Nach 33 Jahren hat die Uehlfelder Storchenapotheke zu Monatsbeginn den Betreiber gewechselt. Fritz Gaubitz ist in den Ruhestand getreten, Bernhard Metzger aus Scheinfeld ist nun der Mann, der das Sagen hat.
Nicht immer findet sich für eine Landapotheke ein Nachfolger - dank der Verbindung zu einem alten Studienfreund hat dessen Sohn nun die Storchenapotheke als Filialbetrieb seines Stammsitzes vor dem traurigen Schicksal manch anderer bewahrt.

"Ein gewisser Idealimus gehört in der heutigen Zeit schon dazu", sagt Metzger. "Ich kann die älteren Kollegen schon verstehen, wenn ihnen der Beruf nicht mehr so viel Freude bereitet wie früher. Apotheker war mal ein freier Beruf, in dem man seine Kenntnisse und Erfahrungen auch eigenständig zum Wohl der Kunden ausüben konnte. Heute wird alles von Bürokratie erstickt."

Als einfaches Beispiel nennt er etwa die Bereitung eines Blasen- oder sonstigen speziellen Tees. Früher wusste der Pharmazeut, wie viel von welchen Ingredienzien er zusammenschütten musste, einmal durchrühren und fertig. Das war in fünf Minuten erledigt. Heute weiß er es zwar immer noch, muss jedoch zuerst eine Herstellungsanweisung fertigen, dann eine Plausibilitätsprüfung durchführen, ein Herstellungsprotokoll erstellen und dann die Freigabe bestätigen. Das dauert mindestens dreimal so lang und kann allein aus wirtschaftlichen Gründen - und gilt natürlich auch für selbst gefertigte Salben oder andere Produkte - nicht mehr angeboten werden. Die Kosten der Herstellung würden die Zahlung der Versicherungen nicht mehr aufwiegen.

"Früher einmal," so Metzger "gab es quasi ein kollegiales Verhältnis zwischen Krankenkassen und Apotheker. Heute könnte man es fast wie eine Konkurrenzsituation sehen. Die Kassen handeln aus wirtschaftlichen Gründen Verträge für die Medikamente aus und wir müssen dann den Kunden erklären, warum sie ihr oft jahrelang vertrautes Medikament nicht mehr bekommen, sondern ein anderes." Dabei ist er sich aus Erfahrung sehr wohl bewusst, dass es eben in manchen Fällen trotz gleichen Wirkstoffinhalts doch einen Unterschied macht, wer welches Präparat nimmt. Nicht nur das Vertrauen in Altgewohntes, auch ungewohnte Zusatzstoffe können manchmal einen Unterschied machen. "Nicht immer ist das natürlich der Fall, aber es kommt vor."

Trotz schwieriger Bedingungen in der heutigen Zeit ist Metzger jedoch mit Leib und Seele in seinem Beruf. In vierter Generation schon hat die Apothekerzunft Tradition in seiner Familie. Ein gutes Jahr hat er sich mit der Entscheidung Zeit gelassen, dann, der Unterstützung von Frau und Kindern gewiss, zugesagt.

Eine Kettenapotheke, wie es andernorts oft das Schicksal von altbewährten Apotheken ist, sollte die in Uehlfeld nicht werden. Für die Kunden bleibt eigentlich fast alles beim Alten. Das vertraute Team mit Filialleiterin Andrea Trautner wird weiter mit Rat und Tat zur Verfügung stehen und der Chef - wenn er gerade nicht da ist - ist jederzeit erreichbar.