Auch wenn in den Adern der meisten Aktiven kein fränkisches Blut fließt, sorgen sie im Höchstadter Kellerbergverein dafür, dass alte Gepflogenheiten wiederbelebt werden und dass sich am historischen Kellerberg derzeit so viel tut, wie in den vergangenen Jahrzehnten nicht mehr.

Der Kellerbergverein, der auf dem Areal des städtischen Petersbecks-Kellers sein Domizil aufgeschlagen hat, sorgt mit seinen vielfältigen Aktivitäten für Leben und hat wohl auch die anderen Kellergemeinschaften animiert, ihre Bierkeller und die Häuschen darüber ordentlich aufzuhübschen. Sie alle kamen dabei in den Genuss eines EU-Leader-Förderprogramms für die denkmalgerechte Erneuerung von Fassaden und Stützmauern. Der Stadt war die Aufnahme in dieses Programm gelungen und so können etliche Tausend Euro Fördermittel verbaut werden.

Auf dem Petersbecks-Keller zählte Kellerbergverein-Vorsitzender Karsten Wiese am Donnerstag beispielsweise "mindestens 50 Leute, so viele Arbeiter wie noch nie". Nach der Sanierung des Kellerhauses entsteht derzeit auf der Außenanlage ein Brau- und Schaugarten. Auch dieses Projekt verdankt seine Entstehung der EU-Fördergelder.

Neben einer ganzen Reihe ehrenamtlicher Mitglieder des Kellerbergvereins waren auch viele Profis auf der Baustelle. So Hopfen-Experten aus Wolnzach in der Hallertau. Die legten mit der Aufstellung von Hopfenmasten und dem Setzen zarter Hopfenpflanzen den Grundstein dafür, dass am Kellerberg eine Tradition wieder auflebt, die "im Zuge der Agrarpolitik des Dritten Reiches 1936 ihren Niedergang erlebte".

Wie dem Buch von Anton Wölker über die Geschichte Höchstadts zu entnehmen ist, hatte der Hopfenanbau hier eine große Tradition. Ab 1763 scheint in Höchstadt "geregelter Hopfenanbau" praktiziert worden zu sein. Höchstadt zählte zu den bedeutendsten Hopfengemeinden Bayerns. Im Dritten Reich schmolz die Hopfen-Anbaufläche von 700 auf vier Hektar zusammen. Das reichte nicht einmal mehr für die Hausbrauer. Die Hopfenstangen verschwanden aus der Höchstadter Flur. Bis jetzt. Mit Masten und Pflanzen im Gepäck waren die Hopfenexperten aus Wolnzach angereist und hatten in wenigen Stunden am Petersbecks-Keller einen Teil des Grundstücks in ein kleines Hopfenfeld verwandelt. Natürlich auch unterstützt mit EU-Fördergeldern.

Noch 600 Stauden

Gepflanzt wurde die Sorte "Spalter Select", ein klassischer Lagerbierhopfen. "Noch haben wir mit dem Hopfenanbau keine Erfahrung", sagt Michael Ode-brecht von der Kellerbergvereins-Arbeitsgruppe, der mit einigen Kollegen den frischen Pflanzen den letzten Schliff gab. Sie sollen sehr robust sein und an den Drähten nur fünf Meter hoch werden.

Die Gartenbauer im Verein haben ohnehin noch viel vor. 600 Stauden und Bodendecker sollen auf dem Gelände noch gepflanzt werden. "Mit dem Brau- und Schaugarten wollen wir den Leuten zeigen, wie Bier zusammengesetzt wird", sagt Vorsitzender Karsten Wiese. Die Gerste wächst inzwischen schon. Wo Weizen und Roggen angebaut werden sollen, wird erst eine Bühne für die Kellerberg-Kerwa vom 7. bis 9. August stehen.