Die Tür wird geöffnet und viele Straußenküken rennen aus ihrem neuen Zuhause. Mittendrin Theo, ein Jahr alt. Der jüngste Sohn von Alexander (37) und Ivonne (36) Schüpferling freut sich sichtlich, im Trubel mittendrin zu sein.
Scheu sind die Küken nicht, aber sie tun auch nichts. Sie flitzen durch das Gehege und drehen sich im Kreis: "Das ist ein Zeichen von Wohlbefinden", erklärt Alexander Schüpferling. Insgesamt 46 Blauhalsstrauße sind gerade auf dem Hof des Landwirts. Außer den Küken ist da eine Herde Schlachttiere und das "Zuchtquartett": Hahn Apollo und sein Damentrio Anexa, Athene und Ampera.


Strauße in Franken

Die Idee kam vor ungefähr vier Jahren. Das Paar, das schon eine Landwirtschaft mit Schweinemast und Feldern bewirtschaftet, fragte sich: Was gibt noch gutes Fleisch ab? Mit drei Straußen wagten sie dann die Haltung für den Eigenbedarf. Ohne je probiert zu haben.

So einfach wie es klingt, war das dann allerdings doch nicht. Zur Straußenhaltung ist ein Lehrgang mit abschließender Prüfung notwendig, das Veterinäramt muss die Haltung genehmigen und die Schlachtung darf nur in einem EU-zugelassenen Schlachthaus für Farmwild durchgeführt werden.
In Sambach wurden sie hier zum Glück fündig. "Da sind die Strauße dann nur zehn Minuten unterwegs, das ist einfach stressfrei für das Tier", so Ivonne Schüpferling. Und auch die tierärztliche Versorgung kann nicht jeder leisten. Ist einmal was mit den gefiederten Freunden, werde ein Tierarzt aus Zirndorf hinzugezogen. Der kümmere sich übrigens auch um die Tiere im Nürnberger Zoo.

Oft sei das allerdings noch nicht notwendig gewesen. Die Strauße an sich seien recht pflegeleicht. Wetterempfindlich seien sie nur, was Wind angeht. Und zu heiß darf es nicht sein. Mehr als 30 Grad vertragen die Wüstentiere erstaunlicherweise nicht. Mit Matschkulen und Unterstand wird dem jedoch entgegengewirkt. Neben dem Gras auf der großen Weide werden noch Mais- und Grassilage zugefüttert. Außerdem fressen die Tiere kleine Steine mit. Damit wird die Nahrung im Magen zerkleinert.


Salami und Ritterhelme

Seit dem letzen Jahr vermarkten die Schüpferlings das Straußenfleisch auch. Die Schlachtung ist sehr arbeitsintensiv. Will man Filets, Würste oder Steaks kaufen, muss man vorbestellen. Ein Strauß bringt bei 120 Kilogramm Lebendgewicht dann doch nur 20 bis 25 Kilogramm Edelfleisch. Je nach Nachfrage wird dann geschlachtet.

Und nicht nur das Fleisch der Strauße verkaufen die Schüpferlings. Auch Innereien, Knochen, Eier und Federn kann man erwerben. Die Eier würden gerne als Deko oder witziges Mitbringsel erstanden, sagt die 36-Jährige. Zur eigenen Aufzucht eignen sie sich in Mühlhausen (noch) nicht. Die Federn kaufen Angler oder auch eine Gruppe die sie zum Schmücken von Ritterhelmen nutzt.
Auf Vorrat zu schlachten, davon hält das Paar nicht viel. Qualitative Abstriche würden sich beim Einfrieren einfach bemerkbar machen.

Straußenfleisch, das als Delikatesse gilt, hat seinen Preis. Durch Internet und Mundpropaganda haben die Schüpferlings mittlerweile schon einige Stammkunden gewinnen können. Viele junge Leute und solche, die besonders auf Herkunft und Haltung achten, sind Fans des Fleisches.


Wie Rindfleisch

Zur Zubereitung braucht es dann aber doch ein paar Tipps. Geschmacklich scheiden sich beim Thema Straußenfleisch die Geister, doch für das Kochen ist es wichtig zu wissen, wie man mit dem Produkt richtig umgeht. Auch wenn man denken könnte, Strauß und Huhn wären sich hier ähnlich, täuscht das. "Straußenfleisch ist wie Rind, nur zarter", erklärt Schüpferling. Außerdem ohne Sehnen und sehr fettarm.

Für die Zukunft haben sich die Mühlhausener Landwirte als Ziel gesetzt, in die Gastronomie einzusteigen oder aber ihr Straußenfleisch über einen Wiederverkäufer zu vermarkten.