Ein stechender Schmerz durchzuckt Jakob. Er krümmt sich, hält sich den Bauch, ist völlig aus der Puste. 500 von 800 Metern hat er beim Dauerlauf der Bundesjugendspiele geschafft, als er plötzlich stehen bleiben muss. Das Stechen in seinem Bauch ist einfach zu stark geworden: Jakob hat Seitenstechen. Seine Sportlehrerin sagt, er solle tief ein- und langsam wieder ausatmen, das würde helfen.

Warum das stimmt, erklärt Frank Boxberger (44). Er ist Facharzt für innere Medizin an der Uniklinik Erlangen. Das heißt, dass er ganz genau weiß, was im menschlichen Körper vor sich geht.


Die Gründe sind noch unklar

Er sagt, dass Seitenstechen vor allem bei Ausdauersport, zum Beispiel Laufen oder Radfahren, vorkommt. Anfänger, also Menschen, die nicht so gut trainiert sind, bekommen bekommen es besonders häufig. "Die Ursachen für das Stechen sind wissenschaftlich noch nicht ganz geklärt", sagt Boxberger. Momentan gehen die Mediziner aber von zwei möglichen Gründen aus.

Eine Ursache liegt in der starken Durchblutung der Organe Leber und Milz. Die sitzen unterhalb der Rippen - also genau da, wo es beim Seitenstechen weh tut. Die Leber ist rechts, die Milz links.

Durch die Anstrengung beim Sport wird besonders viel Blut in diese Organe gepumpt, dann werden sie größer und es tut weh, weil im Bauchraum nicht mehr genug Platz für sie ist. Dehnungsschmerz nennt Frank Boxberger dieses Gefühl. Dazu kommt, dass Leber und Milz vereinfacht gesagt mit Bändern im Bauchraum aufgehängt sind. Wenn sie nun durch das ganze Blut anschwellen, ziehen sie an den Bändern. Das heißt dann Zugschmerz.

Ein weiterer Grund für Seitenstechen liegt im Zwerchfell. Stell' es Dir vor, wie eine flexible Trennwand, die sich von einer Seite zur anderen durch Deinen ganzen Bauch spannt. So trennt es den Bauchraum vom Brustraum. Die Lunge liegt im Brustraum und direkt unter ihr verläuft das Zwerchfell. Dort hat es eine enorm wichtige Aufgabe: Es steuert die Atmung.

Jedes Mal, wenn Du einatmest, zieht sich Dein Zwerchfell zusammen. So haben die Lungenflügel mehr Platz im Brustraum und können sich mit Luft füllen. Zum Ausatmen dehnt sich das Zwerchfell aus und schiebt dabei die Lunge zusammen. Dabei entweicht die Luft.

Das Zwerchfell beschwert sich

Frank Boxberger sagt, dass das Zwerchfell selbst ganz viel Sauerstoff braucht, um richtig zu funktionieren. Den bekommt es, wenn Du ausatmest. Umso länger die Ausatmungsphase dauert, desto mehr Sauerstoff kann es aufnehmen. Kriegt das Zwerchfell nun zu wenig Sauerstoff ab, zum Beispiel weil Du beim Sport oder einem Lachanfall ungleichmäßig atmest, tut es weh. So beschwert es sich und macht Dich darauf aufmerksam, dass Du besser auf Deine Atmung achten sollst.

Bewusstes Atmen beugt Seitenstechen übrigens nicht nur vor - sie kann es auch ganz schnell wieder beenden. Deshalb funktioniert der Tipp von Jakobs Sportlehrerin tatsächlich. Gleichzeitig hilft es, mit der Hand auf die schmerzende Stelle zu drücken und sie leicht zu massieren. "So entspannt sich die ganze betroffene Gegend", sagt Boxberger.

Seitenstechen ist nicht schlimm

Wenn Du vor dem Sport viel gegessen hast, bekommst Du übrigens viel schneller Seitenstechen. Der Arzt sagt, dass das daran liegt, dass Dein Körper dann erst einmal mit der Verdauung beschäftigt ist und weniger Energie ins Zwerchfell steckt. Außerdem nimmt ein voller Magen viel Platz im Bauchraum ein. Dann wird's eng für Milz und Leber, die durch den Sport stark durchblutet werden, und sie tun schneller weh.

Den gleichen Effekt hat eine ungerade Körperhaltung. Läufst Du zum Beispiel beim Joggen immer leicht nach vorne gebeugt, ist im Bauch alles zusammen gequetscht. Das kann auch Schmerzen verursachen.

"Aber Seitenstechen ist keine Krankheit", sagt Frank Boxberger. Du musst dir also keine Sorgen machen, wenn es beim Sport plötzlich unterhalb der Rippen zieht. Am besten machst Du es wie Jakob: Er wird das nächste Mal viel bewusster atmen und rechtzeitig für den 800-Meter-Lauf trainieren. Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit, Seitenstechen zu bekommen viel, viel kleiner.


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