Sarah ist etwas über ein Jahr alt. Sie hat gerade die Welt der bunten Steckspiele entdeckt. Das war vielleicht für ihre Mutter Stefanie Kraus ein Anlass, mit ihren drei Kindern Sarah, David (4) und der siebenjährigen Judith in die öffentliche katholische Bücherei in Adelsdorf zu gehen.

Die Mutter zeigt ihrer Jüngsten vor den großen Regalen mit Gesellschaftsspielen ein Spiel, bei dem bunte Stöckchen in bunte Bildtafeln zu stecken sind. Einen Moment schaut das Mädchen kritisch, dann greift es beherzt zu. Und in wenigen Minuten ist es ganz ins Spiel vertieft.

Sarah stört es nicht im Geringsten, dass hinter ihr der 13-jährige Jannis verschiedene Spieleschachteln öffnet und Anleitungen studiert. Jannis ist ein geübter Spieler. Seien Mutter Claudia Porsch erzählt dazu: "Wir machen oft Spieleabende in der Familie und mit Freunden. Klar, das sind Erwachsenenspiele. Manchmal spielen wir auch Doppelkopf."

Auch Jannis' ältere Geschwister machen gerne mit. Beliebt ist bei ihnen, so weiß die Mutter , "Die Siedler von Catan". "Der Run aber ist Besserwisser. Das ist schöner als Trivial Pursuit, auch in großen Gruppen", weiß Porsch.

Die Spielleidenschaft ihrer Kinder erwachte schon früh. "Obstgarten war heißgeliebt", erinnert sie sich. "Das ist ein Spiel für Vorschulkinder. Sie müssen in Eimerchen verschiedenes Obst sammeln und ein Rabe will es klauen", erklärt sie die Spielidee.

"Das ist wirklich ein schön gestaltetes Spiel", bestätigt auch Petra Ruff, eine ehrenamtliche Büchereimitarbeiterin. Elf Jahre ist sie schon dabei. Zu ihren Aufgaben am Entleih- und Abgabetisch gehört auch das Überprüfen, ob entliehene Spiele vollständig zurückgebracht werden. "Erstaunlich wenig fehlt, trotz der vielen kleinen Teile", zieht sie Bilanz. Und das bei exakt 402 Spielen im Bestand.

Adelsdorf ist im westlichen Landkreis die einzige Bücherei, die von einer katholischen Kirchengemeinde getragen wird. Aber keineswegs die einzige, die Spiele anbietet. Auch in den ziemlich kleinen evangelischen öffentlichen Büchereien im nordwestlichen Landkreis machen Spiele einen wichtigen Teil des zwangsläufig kleinen Bestands aus.

Adelsdorf gehört zu den großen Büchereien, obwohl sie keine hauptamtlichen Mitarbeiter hat. Sie hat 230 Quadratmeter Publikumsfläche verteilt auf zwei Stockwerke im Pfarrheim- Dort haben die rund 800 aktiven Nutzer die Auswahl aus 17 000 Medien. Dass Büchereileiter Johannes Weiß mit seiner Auswahl richtig liegt, beweisen die Entleihzahlen: 30 000. "5000 davon entfallen auf den Non-Book-Bereich", sagt Weiß. Also auf DVDs, CDs, Hörbücher, CD-Roms und eben Gesellschaftsspiele.

Weiß und sein Team sind nicht auf sich allein gestellt, wenn sie Neuanschaffungen auswählen. Sie bedienen sich des Dachverbands der katholischen Büchereien in Bayern, des St. Michaelsbunds. Er hat seine Zentrale in München und in jeder Diözese eine hauptamtlich besetzte Fachstelle.

Der Michaelsbund verteilt auch die staatlichen Fördermittel. Übrigens auch für die Büchereien in evangelischer Trägerschaft, in Vertretung deren Dachverbands, der in Bayern keine hauptamtliche Stelle unterhält.