Dass der Orgel in der Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena in Herzogenaurach auch eher ungewohnte Töne zu entlocken sind, bewies die bekannte Jazzpianistin Barbara Dennerlein mit ihrem Orgelspiel im Rahmen des Kulturfestivals "hin&herzo".

Helmut Biehler vom Kulturamt hieß Barbara Dennerlein in Herzogenaurach willkommen. Diese begrüßte die Zuhörer zu Beginn nicht von der Orgelempore: "Damit Sie mich einmal auch in Echt sehen und nicht nur auf der Leinwand", meinte sie.

Dennerlein hatte die Herausforderung angenommen, auf der mechanischen Metzler-Orgel zu spielen. "Ein toller Raum und ein tolles Instrument", sagte sie zu dem guten Stück. Sie habe großen Respekt vor dem Instrument ohne Spielhilfen, also Register, was einen Organisten immer fordere. Aber lieber mache sie sich selber dadurch mehr Stress, als einen Helfer damit zu betrauen. "Man schaltet zu, welches Orchestermitglied man in seinem Stück mitspielen lassen möchte", sagte Dennerlein.

Freigeist

Die Überleitung zum Thema von "hin&herzo" ergab sich von selbst, denn es ist eine Revolution auf der Orgel was Barbara Dennerlein bot. Und "Revolution" lautet das Thema des Festivals. Bei Jazzmusik gehe es um Freiheit, so Dennerlein, man müsse ein Freigeist sein, denn Jazz sei die die freieste Musik. "Als ich angefangen habe, Hammond-Orgel zu spielen, war an ein Spielen in der Kirche nicht zu denken", so Dennerlein.

Bereits ihr Vater liebte den Klang der Hammond-Orgel und schenkte ihr mit elf Jahren ein einmanualiges Exemplar. Ihr Lehrer an der Hammond-Orgel brachte ihr Jazz-Stücke und Swing-Standards bei. Nach zwei Jahren gab sie schon eigene Konzerte, mit 14 Jahren leitete sie eine eigene Band. Ihr Abitur legte sie an einem mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium im Hauptfach Musik ab. Zum Üben hatte Dennerlein eine pneumatische Steinmeier-Orgel, die eher leichtgäng ist. Die praktische Prüfung mit einem Werk von Johann Sebastian Bach konnte sie mit einer Ausnahmegenehmigung daheim an der Hammond-Orgel ablegen.

Echte Herausforderung

Eine neuzeitliche mechanische Orgel ohne "Setzer" ist dagegen eine echte Herausforderung. Denn es kann keine Vorwahl der Manuale getroffen werden, es müssen alle per Hand zeitnah zugeschaltet werden. Da gilt es, das Improvisieren spontan zum Registerwechsel zu nutzen. Für Organisten, die vom Jazz her kommen, ist der Zugang zur Kirchenorgel schwierig, denn sie benutzen üblicherweise kein Pedal. Es fehlen somit drei Oktaven beim Spielen. "Echte" Organisten wie Deuerlein wollen darauf aber nicht verzichten. Inzwischen bestreitet Dennerlein die Hälfte ihrer Konzerte an Konzertorgeln, die andere Hälfte an Hammond-Orgeln. Sie wird auch nur in Kirchen eingeladen, die Neues akzeptieren und dafür offen sind. In Herzogenaurach war sie zum zweiten Mal.

Mit dem Instrument in der Herzogenauracher Stadtpfarrkirche ist sie durch Proben vertraut geworden, das Ergebnis kann sich hören lassen. Das ganze Konzert wurde auf eine große Leinwand im Kirchenschiff übertragen, damit jeder direkt sehen konnte, welches Register gezogen wurde. Die Idee zur Direktübertragung auf die Leinwand war bereits bei ihrem ersten Konzert in Herzogenaurach im Gespräch mit Toni Rotter, dem Organisten der Stadtpfarrkirche aufgekommen. Denn Rotter war der Überzeugung, dass man Dennerlein nicht nur hören, sondern auch sehen muss.

Zu Beginn ihre Konzerts spielte Dennerlein den Ernie-Bird-Blues. Eine Reise nach Seoul und die freundlichen Menschen inspirierte sie zu "Corean Smile", dem zweiten Stück des Abends. Zwischen den einzelnen Stücken gab es eine kleine Einführung in die Orgel und ihren Werdegang. In ihrer "Kleinen Orgelkunde" erfuhren die Besucher auch, dass Tasten koppeln für einen Organisten viel Kraft erfordert.

Pendel der Zeit

So appellierte Dennerlein an die Zuhörer, die Lebenszeit vernünftig zu nutzen. Denn im Gegensatz zu Kindern hätten es die Erwachsenen verlernt, im Moment zu verharren. Ein Ergebnis dieser Einstellung war "Pendel der Zeit", ein Ostinato zog sich durch das ganze Stück. Dennerlein riet den Zuhörern dazu, einfach einmal an nichts zu denken. Vermutlich nicht schwierig beim Zuhören in einem Konzert von Barbara Dennerlein.