Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute begegnen sich Menschen im Alltag. Weshalb sollte man so eine Begegnung nicht optisch wirksam auf großflächigen Plakaten darstellen? Diese Frage stellten sich die Zuständigen auf der Stadt und bei der Förder- und Werbegemeinschaft (Föwe) und gaben auch gleich die Antwort darauf. Besser gesagt: Judith Jochmann, die Frau fürs Stadtmarketing im Rathaus, gab sie. Am Montagabend im Innenhof der Trattoria La Vecchia am Ende der westlichen Hauptstraße.

"Herzogenaurach. Begegnungen" nennt sich das gesamtstädtische Kommunikationsprojekt, mit dem man die lokalen Firmen gewinnen will, ihre Art von Begegnungen großflächig zu präsentieren. Zumal Herzogenaurach ein "erfolgreicher, dynamischer und vielfältiger Wirtschaftsstandort" sei, wie Jochmann erläuterte. Und weiter: "Für viele Menschen aus aller Welt ist die Stadt der ideale Ort zum Wohnen und Arbeiten. Menschen aus allen Teilen Deutschlands und aus über 90 weiteren Ländern leben in Herzogenaurach und begegnen sich in allen Teilen der Stadt".

Für Jochmann tun sich da große Spannungsfelder auf. So sollen immer zwei Menschen aufeinander zugehen, die in zwei unterschiedlichen Firmen arbeiten. Und die sich in ihrem Arbeitsumfeld ergänzen. Optisch wird das so umgesetzt: Die beiden Darsteller stehen sich gegenüber, jeder präsentiert ein typisches Arbeitsgerät und erhält eine kurze Beschreibung seiner Tätigkeit. Für Jochmann ist das eine ideale Möglichkeit der Werbung. Und zwar für wenig Geld, denn die 600 Euro pro Teilnehmer würden gerade die Produktionskosten decken.

Auch Ruthild Schrepfer von Herzo City (Föwe) entdeckt in dem Projekt ein spannendes Feld und hat schon eine Idee. Da könnte doch der Walter Drebinger von der Schmiede die Barbara Stamm von der Goldschmiede treffen - er mit einem richtigen Schmiedehammer und sie mit dem Hämmerchen. Steuerberater Ralf Jantschke sieht ebenfalls eine Werbemöglichkeit. "Ich mach ja internationale Steuererklärungen", sagte er im FT-Gespräch. Er könnte sich vorstellen, etwa gemeinsam mit Adidas und Puma aufzutreten.

Ausgangspunkt für das Projekt war, wie Jochmann erläuterte, die Großbaustelle in der Hauptstraße. Zwei Jahre wird diese, ab 2013 in der Verlängerung der Würzburger Straße, für Beeinträchtigungen sorgen. Mit einem Baustellenmarketing wolle man das Projekt begleiten, wurde im Vorfeld beschlossen.

"So eine Baustelle ist aber nicht wirklich ideal für das Marketing", erläuterte die Rathaus-Mitarbeiterin. Da gebe es keine großen Flächen, wo man die Plakate anbringen könnte. Deshalb habe man sich entschlossen, "ein Projekt für möglichst viele" zu machen. Demnach werden jetzt überall im Stadtgebiet, je nach Resonanz, Bauzäune aufgestellt und mit Werbebannern versehen. Zwölf Monate bleiben sie stehen, die Motive sollen alle drei Monate ihre Standorte wechseln.

Den Ansporn für das Projekt hatte ein Besuch in Penzberg gegeben, "wo schon erfolgreich Baustellen-Marketing durchgeführt wurde", wie Föwe-Vorsitzender Michael Dassler erläuterte. Die Stadt habe damit 2010 einen Stadtmarketingpreis gewonnen. Ihr Konzept: Mit großen Fotografien haben sie eine Innenstadtbaustelle verdeckt.