Der siebte Tag auf der Erlanger Kerwa ist der "Bergtag" - also Halbzeit. Grund genug, eine Zwischenbilanz zu ziehen über die ersten Tage. "Der schönste Biergarten Deutschlands" hat von seiner Strahlkraft nichts eingebüßt", schreibt der Pressesprecher der Schausteller, Dieter Germann. Nach Schätzung der Schaustellerverbände dürften es rund 500.000 Besucher gewesen sein, die die Bergtour bereits absolviert haben. "Wir sind natürlich beeindruckt", meint denn auch Erlangens Wirtschafts- und in der fünften Jahreszeit zwischenzeitlicher Bergreferent Konrad Beugel, "die Erlanger Bergkirchweih ist und bleibt eine der schönsten Freiluftveranstaltungen der Bundesrepublik, der Andrang am ersten Wochenende hat uns bei dieser Einschätzung erneut bestätigt."

Sicherheit geht vor

Vereinzelte Wetterkapriolen konnten den Zustrom nur bedingt bremsen. "Es müssen schon Backsteine vom Himmel fallen, damit hier ein Besucher einbruch zu verzeichnen ist", so Beugel weiter. Dennoch wird angesichts hoher Besucherzahlen und stetiger Belastung des Berges weiter über Sicherheitsmaßnahmen zu diskutieren sein.

"Die eingeleiteten Maßnahmen - unter anderem der Kapellenwechsel und Umleitungen - greifen, wir werden aber weiterhin am großen friedlichen Familienfest arbeiten. Party und Feierwiese für junge Menschen, alles gut und schön, die Familie, die Verbindung der Kulturen hat nach wie vor Vorrang. Jedermann darf und soll sich in Erlangen wohlfühlen." Die Umleitung wurde erstmalig am Samstagabend angewandt. Am Zugang zur Bergstraße hieß es "Stopp" und die Besucher wurden über die Essenbacher Straße zum Schützenweg umgeleitet.
Ursprünglich war zwar die Umleitung weiter oben am Berg angedacht, nämlich über die Schützenweg in Richtung Riesenrad, doch dieser Plan wurde kurzfristig verworfen.

Grund der Umleitung: Etwa ab 20 Uhr ging es zwischen dem Entlas-Keller und dem Riesenrad weder vor noch zurück. Der Massenansturm forderte von den Sicherheitskräften alles, die versuchten, die Menschenmassen einigermaßen in die Bahnen zu lenken. Die Schaustellerin Carmen Beck war entsetzt: "Da waren noch Eltern mit ihren kleinen Kindern unterwegs, das ist schon grenzwertig."

Zunahme an Straftaten

Wohl- und sicher fühlen soll sich aber der Besucher. Von den entsprechenden Organisationen, Polizei und Rettungsdienst, kommen Rückmeldungen, die anzeigen, dass der Berg "üblich" verläuft. Während die Polizei eine "leichte Zunahme von Straftaten" zu verzeichnen hat, verweist der Rettungsdienst auf einen "zwischenzeitlich völlig normalen Berg".

Bei den uniformierten Helfern war zu erfahren, dass die Körperverletzungen zum Teil erheblich waren. Aber auch auffällig viele Taschendiebstähle werden beklagt. Dass die Einsätze der Rettungskräfte und der Polizei auf dem Berg sicher nicht vergnügungssteuerpflichtig sind, zeigte ein Beispiel vom Wochenende.

Sonntag auf Montag fuhr eine Streifenbesatzung nachts gegen halb vier in Richtung des Martin-Luther-Platzes. Ein mit 1,48 Promille alkoholisierter Fußgänger sprang auf die Fahrbahn und zwang das Polizeiauto zum Anhalten.

Der 33-Jährige zog seine Jeans samt Unterhose herunter und zeigte den Beamten in schamverletzender Weise sein Geschlechtsteil. Ihn erwartet eine Anzeige wegen einer exhibitionistischen Handlung.

Für die kommende Halbzeit wünschen sich Wirte - "bislang durchschnittlicher Berg" - und Schausteller den verstärkten Einsatz von Petrus, damit der "schönste Biergarten Deutschlands" auch das Wetter bekommt, das er verdient hat.