"Soli Deo Gloria - Alleine Gott zu Ehre" heißt ein lateinscher Satz, der bereits vor über 100 Jahren in eine Taste der Orgel der St. Stephanus Kirche in Adelsdorf eingraviert wurde. Genau jene Worte blieben über all die Jahre bestehen und wurden auch am Sonntag mitübergeben, als die Orgel nach ihrer Renovierung feierlich eingeweiht wurde.

Bereits im Januar des vergangenen Jahres verabschiedete die Kirchengemeinde das Instrument in seine Kur. Seit Juli 2018 ist sie nun wieder zurück und erklingt besser denn je. "Eine Orgel ist ein Symbol für Gemeinschaft", erklärte bereits am Samstag Regionalkantor Erich Staab.

Denn bereits einen Tag zuvor hat sich die Kirche etwas Besonderes einfallen lassen: ein Orgelschnuppern. Interessierte konnten sich die neuen Klänge anhören und auch selbst spielen. "Wir haben überlegt, wie wir Orgel-Nachwuchs fördern können", sagt Pfarrer Thomas Ringer. Das Konzept jedenfalls hat funktioniert: Rund 25 Interessierte kamen, um sich das neue Instrument anzuschauen.

Es juckt in den Fingern

Einer davon war Thomas Lochbrunner. Vor drei Jahren ist er in den Aischgrund gezogen, zuvor war er allerdings auch schon in seiner Heimatgemeinde Worms als Organist tätig. Nachdem er sich eine Pause genommen hat, reizt es ihn nun, selbst wieder die Pfeifen erklingen zu lassen. "Es fehlt mir schon ein bisschen", gesteht er. In Adelsdorf findet der junge Mann nun beste Bedingungen vor.

Die Orgel wurde bei der Restauration auf die Substanz aus dem Jahr 1910 zurückgebaut. Über die Jahre hinweg hatte man zahlreiche Eingriffe an dem Instrument vorgenommen, die ihm geschadet hatten. Doch das romantische Originalkonzept sei schlüssig. "Das alte Klangideal liebt man heute wieder", meint Staab. Gleichzeitig kombinierte die Orgelmanufaktur Vleugels das alte Konzept mit neuen technischen Möglichkeiten. So wurde das Register erweitert und ein neuer elektrischer Spieltisch verbaut. Außerdem wurde die Orgel gereinigt, nachdem die Orgelbauer das Instrument an ihrem eigentlichen Platz komplett abgebaut hatten.

Das Konzept hat rund 250 000 Euro gekostet und blieb somit im kalkulierten Kostenrahmen. Die größte Pfeife ist nun fünf Meter hoch, die Kleinste lediglich zwölf Millimeter klein. Die Orgel habe nun alle Klangfarben, die man sich nur vorstellen kann, erklärt Staab.

Die Kombination aus Tradition und Moderne scheinen beim Orgelbau zu funktionieren, die Besucher am Samstag zeigten sich begeistert. Und vielleicht wird einer von ihnen ja schon bald regelmäßig die unzähligen Pfeifen bedienen.