Wenn die Temperaturen im Frühjahr wieder ansteigen und sich die ersten Sonnenstrahlen zeigen, lassen auch sie nicht lange auf sich warten: Motorradfahrer. Gleich 100 von ihnen trafen sich am Samstag zum Fahrsicherheitstraining in Höchstadt. Bereits das zwölfte Jahr in Folge bot die städtische Verkehrswacht auf den Firmengeländen von Baxter und Medwork im Höchstadter Gewerbegebiet die Möglichkeit, sich nach der Winterpause fit für die Zweiradsaison zu machen.
"Die Veranstaltung ist inzwischen ein solcher Selbstläufer geworden, dass wir nicht einmal mehr Werbung dafür machen müssen", berichtet Siegfried Nürnberger, der als Erster Vorsitzender der Gebietsverkehrswacht Höchstadt für Planung und Umsetzung verantwortlich ist. In der näheren Umgebung sei das Training schließlich auch das einzige dieser Art. Die Nummernschilder der Teilnehmer ließen erkennen, dass diese nicht nur aus Höchstadt und Neustadt/Aisch, sondern auch aus Forchheim, Nürnberg und dem Kreis Kitzingen kamen.
Insgesamt fünf Stationen galt es für die Motorradfans am Wochenende zu absolvieren. Auf dem Trainingsplan standen unter anderem das Fahren in Schräglage und in Kurven, Bremsübungen aus verschiedenen Geschwindigkeiten, Ausweichmanöver sowie Slalom in Schrittgeschwindigkeit und Geschicklichkeitsübungen. Daneben erhielten die Zweiradfahrer eine Auffrischung in Sachen Erste Hilfe und wurden in die fachgerechte Handhabung eines Defibrillators eingeführt. Die Dekra Erlangen klärte an ihrem Stand über Fahrzeugtechnik und Ausrüstungsvorschriften auf.
Dass man beim Sicherheitstraining jährlich alte Bekannte antrifft, weiß Klaus Kühne aus Baiersdorf. Er fährt bereits seit 38 Jahren Motorrad. "Zu meinen Anfangszeiten gab es solche Angebote aber noch gar nicht", erinnert er sich. Seit zehn Jahren nimmt er nun regelmäßig an Fahrsicherheitstrainings teil und lobt besonders die gute Organisation in Höchstadt. Mit seiner Kawasaki Z1000 wollte er am Samstagvormittag vor allem Brems- und Ausweichmanöver üben.

Nicht nur für Anfänger

Betreut wurde eine dieser Stationen von Gerhard Wust von der Neustadter Verkehrswacht. Er glaubt an eine "Vergreisung der Motorradfahrer": "Die meisten unserer Teilnehmer sind über 40. Heutzutage besitzen viele eine Maschine, fahren aber nicht damit". Bedarf für ein Sicherheitstraining sieht er aber auch bei erfahrenen Verkehrsteilnehmern. Schließlich müsse man sich jedes Jahr neu an die eigene Maschine und deren Eigenarten gewöhnen.
Diese Meinung teilt auch Siegfried Nürnberger. "Jeder Fahrer sollte einmal pro Jahr bei einem solchen Training mitmachen", meint er. Als pensionierter Verkehrsexperte der Polizei Höchstadt weiß er, dass sich viele schwere Unfälle gleich zu Beginn der Saison ereignen. Zumindest Wiedereinsteiger sollten ihre Fahrkünste deshalb unbedingt auf die Probe stellen. "Unsere Helfer erklären alles genau und weisen die Teilnehmer auf Fehler hin. Das ist ganz wichtig", erklärt der Experte. Insgesamt 15 Ehrenamtliche trugen auch in diesem Jahr zum Gelingen der Veranstaltung bei.
Eine der eher spärlich vertretenen Motorradfahrerinnen war Ingrid Eberlein aus Höchstadt. Sie hat ihren Führerschein bereits mit 18 Jahren gemacht, ist im Anschluss allerdings lange Zeit nicht gefahren und wagt sich erst seit sechs Jahren wieder regelmäßig mit ihrer Maschine auf die Straße. Im Rahmen des Fahrsicherheitstrainings legte sie ein besonderes Augenmerk auf Bremsübungen. "Zumindest mir geht es so, dass man bei solchen Manövern regelrecht einen inneren Schweinehund überwinden und sich erstmal trauen muss" gesteht sie. Am Ende des Trainings konnte nicht nur sie mit einem größeren Gefühl von Sicherheit nach Hause fahren.