Reißen jetzt auch im Eishockey Szenen ein, wie wir sie bereits aus Fußballstadien kennen? "Ein Funke hätte genügt", sagt Höchstadts Polizeichef Jürgen Schmeißer, dann wäre die Situation nach dem Bayernliga-Spiel zwischen den Höchstadt Alligators und den Bayreuth Tigers am Mittwochabend auch von der Polizei nicht mehr zu kontrollieren gewesen.

Nachdem sich besonders engagierte Fangruppen beider Teams schon während des Derbys verbale Auseinandersetzungen geliefert hatten, drohten sie nach dem Ende auch körperlich aneinander zu geraten. Dies verhinderten jedoch Einsatzkräfte der Polizei, die die Bayreuther und Höchstadter Fans voneinander trennten.
Zu eskalieren drohte sie Situation, als einige besonders gewaltbereite junge Männer die Eisfläche stürmten und die in ihrem Block auf der Haupttribüne verharrenden "Fanatics" aus Höchstadt angreifen wollten. Polizeibeamte konnten diese Anhänger der Gäste jedoch daran hindern.

Einsatzleiter Schmeißer spricht von "tumultartigen Szenen und Rangeleien", die aber alle "nicht von strafrechtlicher Relevanz" waren. Angst, in die Auseinandersetzungen hineingezogen zu werden, hatten allerdings viele der deutlich über 1000 Zuschauer an diesem Abend. Einige mit kleinen Kindern fragten sich, ob man sich eine solche Veranstaltung noch einmal antun sollte.


Keine Werbung fürs Eishockey

Für HEC-Vorstandsmitglied Matthias Weber (Marketing) war dies ein "Ausnahmezustand" und "keine Werbung für das Eishockey". Sportlich hätten sich die Bayreuther mit ihrem klaren 8:2-Erfolg von einer guten Seite gezeigt, einige ihrer Fans dagegen weniger, meint Weber. Mit zwei Fanbussen und vielen Personenwagen waren wohl 300 Tigers-Anhänger nach Höchstadt gekommen, schätzt die Polizei.

Die große Mehrzahl davon hatte sich vorbildlich verhalten, nur einige wenige von ihnen waren auf Randale aus. Und die wurden unterstützt von einer etwa 50 Mann starken Gruppe aus Landshut. Die überwiegend dunkel gekleideten Landshuter, die laut Polizei mit den Bayreuthern eine Fan-Freundschaft pflegen, wurden von den Einsatzkräften auf den Parkplatz abgedrängt und waren "nicht ganz zufrieden, weil sie umsonst angereist waren". In Landshut sollen einige von ihnen bereits Stadionverbot haben.

Das aggressive Auftreten einiger Bayreuth-Anhänger und die relativ starke Polizeipräsenz hat aber auch eine Vorgeschichte. So wurden beim Hinspiel in Bayreuth Höchstadter Fans der Fanatics zwei Teleskopschlagstöcke und ein Mundschutz abgenommen. Die Bayreuther Polizei informierte ihre Höchstadter Kollegen über die "Aktivwaffen" und auch über einen Vorfall auf der Raststätte Greding.


Schneebälle auf Bayreuther Spieler

Dort traf am 2. Dezember der Bus der Fanatics zufällig auf den Spielerbus der Bayreuther. Die Tigers-Cracks wurden von den Höchstadtern mit Schneebällen und Eisbrocken beworfen und mussten sich Drohungen anhören. Daraufhin habe die Polizei für das Spiel am Sonntag reagiert, sagt Schmeißer. Er stellt fest, dass einige dieser jugendlichen Fans wohl noch nicht reif genug seien, um die Auswirkungen ihrer Taten abzusehen. Für die Zukunft habe er jedoch ein gutes Gefühl.

Fanatics-Organisator Dominik Rogner räumt ein, dass seine Jungs manchmal noch über die Stränge schlagen und man sie "wieder einfangen" müsse. Allerdings werde man oft auch ungerechtfertigt an den Pranger gestellt. Grundsätzlich sei Rogner sehr darauf bedacht, dass nichts passiert. Beim Spiel in Höchstadt wollte man es auch nicht zur Eskalation kommen lassen. Es sei eine Ausnahmesituation gewesen, sagt Rogner.

Ziel der inzwischen rund 70 Fanatics ist es, ihre Mannschaft lautstark und optisch zu unterstützen und für Stimmung im Stadion zu sorgen. Das Führungsteam trifft sich wöchentlich, um Fahrten und Aktionen zu planen.
HEC-Vizepräsident Herbert Dresel nimmt die Fanatics für das Spiel gegen Bayreuth in Schutz: "Die haben sich gut verhalten." Mehr Schuld an der Eskalation gibt er einigen wenigen Bayreuthern und vor allem der Gruppe aus Landshut. 99 Prozent im Stadion seien vernünftige Zuschauer und würden unter diesen Auswüchsen leiden. Dresel werde auch nicht davor zurückschrecken, Stadionverbote zu erteilen, "aber nicht auf Hörensagen".
"Ich war heilfroh, dass die Polizei da war", sagte der Vizepräsident nach dem Spiel. Er fürchtet, dass sich die Hooligan-Szene vom Fußball aufs Eishockey ausbreitet.