"Wir bekommen sehr viele Anfragen", berichtet Optiker Matthias Przybyllok. Doch ihm bleibt nichts anderes übrig, als zu vertrösten. Das Optikgeschäft Buchmann kann keine Schutzbrillen mehr für die Sonnenfinsternis am Freitag anbieten: Diese sind nämlich seit knapp einer Woche vergriffen. "Mit diesem Ansturm haben wir nicht gerechnet", rätselt Przybyllok. "Bei der letzten totalen Sonnenfinsternis in 1999 war das öffentliche Interesse sehr groß. Aber als vor ein paar Jahren in Deutschland eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen war, war die Nachfrage sehr gering."

Nicht viel anders sieht es bei Optik Herch in Höchstadt aus. Auch hier sind die begehrten Spezialbrillen seit einer Woche ausverkauft. Delia Zoubek empfiehlt ihren Kunden, auf andere Optikgeschäfte in Höchstadt auszuweichen. "Natürlich haben wir mitbekommen, dass auch dort das Angebot bereits vergriffen ist."

Woher stammt das rege Interesse? Allein am Mittwochvormittag haben Przybyllok zwanzig Anfragen erreicht. Als einen Grund sieht er Vorkehrungen von Schulen aus der Region. Es seien viele besorgte Eltern gekommen, die kurzfristig dazu verpflichten wurden, für ihre Sprösslinge Schutzbrillen zu besorgen.

840 Brillen für die ganze Schule

Nicht so an der Realschule Höchstadt, erzählt die Rektorin Jutta Romeis. Die Fachschaft Physik habe es geschafft, für die Schüler 840 Brillen zur Verfügung zu stellen, und das zum günstigen Stückpreis von nur 1,60 Euro. "Eigentlich hatten die Kollegen es schon aufgegeben", weiß Romeis. Eher zufällig habe sich dann eine andere Möglichkeit aufgetan: Man habe von Firmen ein Angebot bekommen, die die Brillen zunächst als Werbeträger nutzen wollten, sich bei der hohen Nachfrage aber doch dazu entschlossen hatten, sie zu verkaufen. "Die Sonnenfinsternis im Jahr 1999 habe selber miterlebt", erinnert sich die Rektorin der Realschule. "Das war ein sehr beeindruckendes Erlebnis, das man den Schülern nicht vorenthalten möchte."

Trotzdem werden Vorkehrungen getroffen: Nur wer über die Schule eine Spezialbrille besorgt hat, darf das Spektakel mitverfolgen. Es soll sicher gestellt werden, dass kein Augenschutz verwendet wird, der den qualitativen Ansprüchen nicht genügt.

"Wir hoffen auf gutes Wetter", so Romeis. Für die Realschüler wird die Sonnenfinsternis in den Zeitraum der dritten und vierten Schulstunde fallen. Fast alle Schulklassen werden ein bisschen Unterrichtszeit versäumen dürfen, um das Ereignis nicht zu verpassen. "So können die Lehrer auch sicherstellen, dass niemand zu lange mit dem Blick in der Sonne hängen bleibt", betont die Rektorin.

Wer bei der Suche nach einer Schutzbrille auf Apotheke, Supermarkt oder Baumarkt ausweichen möchte, wird ebenfalls enttäuscht: Hier wurden die Schutzbrillen nicht geführt. Anfragen habe man so gut wie nicht bekommen, erklärt Leonie Seyschab, Angestellte beim Drogerie-Geschäft Müller in Adelsdorf. Auch der E-Center in Höchstadt hatte die Brillen nicht im Sortiment, genauso wenig der Baumarkt Obi.

Wer die Suche nach einer Schutzbrille dennoch nicht aufgeben möchte, dem rät Matthias Przybyllok es in größeren Städten auszuprobieren. "Bei Optikgeschäften in Erlangen oder Nürnberg könnte man fündig werden, die haben eine größere Laufkundschaft."

Wer seine Brille aus dem Jahr 1999 wiederentdeckt, sollte mit Vorsicht walten. Zwar hat sich an der Technik nichts verändert, die Folie dürfte immer noch die gleiche sein. Trotzdem könnte der Kunststoff beeinträchtigt worden sein, oder die Schutzfähigkeit der Brille, zum Beispiel durch Kratzer oder Löcher.

Alicia Göpner