Sie machen Dreck, sie treten in Massen auf, sie greifen Passanten schon mal an und sie zerstören den Uferbewuchs an der Aurach. Die Gänse auf den Wiesen und Wegen rund um den Fluss sind den Verantwortlichen im Rathaus längst ein Dorn im Auge. Auch weil es immer wieder Beschwerden der Bürger gibt. Deshalb sollen sie verschwinden, zumindest der Großteil der großen Wasservögel. Dazu hat sich die Stadt jetzt durchgerungen.
Nötig ist das aber nicht nur wegen der Hinterlassenschaften auf dem Bolzplatz, auf den Aurachwiesen und auf dem Gehweg hinter dem Seniorenheim an der Würzburger Straße. Denn die Vögel gefährden auch Maßnahmen des Wasserwirtschaftsamts entlang der Aurach in diesem Gebiet gegenüber dem Seniorenheimen. Dort sollen Uferbereiche befestigt werden, die vom Hochwasser ausgespült worden sind. Ursächlich dafür, dass das Wasser diese Schäden anrichten und sich verbreiten konnte, sind aber wiederum die Gänse.

Zu viel Erosion

Da schließt sich nämlich der Kreis: Weil die Tiere gern den gleichen Weg nehmen, sind Trampelpfade zum Fluss hin entstanden. Und diese sind durch das Wasser noch ausgespült worden. "Eine solche Erosion wollen wir nicht", sagte die städtische Umweltbeauftragte Monika Preinl, die sich gestern mit Flussmeister Gunther Haas vor Ort zur Besprechung traf.

Vor neun Jahren ist die Aurach renaturiert worden. Schleifen wurden eingebaut, Flachufer geschaffen, wie Preinl erläutert. "Die Eigendynamik der Aurach hat sich voll entfaltet", sagt sie, verweist aber gleichzeitig auf das Problem mit den Gänsen. Deshalb sollen im Sommer weitere Arbeiten folgen.

Die Uferbefestigung soll naturnah erfolgen, erläuterte Gunther Haas, der als Dienststellenleiter der Flussmeisterstelle Nürnberg auch für die Gewässer zweiter Ordnung im Landkreis Erlangen-Höchstadt zuständig ist. Da werde Totholz eingebaut, auch weil es Struktur und neue Lebensräume schafft. Erlen und Weiden werden gepflanzt, um den Uferschutz zu stärken. An ein paar Stellen will Haas so genannte Steinmatratzen auslegen. Das sind Wasserbausteine, die mit Erde überschüttet und dadurch in die Natur eingebaut werden. Das geschieht an besonders Hochwasser gefährdeten Stellen, also in Kurven beispielsweise. Quer gelegte Baumstämme, so genannte Buhnen, und Trittsteine sorgen dafür, dass sich im Wasser unterschiedliche Strömungen und Unterstände ergeben, was wiederum für die Fische gut ist.

Außerdem, so ergänzt Monika Preinl ihrerseits, soll die Aurach wieder erlebbar gemacht werden. Das ist ein Schwerpunkt der geplanten Neugestaltung des Aurachtals innerhalb des Stadtgebiets. Das heißt, der Bewuchs ("ein Brennnesselfeld") direkt am Ufer hinter dem Bolzplatz wird abgemäht, um einen etwa 20 Meter langen Uferbereich zu schaffen, der zu Fuß zugänglich ist. Mit anderen Worten: "Wir bekommen einen Aurachstrand", sagt Monika Preinl. Und fügt schnell hinzu: "Aber einen naturnahen."

Einen Eier-Abnehmer gab's schon

Klingt alles wunderbar, wenn da nicht das Federvieh wäre. Auch Zweite Bürgermeisterin Renate Schroff verweist auf dieses Problem. "Jetzt müssen wir noch den Kampf gegen die Gänse gewinnen." Die städtische Umweltbeauftragte Preinl ist da bereits aktiv geworden, hat aber eine Absage erhalten. Sie wollte durchsetzen, dass die Eier aus den Gelegen genommen werden dürfen. "Einen Abnehmer in der Oberpfalz hatte ich schon", sagte sie. Doch die Regierung von Mittelfranken wollte dem Antrag nicht zustimmen. Man habe einen Präzedenzfall befürchtet, sagte Preinl.

Abschießen nicht erlaubt

Eine andere Form der Reduzierung des Tierbestandes aber kommt weder für Preinl noch für Schroff und auch nicht für die Jäger in Frage: das Abschießen. Innerhalb der Stadt sei das völlig unmöglich. Also werde man versuchen, die Tiere einzufangen. Was gar nicht so leicht sei, besonders bei den Kanadagänsen. "Die steigen senkrecht auf", sagt Preinl. Deshalb will man einen Käfig bauen, erläuterte Fritz Bayer von der Stadtgärtnerei respektive vom Baubetriebshof, und dann schnell ein Netz obendrüber werfen, wenn die Tiere drin sind. Vorher sollen sie angefüttert werden - ein aufwändiges Verfahren also.
Und was geschieht mit den großen Vögeln? Irgendwo aussetzen könne man sie wohl nicht, sie seien ja nirgendwo beliebt. Also droht ihnen der Tod.

10 000 Euro Kosten

Diese Aktion kann laut Preinl aber erst im Spätherbst erfolgen. Sie will jetzt eine Schonzeitverkürzung beantragen. Zurzeit bevölkern etwa 30 bis 50 erwachsene Tiere die Flächen entlang der Aurach. Es handelt sich um Kanada-, Nil-und Graugänse. Hinzu kommen noch zahlreiche Jungtiere, die etwa bis September flügge werden.
Die Maßnahme an der Aurach kostet laut Gunther Haas knapp 10 000 Euro und ist zwischen Wasserwirtschaftsamt und Rathaus abgestimmt. Ein Viertel der Kosten trägt die Stadt Herzogenaurach.