Inge Weiß und Barbara Jung-Reusch haben vieles gemeinsam. Beide sind selbstständig und beide haben ihr Geschäft zwischen den Türmen im Herzen der Hauptstraße. Und beide Frauen kennen sich schon lange, und: "Wir mögen uns". So war es nur logisch, dass die Beiden sich auch entschlossen, an der städtischen Marketingaktion "Begegnungen in Herzogenaurach" teilzunehmen. "Aber nur, wenn wir gemeinsam auf ein Bild kommen".

Die Aktion sieht vor, dass sich Geschäftsleute und Mitarbeiter von hiesigen Firmen auf großen Plakaten optisch treffen. Sie geben sich die Hand beziehungsweise reichen ihrem Fotopartner einen für ihr Metier typischen Gegenstand. Inge Weiß, die Optikerin, hält Brillen in der Hand. Barbara Jung-Reusch, die Buchhändlerin, ein paar Bücher. "Bücher und Brille, das verträgt sich gut", sagt Jung-Reusch. "Und wir beide tun es auch".

Die Powerfrauen

Gemeinsam auf eine etwas andere Art zu werben, das kennen die beiden Geschäftsfrauen übrigens von früheren Zeiten. Als der Bereich der Hauptstraße zwischen den Türmen eine Großbaustelle war, beeinträchtigte dies auch ihre Geschäfte. So taten sie sich, gemeinsam mit sieben anderen selbstständigen "Powerfrauen" zusammen und schufen ein großes Fotoplakat, das in luftiger Höhe über der Baustelle angebracht wurde. Motiv: Neun Frauen sitzen auf einem Holzbalken über den Dächern Herzogenaurachs. Die Idee gab ein damals berühmtes Schwarzweiß-Foto mit Bauarbeitern hoch über New York. Nur dass die Hauptfiguren eben Frauen aus Herzogenaurach waren.

"Wir waren die fröhlichste Baustelle der Welt", schmunzelt Inge Weiß. Oft wurde damals über das Ärgernis Baustelle geschimpft, da habe man sich gedacht: "Wir müssen was lustiges machen".
Die aktuelle Aktion der Stadt, die mit der Werbegemeinschaft initiiert worden war, begrüßen die beiden Frauen. "Eine wirklich gute Idee", sagt Weiß. "Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl".

Menschen geben sich die Hand

Die beiden Freundinnen waren die ersten Teilnehmer, die sich für die Aktion anmeldeten. Insgesamt gab es gast 60 Interessierte aus mehr als 40 Firmen. 29 Motive sind entstanden, die im Kleinformat in den vergangenen beiden Tagen bereits in den Geschäften der westlichen Hauptstraße zu sehen waren. Kunst auf der Baustelle also.

Betreut wurde die Aktion von einer weiteren Powerfrau, der städtischen Marketingbeauf tragten Judith Jochmann. Sie erntete bei der Vernissage für ihre Hartnäckigkeit großes Lob von Bürgermeister German Hacker. Hierzu hatten sich rund 80 Besucher in der Trattoria al Centro eingefunden. Jochmann gab ihrerseits das Lob an Nicole Werkmeister und Max Etzold weiter, die für die Konzeption sorgten.

"Was herausgekommen ist, ist mehr als gut", sagte Hacker. "Menschen geben sich die Hand". Ein symbolisches Bild das weltoffene, international geprägte Herzogenaurach. Da wurde beispielsweise auch das abgebildet, was in der Vergangenheit nicht möglich war: Adidas und Puma auf einem gemeinsamen Bild, zwei Mitarbeiter gehen aufeinander zu. Und auch witzige Motive fanden sich. Schmunzeln weckte zum Beispiel folgendes Bild: Einzelhändler Lothar Maydt hält einen Grill, Atlantis-Betriebsleiter Konrad Wagner ein Quietschentchen - Ente vom Grill gewissermaßen.

Mitte der nächsten Woche wird voraussichtlich damit begonnen, die zwei mal drei Meter großen Baustellenplakate aufzustellen.