Die Entscheidung ist gefallen: Die Bäckerei Burkard, seit langem auf der Suche nach Erweiterungsmöglichkeiten für ihren Betrieb, verlässt die Gemeinde Pommersfelden und wird sich in Adelsdorf ansiedeln. Nach 253 Jahren Familientradition am Stammsitz der Bäckerei keine leichte Entscheidung für Robert und Gaby Burkard. "Erst vor drei Jahren haben wir unser Jubiläum mit einem riesigen Fest gefeiert", sagt der Bäckermeister.

Der Umzug ist auch für die Gemeinde Pommersfelden ein einschneidender Schritt. Sie verliert mit Burkard ihren größten Arbeitgeber - rund 160 Arbeitsplätze in Voll- und Teilzeit. In Adelsdorf wäre Burkard derzeit der drittgrößte Arbeitgeber.

Der Entscheidung gingen zwei Jahre Überlegungen voraus, wie denn ein Neubau oder eine Erweiterung aussehen könnten, erzählen die Inhaber. Zusammen mit der Gemeinde Pommersfelden habe man überlegt und auch Lösungen gefunden. Immer mit Rücksicht auf das Schloss und die Umgebung, betont Burkard. Viel Geld sei in Planungen und Gutachten investiert worden. Ein Schritt nach vorne habe jedoch jeweils zwei Schritte nach hinten bedeutet.

"Die Gegenwehr war zu groß", sagen die beiden. Inzwischen haben Robert und Gaby Burkard das Gefühl, "dass wir hier nicht willkommen sind". Was natürlich nur die Querelen in der Ortschaft betreffen kann. "Die Mehrheit des Gemeinderates stand hinter uns", weiß der Bäckermeister. Man habe gekämpft, sei aber leider gescheitert.
In Pommersfelden hatte sich Burkard zunächst um ein Grundstück am Ortseingang von Höchstadt kommen) beworben. Als das am Protest von Pommersfeldnern scheiterte, versuchte er, auf den Flächen hinter seinem bestehenden Betrieb zu erweitern. Auch dagegen gab es Einsprüche von Anwohnern und Nachbarn.

Auf der Suche nach Alternativen sei ihm ein Grundstück in Adelsdorf angeboten worden. "Ihr seid in Adelsdorf herzlichst willkommen", freute sich Bürgermeister Karsten Fischkal. Seit Dienstag ist der Kauf beschlossene Sache. Am Mittwoch sei er bereits durch den Gemeinderat "abgedeckt" worden. Das Adelsdorfer Grundstück liegt in der Nähe des Kreisels gegenüber der Tankstelle und hat knapp 9000 Quadratmeter. Vier Jahre hat Burkard nun Zeit, den Schritt zu vollziehen.

"Wir möchten lieber heute als morgen erweitern. Hier ist alles zu eng", sagt der Bäckermeister. Immerhin teilen sich 25 bis 30 Mitarbeiter die Backstube. In den letzten Jahren habe er insgesamt neun Mal angebaut. Die Produktion funktioniere unter großen Anstrengungen. Dabei wolle er nichts anderes als ein Handwerksbetrieb bleiben. Also keinesfalls eine "Backfabrik", wie eine Nachbarin in einem Brief an den FT geschrieben habe.

Die Frage, weshalb er nicht in das Pommerfeldner Gewerbegebiet bei Limbach gegangen sei, ist für Burkard leicht zu beantworten: "Wir möchten gesehen werden. Wenn man eine Produktion baut, möchte man auch einen Laden dabei haben." Dafür brauche man Publikumsverkehr. Den dürfte er in Adelsdorf haben. Rund 11.000 Fahrzeuge täglich werden am Kreisel gezählt. Das und die gut sichtbare Lage hätten zur Entscheidung beigetragen. Fischkal rechnet mit weiter steigender Kaufkraft durch die 280 Baugrundstücke, die in Adelsdorfer Bauleitverfahren ausgewiesen werden.

Mit seinen Mitarbeitern hat Robert Burkard bereits gesprochen. Von ihrer Seite gebe es keine Probleme. Auch die zwölf Filialen, die er neben Pommersfelden in der Region betreibt, seien von Adelsdorf aus gut zu erreichen. Logistisch sei Adelsdorf mit der Nähe zu den Autobahnen ohnehin ideal. Pommersfeldens Bürgermeister Hans Beck bedauert den Entschluss. Die Gemeinde habe alles versucht, um das Unternehmen am Platz zu halten. Auch Beck ist davon überzeugt, dass "der Zwist" mit den Einwohnern und der Nachbarschaft den Ausschlag gegeben habe.

Beck schmerzt besonders, dass damit viele ortsnahe Arbeitsplätze verlorengehen. Gerade Teilzeitarbeitsplätze seien wichtig für Familien mit Kindern. Neben dem Verlust an Gewerbesteuereinnahmen gehe der Gemeinde mit dem Wegzug "auch ein Stück Infrastruktur verloren".