Wenn es dem Landkreis Erlangen-Höchstadt an einem nicht mangelt, sind es die gastronomischen Betriebe, die es hierzulande gibt. Von "A" wie Aischgründer Spiegelkarpfen bis "Z" wie Zabaione findet sich einfach alles auf den Karten der Lokale. So vielfältig schon die Auswahl der Speisen ist, so vielfältig ist auch die Herkunft der Betreiber. Auch hier gilt: Von "A" wie Arabisch bis "Z" wie zünftige fränkische Küche findet sich alles wieder.

Es werden Lokale sterben
Wer sich die Mühe macht und in den Tiefen des Internets nach den Lokalitäten im Internet sucht, landet über 300 Treffer. Kein Wunder bei der hohen Anzahl an Gemeinden, die letztlich mindestens ein Lokal beheimaten dürfen. Würde man Erlangen noch hinzuziehen, sind es fast 500 Treffer. Zugeben: Ein Teil dieser kulinarischen Geschäfte sind gar nicht mehr existent. Wobei eines auffällt: Dort, wo es einmal ein Lokal gegeben hat, ist meistens auch ein Nachfolger aus der gleichen Branche zu finden.

Udo Helbig überrascht das nicht, denn in der Gastro-Branche zu arbeiten, ist für viele Menschen immer noch ein Traum. Der gelernte Koch, der in diversen Lokalen vor allem im Aischgrund aktiv war, und der zuletzt einen Dinner in Erlangen geführt hat, wundert sich dennoch, dass es immer wieder zu Nachfolgern kommt. "Die Branche ist härter geworden", gibt er zu. Er ist sich sicher: "Ein Drittel der Lokale wird es in zehn Jahren nicht mehr geben!"

Eine Chance haben die familiengeführten Unternehmen, die in eigenen (abbezahlten) Häusern ihre Gaststätten betreiben. "Überlegen Sie mal: Ein Pachtpreis von bis zu 3000 Euro ist an einem guten Standort keine Seltenheit mehr. Dafür müssen Sie einige Bratwürste verkaufen, bevor Sie in die Gewinnzone kommen." Und das sei ja nicht alles an Kosten.

Der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, Ernst Fischer, warnte am Donnerstag in seinem Bilanzbericht: "Der Branchenbericht zeigt ein Dilemma auf: Zwei Drittel unserer Betriebe sind zwar Umsatzgewinner. Doch fast die Hälfte von ihnen verzeichnet sinkende Gewinne. Es bleibt weniger übrig, um zu investieren, um anzustellen und um zu wachsen."

Helbig: Kaum noch unternehmerische Freiheiten
Helbig erzählt aus der Praxis: "Es muss mittlerweile alles dokumentiert werden. Ich spreche nicht von der Arbeitszeit, da habe ich eine andere Einstellung als Fischer. Aber wegen einer europäischen Verordnung über Allergene müssen immer mehr Kennzeichnungen erfolgen, die Buchführungen werden komplizierter, die Vorgaben sind mittlerweile ein Korsett, das kaum noch unternehmerische Freiheiten zulässt", klagt der Koch. Ein Grund für ihn, warum er seinen Dinner schloss und sich nun als angestellter Koch bei einem großen Elektrokonzern sein Geld verdient.

Aber Helbig will nicht nur klagen. "Die Chance der Betriebe im Landkreis Erlangen-Höchstadt besteht darin, sich auf die Qualität ihrer Produkte zu konzentrieren." Es gehe nicht nur um die Regionalisierung - "Ein guter Italiener ist und bleibt ein guter Italiener" -, es gehe vielmehr darum, den Wünschen der Kunden gerecht zu werden.

Genau das passiert aber auch im Landkreis. Sowohl im Aurachtal als auch im Aischgrund finden sich Lokale, die dem "Fast-Food" den Rücken gekehrt haben und sich dem "Slow-Food" widmen. "Essen mit Verstand", bezeichnet Helbig diese Entwicklung. Frei nach dem Motto "Ein guter Karpfen ist nicht in fünf Minuten gemacht", punkten die Betriebe bei ihren Besuchern.