Anzeige entdeckte, in der eine Sammlung aufgelöst wurde, setzte er sich mit den Verkäufern in Verbindung. "Es hat sich gut angehört, was er gesagt hat", erklärte am Donnerstagmorgen die Verkäuferin vor Gericht. So sei das erste Gespräch positiv verlaufen, ihr Bruder habe dann einen Vertrag aufgesetzt, der bei Verkauf beiden Parteien 50 Prozent des Erlöses zukommen lassen sollte. Doch dazu kam es nie. Lediglich einmal, nachdem die Geschädigte Strafanzeige gestellt hatte, überwies ihr der Angeklagte 5000 Euro.

Der Angeklagte hatte zwar die Eisenbahnen verkauft, monierte aber immer wieder bei der Verkäuferin, dass diese in einem schlechten Zustand seien, setzte sie teilweise nicht über die Verkäufe in Kenntnis oder sagte, er habe sie woanders verkauft. Insgesamt erzielte er damit einen Erlös von rund 85 000 Euro. Doch das Geld lief nicht über sein eigenes Konto. Seine damalige Freundin, die mit ihm angeklagt war, hatte für ihn ein neues Konto eröffnet, da er zuvor in Spanien lebte. Sie überwies allerdings nur Geldbeträge, zahlte sie ihm aus und verwaltete somit das Konto.
Richter Gallasch ließ bei der 49-Jährigen Milde walten, sah ihre Tat vielmehr als "leichtfertig und blauäugig" an und ließ das Verfahren gegen sie einstellen. Sie selbst hatte keinen Ertrag von dem Geschäft ihres damaligen Freundes. In sechs Raten soll sie aber nun 1800 Euro Geldstrafe zahlen.


400 Modelle verkauft

Für ihren Exfreund wurde die Beweislage mit Verlauf des Prozesses hingegen zunehmend erdrückender. "Wo ist das Geld?", fragte der Richter immer wieder, worauf der Angeklagte keinen klaren Einblick lieferte. Zwei bis drei Mal hätte er sich bei Modelleisenbahnen verspekuliert, für den Umzug von Spanien nach Deutschland sei ebenfalls viel Geld geflossen. Doch ein Zeuge der Polizei, der gegen den Täter ermittelt hat, verglich die Auflistung der ursprünglichen Verkäuferin mit den tatsächlich verkauften Objekten auf Ebay. So kam er zu dem Schluss, dass 400 Eisenbahnmodelle weiterverkauft wurden.

Der Verteidiger hatte zuvor angegeben, dass der Angeklagte, der sich ein Büro in Weisendorf eingerichtet hatte, lediglich 300 bis 320 Exemplare erhalten hat. Der Polizeibeamte bezifferte den Schaden auf rund 37 000 Euro. Das Geld wurde auf spanische Konten überwiesen, große Barabhebungen wurden getätigt und ein Mercedes-Benz gekauft. "Die Geschichte lief aus dem Ruder", räumt der Angeklagte ein.


Nicht nur eine Unterschlagung

Doch auch seine Vorgeschichte war am Donnerstag für ihn erdrückend: 16 Eintragungen hat er bereits im Bundeszentralregister, alleine sieben davon wegen Betrugs. Deshalb plädierte Staatsanwältin Hüller auf drei Jahre Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Es sei ein enorm hoher Schaden, zusätzlich könne der Angeklagte den Schaden aktuell nicht gutmachen, da er arbeitslos ist und Arbeitslosengeld bezieht. Weiter schlug sie eine Einziehung von Wertersatz in Höhe von 37 000 Euro vor.

Der Verteidiger hingegen erklärte, dass es kein Betrug sei, da beide Parteien wie richtige Geschäftspartner miteinander verhandelt hätten. Zudem habe sein Mandant nicht von Anfang an betrügen wollen. Es sei vielmehr eine Unterschlagung. Außerdem sei sein Geständnis als positiv zu bewerten. Er forderte eine Strafe auf Bewährung.

Doch das sah Richter Gallasch ganz anders: Sein Urteil geht sogar über das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß hinaus. Seine zahlreichen Vorstrafen und die fehlende Schadenswiedergutmachung belasteten den Angeklagten schwer, wie der Richter erklärte. Drei Jahre und sechs Monate Gefängnis und ein sofortiger Haftbefehl sind die Folge. Der Anwalt des Täters hat nun eine Woche Zeit, um in Berufung zu gehen.