"Auf einen unversorgten Bewerber kommen drei Stellen." So fasste Simon Deichsel von der Agentur für Arbeit Fürth die Lage im Landkreis Erlangen-Höchstadt beim 36. Forum Ausbildung zusammen. Vertreter der IHK Nürnberg, der Handwerkskammer für Mittelfranken, der Agentur für Arbeit und von Schulen waren am Montag der Einladung von Landrat Alexander Tritthart (CSU) in das Landratsamt gefolgt.

Im August standen im Landkreis Erlangen-Höchstadt 767 Ausbildungsplätze zur Verfügung, von denen ein Drittel noch nicht besetzt war. 764 Bewerber gab es insgesamt, 74 waren im August noch nicht fündig geworden. Besonders stark stieg das Interesse für technische Ausbildungsberufe - die Anzahl an abgeschlossenen Verträgen nahm in Erlangen und im Landkreis um 17,6 Prozent im Vergleich zu 2018 zu.

Florian Kelch, Leiter des Referats Bildungsberatung von der IHK Nürnberg für Mittelfranken, gab Informationen zur Generation "Z". Dieser sei es wichtig, sich wohlzufühlen. Sonst sei die Wechselbereitschaft groß, denn eine neue Stelle ist schnell gefunden. Die Abbrecherquoten steigen. Auch Unzuverlässigkeit bereitet Betrieben Probleme. Einige Auszubildende schließen mehrere Verträge ab, erfüllen aber logischerweise nur einen, andere treten ihre Stelle nicht an und melden sich nicht bei ihrem Betrieb. Umgekehrt gibt es aber auch nach Beginn des Ausbildungsjahrs noch unversorgte Jugendliche und Abbrecher aus Schule, Studium und Ausbildung.

Kein Gehör im Ministerium

Wolfgang Mevenkamp von der Kreishandwerkerschaft Erlangen-Hersbruck-Lauf klagte: "Die Lage ist unverändert schlecht - das Handwerk sucht händeringend. In den Köpfen steckt das Vorurteil: Eine Lehre ist nicht sexy." Michael Ulbrich von der Mittelschule Höchstadt appellierte an die Vertreter von IHK und Handwerkskammer, weiterhin aktiv zu werben, da die Mittelschulen im Kultusministerium, das schwerpunktmäßig aus Philologen bestehe, mit derlei Anliegen nicht durchdringen würden. Oliver Brehm von der Peter Brehm GmbH in Weisendorf, ehrenamtlich engagiert im Arbeitskreis Schule-Wirtschaft, berichtete, Lehrer bewusst zu Sitzungen in Unternehmen einzuladen, damit sie das Ausbildungsumfeld kennenlernen und empfehlen können.

Victoria Seefried von der Don-Bosco-Schule Höchstadt hob hingegen die Bedeutung von Praktikumsstellen für Förderschüler hervor. "Wenn Betriebe und Schüler merken, es passt, dann wird ein Praktikant durchaus auch in die Ausbildung übernommen." Das neue Gütesiegel "Qualifiziertes Praktikum" soll Faktoren sicherstellen, die dazu beitragen, dass ein Praktikum für alle Beteiligten erfolgreich verläuft.