Stolz schreitet Jürgen Niedermann vom Selbsterntebetrieb "Huckepack" in Hüttendorf an seinen Apfelbäumen vorbei. Groß und rot hängen die Äpfel dort an den Ästen. Bereit, geerntet und verspeist zu werden.

Nach Angaben des Verbands der Fränkischen Obstbauern ist kein anderes heimisches Obst so beliebt wie der Apfel: "Der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland liegt bei 25,9 Kilogramm pro Jahr."


Niedermann erwartet eine gute Ernte. Das ist in diesem Jahr jedoch keine Selbstverständlichkeit.

Laut dem Verband der Fränkischen Obstbauern ist die Erntemenge 2013 leicht unterdurchschnittlich. Als Grund wird in einer Pressemitteilung der kühle Winter genannt: "Ungünstige Bestäubungs- und Befruchtungsbedingungen führten nachfolgend zu einem verstärkten Blüten- und Fruchtfall", erläutert der Verein.

Dass bei "Huckepack" trotzdem so viele Äpfel wachsen sind, erklärt Niedermann so: "Weil es im Frühjahr so kalt war, sind nur wenige Bienen geflogen. Wir haben aber viele Bienenvölker um unsere Felder herum, so dass genügend Bienen da waren." Zudem sorgte der Landwirt mit Tröpfchenbewässerung dafür, dass die Bäume immer ausreichend Wasser hatten.


Die große Hitze im Sommer über mehrere Wochen hinweg bekam sein Betrieb aber trotzdem mit.

"Durch den starken Sonneneinfall haben ein paar unserer Äpfel einen Sonnenbrand bekommen", berichtet er schmunzelnd. Die Äpfel hätten wie gekocht an den Bäumen gehangen. Durch ein aufgespanntes Hagelnetz über den Bäumen konnte der Hüttendorfer allerdings verhindern, dass ein Großteil seiner Äpfel verbrannte.

Das Netz hilft aber auch - wie der Name schon sagt - Hagel abzufangen. "Hagel durchschlägt zum Beispiel die Blätter. Durch das Netz versuche ich, den Bäumen Stresssituationen zu nehmen."


Die kühlen Nächte im Moment sind dagegen optimal für die Früchte.

"Dadurch bekommen die Äpfel ihre schöne Farbe", erklärt der Hüttendorfer. Er lässt seine Äpfel hängen, bis es um die minus fünf Grad hat. Dann müssen sie runter. "Das halten die Äpfel dann nicht mehr aus."

In ihrem Betrieb bietet die Familie Niedermann sowohl ältere als auch "moderne" Apfelsorten an. "In der heutigen Coca-Cola-Gesellschaft wollen die Menschen oft nur noch süße Äpfel", beklagt der Landwirt. "Die neuen Sorten haben viel Fruchtfleisch, aber nicht mehr so viel Apfelgeschmack." Niedermann findet es traurig, dass der eigentliche Apfelgeschmack immer weniger Anklang bei den Menschen findet.

So würden Kunden ältere Sorten wie Grieve schlechter bewerten, da diese einen saureren Geschmack haben. Gut kommen dagegen beispielsweise die süßeren Gala-Äpfel an. "Es gibt eben verschiedene Geschmäcker", weiß Niedermann aus Erfahrung.


Bei den vielen unterschiedlichen Apfelsorten ist natürlich auch die Erntezeit von Frucht zu Frucht anders.

Seinen Kunden rät Niedermann, mit der sogenannten "Kipp- oder Drehprobe" die Reife der Früchte zu testen: "Lässt sich ein Apfel durch Kippen oder Drehen leicht vom Ast lösen, kann er geerntet werden." Es sollte dabei aber nicht viel Kraft angewendet werden müssen.

Je nach Sorte gibt es außerdem einen Unterschied zwischen der Pflück- und der Geschmacksreife. "Die Pinova-Äpfel pflückt man zum Beispiel jetzt, aber der Geschmack kommt erst in zwei bis drei Wochen", erklärt Niedermann. Die Früchte müssten deshalb erst noch gelagert werden.

Ebenfalls verschieden ist die Verwendungsart der Sorten. Boskoop-Äpfel eignen sich gut zum Backen. Im Gegensatz zu den Gala-Früchten. "Die zerfallen im Kuchen und sind dann wie Apfelbrei", verrät der Landwirt.

Bei Niedermann ist die Hauptzeit der Apfelernte mit dem Ende dieser Woche vorbei. Der Andrang auf seine Früchte war bereits Ende September groß. Und an den veränderten Geschmack seiner Kunden wird er sich gewöhnen müssen: "Ich kann die Bevölkerung ja nicht ändern."