Würde es ihn nicht schon geben, den Kunst- und Kulturverein Herzogenaurach (KuK), dann müsste er gegründet oder erfunden werden. "Die Gründung war schon vor zehn Jahren überfällig", erklärte Bürgermeister German Hacker (SPD) bei seinem Grußwort zum zehnten Geburtstag des Vereins im Kunstraum. Der Verein bringe sich hervorragend in die Herzogenauracher Kulturlandschaft ein. "Es war für die Stadt ein Glücksfall, dass dieser Verein ins Leben gerufen wurde", lobte der Bürgermeister die Vereinsgründer und Mitglieder.
Vorsitzender Manfred Braun erinnerte an den "Findungsprozess" der ersten Jahre, meinte aber auch: "Es gibt noch hunderte von Ideen, die ich alle in meinem Rechner gespeichert habe." In ihrem Rückblick ließen Gründungsvorsitzende Irene Hetzler und Manfred Braun die vergangenen zehn Jahre Revue passieren. Aus bescheidenen Anfängen entwickelte sich ein Verein, der in der gesamten Region anerkannt ist und bei seinen 75 Ausstellungen bisher mehr als 10 000 Besucher zählen konnte. So wurde auch das Ziel der Vereinsgründer erreicht: dass sich in Herzogenaurach Kunsthandwerker und Künstler präsentieren können.
"Im Kunstkästchen in der Hinteren Gasse (dem ursprünglichen Ausstellungsraum des Vereins, Anm. d. Red.) hätten wir heute keinen Platz gefunden", meinte Hacker zu den vielen Besuchern im Kunstraum. Der Raum an der Langenzenner Straße, der im Januar 2010 bezogen wurde, präsentierte sich zum Geburtstag so richtig "rausgeputzt" mit schneeweißen Wänden und blitzendem Boden, demnächst soll auch noch eine neue Beleuchtung installiert werden.
Unter dem Titel "Kunst und Kultur - lebendig in Herzogenaurach", hielt Kunsthistoriker Manfred Welker den Festvortrag. Abgerundet wurde das Programm von Isolde Wettstein "Mit Augenzwinkern", einer Auswahl von Gedichten.
Auf viel Beifall stieß, dass die Jubiläumsausstellung dem Herzogenauracher Johann (Hans) Bitter gewidmet wurde. Bürgermeister Hacker erinnerte an den bekannten Stadtbewohner und an dessen 90. Geburtstag. Bitter sagte damals in seinem Wohnzimmer, an was er besonderes Interesse habe: "Kirche, Kugelstoßen und Kunst."
Bitter war vielen Herzogenauracher Bürgern als Sportler bekannt. In der langen Zeit seiner Laufbahn als Sportler sammelte er zahlreiche große Erfolge in unterschiedlichen Disziplinen der Leichtathletik. Mehrmals wurde er Deutscher Meister und Europameister in der Senioren-Leichtathletik. Im Hoch- und Weitsprung sowie im Kugelstoßen errang er mehrmals den Weltrekord in seiner Altersklasse und zeigte dadurch, dass sportliche Leistungen auch im Alter möglich sind. Die Liebe zum Sport zog sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Er war fast 77 Jahre Mitglied der TS Herzogenaurach.
Seine zweite Leidenschaft galt der Kunst und der Malerei. Als Gründungsmitglied des Kunst- und Kulturvereins war er künstlerisch aktiv und beschäftigte sich gerne mit der Landschaftsmalerei, aber auch mit Momentaufnahmen von Menschen, die er in einem Skizzenbuch festhielt. Zu sehen ist eine Auswahl aus dem umfangreichen Nachlass an Bildern, Skizzen und Zeichnungen sowie ausdrucksstarken Porträts.
Durch seine charakteristische Malweise, bei der er weniger Wert auf Details als auf einen insgesamt bewegten Bildeindruck und lebhafte Farbigkeit legte, gelang ihm meist der große Sprung hinaus über das Zeitgebundene, und er verdiente sich in seiner unentwegten, liebevollen Tätigkeit die Anerkennung und Sympathie der Herzogenauracher. Auch dies ein Grund, an einen Künstler, der 2011 mit 91 Jahren in seiner Heimatstadt starb, und sein vielfältiges Werk zu erinnern.