"Wir haben unseren Planeten vernachlässigt. Die Paradiese unserer Erde sind zerstört, ganze Ökosysteme sind gekippt und wir leben im Zeitalter des Plastiks." Harte Worte von National-Geographic-Fotograf York Hovest bei einem Vortrag im Hotel "Herzogspark".

Der Münchner war dort zu Gast, um sein neues Projekt "Heroes of the sea" (deutsch: Helden der Meere) vorzustellen, ein globales Projekt zur Rettung der Ozeane. Sein Ziel ist es, verschiedene Menschen, seine Helden, in eine Datenbank aufzunehmen, um alle Hilfsorganisationen und Einzelpersonen zu sammeln, die sich für die Rettung der Meere einsetzen.

Hovest ist leidenschaftlicher Taucher und bereiste schon vor einigen Jahren die großen Korallenriffe und Paradiese dieser Welt. Seine Rückkehr dorthin in den vergangen zwei Jahren war schockierend: leuchtende Korallen bleichen aus, Plastik verschmutzt das ehemals kristallklare Wasser, ganze Arten von majestätischen Meerestieren sterben aus, illegaler Fischfang ist weiter verbreitet als je zuvor. Verantwortlich gemacht werden kann hier nur einer: der Mensch. York Hovest will jedoch niemanden anprangern und als Sündenbock bestimmen, er macht sich lieber auf die Suche nach Lösungen; auf die Suche nach Helden der Meere.

Erschreckendes auf Haiti

Seine erste Mission führte ihn nach Gabun, Afrika, wo er zusammen mit den Aktivisten der Umweltschutzorganisation "Sea Shepherd" und einigen Marinesoldaten ein illegales Fischerboot enterte. "Da steht man richtig unter Strom," berichtet York Hovest, "man empfindet einfach nur Wut und es ist eine sehr emotionale und nervenaufreibende Angelegenheit." Der Kapitän des Schiffes wurde verhaftet und sitzt bis jetzt im Gefängnis, die Crew wurde freigelassen und das Schiff wurde als Abschreckung für andere vor dem Hafen Gabuns versenkt.

Die Reise ging weiter nach Thailand, wo Hovest den "Unterwassergärtner" Andrew Hewett traf und ihm beim Säubern seiner Korallenaufzuchtstation in der Andamanensee half. Mit der Zahnbürste werden dort einmal die Woche die kleinen Korallensetzlinge gereinigt. Über 100 solcher Bänke gibt es mittlerweile, und viele Freiwillige reisen von überall auf der Welt dorthin, um zu lernen und Andrew Hewett, einen Held der Meere, bei dieser scheinbaren Sisyphusarbeit zu unterstützen.

Für Hovest war jedoch keine Reise so erschreckend wie seine Reise nach Haiti. "Die Menschen leben dort in ihrem Müll und an den Stränden ist kaum noch ein Sandkorn zu sehen, weil überall Plastik liegt." David Katz, ein weiterer Held, hat hier eine Chance entdeckt und die "Plastic Bank" gegründet. Die Bewohner von Haiti können hier Plastikmüll in Säcken abgeben, die gewogen werden, und erhalten im Gegenzug Geld, Lebensmittel oder Elektrizität. Diese großen Mengen an Plastik werden dann von europäischen Unternehmen aufgekauft und recycelt. So wird zum Beispiel ein Großteil der Luftpolsterfolien für Verpackungen aus diesem sogenannten "Social Plastic" hergestellt.

Doch so wichtig wie die Menschen, die aktiv Umweltschutz betreiben, auch sind, einer dürfe laut York Hovest nicht vergessen werden: der Kameramann. Irgendjemand muss sich auf die Suche nach den letzten Paradiesen unseres Planeten machen, muss den Menschen zeigen, was sie beschützen müssen und was sie bereits verloren haben.