Mathilde hatte Rückenschmerzen. Starke. So starke, dass sie diese gerne bei einem Spezialisten abklären lassen wollte. Einen zeitnahen Termin bei einem Erlanger Arzt hat die erwachsene Frau aus Herzogenaurach nicht bekommen. Dafür ihr Vater, der mit dem selben Anliegen am gleichen Tag in der Praxis angerufen hat.

Anders formuliert: Mathilde (Name geändert) ist Kassenpatientin, ihr Vater privatversichert. Sie hat über zwei Wochen auf einen Termin bei akuten Kreuzschmerzen warten müssen, ihr Vater konnte gleich einen am nächsten Morgen vereinbaren. Und alles nur, weil die Sprechstundenhilfe den Mann gefragt hat, ob er privat versichert ist. Für Mathilde war diese Erfahrung "sehr deprimierend". Und sie beschreibt keinen Einzelfall.

Das ergab eine kleine Umfrage im Sozialen Netzwerk Facebook: "Ist so!", schreibt auch Sandra A., nachdem wir wissen wollten, ob die Bürger aus dem Raum Erlangen-Höchstadt Erfahrungen mit bevorzugter Terminvergabe bei Ärzten gesammelt haben. "Wir haben das schon öfters erlebt. Jetzt macht mein Mann den Termin aus, ich gehe hin und entschuldige ihn", schreibt sie.


Selbstversuche von Patienten

Weil er es genauer wissen wollte, hat ein Herzogenauracher den Selbstversuch gestartet: Nachdem er von Ärzten abgelehnt wurde - oder nur einen Termin in weiter Zukunft vereinbaren konnte - rief er Stunden später noch einmal an. Meldete sich mit falschem Namen und stellte sich als Privatpatient vor: "Die Unterschiede dürften viele überraschen", schreibt Frank D. geheimnisvoll und wird dann noch präziser: "Ich kann von meinen Erfahrungen schon behaupten, dass man als Kassenpatient benachteiligt wird."

Zu seinem Selbstversuch-Ergebnis zählt auch die Erfahrung, dass es meist Fachärzte betreffe. Und das, obwohl laut Bedarfsplanung eigentlich alle Facharztbereiche überversorgt seien. Das teilt die Techniker Krankenkasse auf Nachfrage mit. Im Freistaat gebe es etwa 13 700 praktizierende Fachmediziner mit Kassenzulassung.

Weil das Termin-Problem aber bekannt ist, bietet die Kasse an, bei der Suche einzugreifen: "Die Vermittlungsquoten zeigen, dass es keinen Grund gibt, manche Patienten länger als einem Monat auf einen Behandlungstermin warten zu lassen", sagt Christian Bredl, Leiter der TK in Bayern. Nichtsdestotrotz waren 81 Prozent bei den eigenen Versuchen davor erfolglos. In der FT-Umfrage verteidigen nur zwei Frauen die Terminvergabe-Situation im Kreis: Die eine bekomme immer schnell einen Termin. "Egal ob Arzt oder Zahnarzt", schreibt Anne M. Ihr Erfolgsrezept: "Ich bin seit Jahren bei den gleichen Ärzten."


Alter Mythos

Und Kerstin F., die arbeite selbst bei einem Zahnarzt in der Region und behauptet, dass in dieser Praxis keine Unterschiede gemacht werden: "Medizinische Leistungen werden nicht nach Kassen verteilt, sondern nach Notwendigkeit." Denn die private Gebührenordnung für Zahnärzte sei "teilweise genau auf dem Niveau der gesetzlichen Krankenkasse beziehungsweise sogar niedriger", schreibt sie.

Für Kerstin F. ist es deshalb ein "alter Mythos, dass Privatpatienten mehr bringen". Von den befragten Ärzten aus Höchstadt wollte am Freitag trotzdem keiner Stellung zu dem Thema beziehen.