Wie strikt die Bestimmungen doch sein können, das haben zwei Bauherren in der Bauausschuss-Sitzung am Mittwochabend erfahren. Einmal war es die Bayerische Bauordnung, die einem Vorhaben in der Altstadt eine extra Leistung abverlangt. Zum anderen lässt die städtische Dachgaubensatzung einem Gesuch in Burgstall nicht den gewünschten Freiraum für kreative Gestaltung. In beiden Fällen war die Freude über die Maßgaben nicht sonderlich groß.

Fünf Wohnungen

Silvia und Thomas Hornfischer wollen ein Fachwerkhaus in der Badgasse um- und anbauen. Es ist geplant, dort fünf Wohnungen und Appartements zu schaffen. Mit einer Abweichung von der Gestaltungssatzung der Altstadt und den Abstandsflächen war die Verwaltung durchaus einverstanden, doch als bei den Auflagen das Wort Kinderspielplatz fiel, schüttelte Bauherr Thomas Hornfischer ungläubig den Kopf. Warum müsse er einen Spielplatz nachweisen, fragte er in der Sitzung nach. Er wolle doch lediglich Wohnraum für Singles schaffen.

Die Bayerische Bauordnung schreibt das vor, erläuterte Susanne Strater vom Bauamt der Stadt. Wenn ein Mehrfamilienhaus groß genug ist, müsse auf dem Grundstück eben ein Spielplatz nachgewiesen werden. Wenn der Bauausschuss jetzt ein Auge zudrücke, nütze das auch nichts. Spätestens beim Landratsamt als Genehmigungsbehörde würde das erneut auffallen. Bürgermeister German Hacker (SPD) drückte das aus: "Die Vorschriften sind glasklar."

Er widersprach damit auch einem Vorschlag von Konrad Körner (CSU), der auf benachbarte öffentliche Spielplätze im Schlossgraben und am Postplatz hinwies. Es gebe also keinen Mangel an Spielmöglichkeiten, und der Platz in der Altstadt sei eh schon beengt. Warum belasse man es mit der Auflage nicht einfach bei einer Wippe?
Das eben sei nicht machbar, entgegnete Susanne Strater. Verlangt werden mindestens 60 Quadratmeter Spielfläche, vor allem für die Kleinkinder bis sechs Jahren. Die könne man ja auch nicht mal schnell zum Schlossgraben schicken. Strater: "Mit einer Wippe und einem Sandkasten ist es nicht getan."

Gefallen fand hingegen die Gestaltung des Vorhabens. Da soll an das historische Gebäude ein moderner Anbau angefügt werden. Diese optische Trennung befürworte man, sagte der Bürgermeister. Geschaffen werden müssen noch sieben Stellplätze für Autos und sechs Fahrradabstellmöglichkeiten. Und eben der Spielplatz, was Hornfischer nicht verstehen wollte: "Meine Zielgruppe sind Singles."

Verwaiste Flächen

Kurt Zollhöfer von der CSU nutzte den Punkt zu einer generellen Kritik an dieser Spielplatzregelung. Im Wohngebiet auf der Herzo Base wisse er von zwei Objekten mit verwaisten Spielplätzen auf dem Grundstücken. Da wohnen offenbar keine Kinder. Müsse man denn unbedingt solche Spielplätze verlangen, nur um der Bauordnung Genüge zu tun, wollte Zollhöfer wissen. Bürgermeister Hacker antwortete darauf mit einem anderen Beispiel: "Es gibt Tiefgaragen, die auch leer sind." Man müsse sie dennoch verlangen. Und die Grüne Retta Müller-Schimmel plädierte dafür, vor allem bei den Kindern nicht zu sparen.

Kein Spaß mit Dachgauben

Zufriedene Bauwerber verließen den Sitzungssaal auch bei einem anderen Gesuch nicht. Jeanette und Patrik Georg hatten zur Errichtung zweier Doppelgauben in Burgstall eine Bauanfrage gestellt. Vorgelegt hatte man zwei Alternativen der Gestaltung, beide aber widersprachen der städtischen Dachgaubensatzung.

Diese werde restriktiv durchgezogen, sagte Bürgermeister Hacker und erinnerte an den vor einiger Zeit viel diskutierten "Fall Haundorf". Somit half auch der Hinweis des Bauherren auf Gegenbeispiele nicht, die er in der Nähe gefunden habe. Man müsse das vorliegende Objekt nach der geltenden Satzung bewerten, sagte Hacker.
Susanne Strater vom Planungsamt machte ein Kompromissangebot für übereinander liegende Einzelgauben. Damit könne auch die Stadt leben, sagte sie und begleitete das Paar nach der Beratung dieses Punktes aus dem Sitzungssaal, um die Bauherren noch an Ort und Stelle weiter zu beraten. Das Gesuch dürfte als Bauantrag in abgespeckter, erlaubter Form bald wieder auf den Tisch flattern.