"Eigenheim - Glück allein!" Das alte Sprichwort scheint derzeit aktueller zu sein als je zuvor. Der Immobilienmarkt boomt, immer mehr Menschen investierten derzeit in "Betongold". Das ist nach Meinung der Experten die Folge von Finanz- und Staatsschuldenkrisen und der daraus resultierenden Verunsicherung der Menschen. Zum anderen wecken die niedrigen Zinsen das Interesse an alternativen Geldanlagen.
Auch in der Region Höchstadt sei "Wohnraum gefragt wie nie", sagt Sparkassendirektor Reinhard Lugschi in einem Pressegespräch. An einen solchen "Run" auf Wohneigentum könne er sich in den 20 Jahren, die er für Immobilien und Baufinanzierungen verantwortlich sei, nicht erinnern. "Das war unser Spitzenjahr!"
2012 habe die Kreissparkasse 52 Objekte im Wert von 8,3 Millionen vermitteln können. Nach dem Halbjahresergebnis laufe 2013 sogar noch besser.
Dank der niedrigsten Zinsen seit Jahrzehnten könne man derzeit so günstig bauen wie nie. Dass dies auch genutzt wird, macht Lugschi deutlich: Bei der Kreissparkasse wurden im letzten Jahr 37 Millionen Euro (eine Steigerung von 25 Prozent) an Darlehen für Wohnbaumaßnahmen ausgereicht. Die Leute könnten sich einen Kredit leisten, denn der rechne sich oft nicht teurer als die Miete. Ein Trend, der auch im laufenden Jahr anhalte. Mehr als die Hälfte aller Finanzierungen werde inzwischen genutzt, um eine vorhandene Immobilie zu erwerben oder zu renovieren.

Eigentümer investieren mehr

Nach einem Boom in den 90er-Jahren habe der Baumarkt in 2007/08 eine Talsohle durchschritten, sagte Christian Gall, Leiter der Immobilienabteilung der Kreissparkasse. Dies sei an den erteilten Baugenehmigungen leicht festzustellen. In den letzten drei Jahren würden jedoch wieder wesentlich mehr Baugenehmigungen erteilt. Aber noch etwas anderes konnte Gall feststellen: Die künftigen Eigentümer seien bereit, mehr zu investieren. Man habe Ansprüche an mehr Komfort und sei bereit, dafür mehr Geld auszugeben. Die Nachfrage nach Eigenheimen sei hier im ländlichen Raum weitaus größer als nach Eigentumswohnungen. Das sei aufgrund der Bauleitplanung von den Kommunen auch so gewollt.
In der Region sei man "umzingelt" von großen Unternehmen, die vielen Menschen Arbeit geben. Dem stehe ein beschränktes Angebot an Wohnraum gegenüber. Mit der Nachfrage seien auch die Preise gestiegen. Die Einheimischenmodelle vieler Kommunen trügen dazu bei, dass Wohneigentum erschwinglich werde. Als Preise für Baugrund nannte Gall etwa 60 Euro im Raum Schlüsselfeld, in Höchstadt 150 und in Röttenbach 230 Euro je Quadratmeter - Tendenz leicht steigend.
Wohneigentum sei die beste Altersvorsorge, betont Stephan Popp von der Landesbausparkasse, die stolz ist, einen Marktanteil von 40 Prozent vorweisen zu können. Für Popp ist Höchstadt beim Thema Bausparen "eine besondere Region". In diesem Jahr sei in Höchstadt mit bislang 26 Millionen an neuen Verträgen das bisher beste Zwischenergebnis (eine Steigerung um 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr) zu verzeichnen. Popp und Dominik Müller empfehlen das Wohn-Riester-Programm, das die Möglichkeit bietet, die staatliche Prämie in einen Bausparvertrag einfließen zu lassen.
Überhaupt seien Bausparverträge heute wichtiger denn je, sagt Lugschi. Sie ermöglichen es, das heute extrem niedrige Zinsniveau langfristig zu sichern. Bei "normalen" Darlehen werde der Zins für fünf oder zehn Jahre festgeschrieben. Bausparverträge ermöglichen eine weitaus längere Sicherung der günstigen Zinsen.
Um dem Bedarf gerecht zu werden, würden in Bayern 70 000 neue Wohnungen gebraucht, informierte Dominik Müller. Der Preisdruck könne nur durch ein größeres Angebot gemildert werden.
"Zufrieden" mit dem Markt zeigt sich Peter Reuter, Inhaber eines Immobilienbüros in Neuhaus. Die Nachfrage sei gut, die Preise bei "Bestandsimmobilien" seien seit drei bis vier Jahren ziemlich stabil. Weniger groß sei die Nachfrage nach Eigentumswohnungen. Bei ihnen sei die "Durchlaufzeit" länger als bei Hauseigentum.