Es gibt Firmenaufstiege, wie sie nicht einmal ein äußerst fantasiebegabter Autor sich in seinen Werken ausdenken könnte. Dazu gehört die Geschichte von Medwork und seinem Gründer Gerald Fischer. Das Unternehmen fertigt seit 1998 in Höchstadt hochspezialisierte Medizintechnik für die Therapie im Verdauungstrakt. Ärzte nutzen diese Instrumente um bei endoskopischen Untersuchungen beispielsweise Gallensteine zu entfernen. Ganz besonders wichtig ist dabei, dass sich die Instrumente äußerst präzise bedienen lassen. Sehr komplexe Anfertigungen, die große Ansprüche sowohl an die Produktion als auch an jeden einzelnen Mitarbeiter stellen. Medwork verbindet dabei präzises Handwerk mit innovativer High-Tech.


Schicksalsjahr 1997

Hinter dem steilen Aufstieg steht mit dem heute 50-jährigen Gerald Fischer dabei aber ein echter Quereinsteiger in diesem Bereich. 1997 bezeichnet er als sein Schicksalsjahr. Bis dahin war er als Entwickler für Motorenelemente bei einem Maschinenbauer in Franken angestellt. "Dann gab es dort ein Gespräch, wo mir signalisiert wurde, dass ich mich nicht mehr im Konzern weiterentwickeln könne, da ich keinen Studienabschluss hatte." Für den jungen Familienvater ein herber Schlag ins Gesicht - nach 17 Jahren, in denen er für diesen Betrieb gearbeitet hatte.
Er besann sich schließlich auf eine kleine Entwicklung, die er 1993 im Nebenerwerb für einen Zulieferer der Universität Erlangen gemacht hatte: einen Handgriff für ein medizinisches Instrument. "Die Universität gilt als Schmiede der Endoskopie-Technik und war eine renommierte Ausbildungsstätte. Die berufliche Stagnation sowie eine gezielte Produktionsanfrage führten vier Jahre später schließlich zur Firmengründung von Medwork", erinnert sich Fischer zurück.


Trend aus den USA

Der begeisterte Ausdauersportler setzte von Beginn an auf einen Trend, der aus den USA Richtung Deutschland kam: die Verwendung von Einmal-Instrumenten für endoskopische Eingriffe. Anstatt hochpreisiger Produkte, die mehrmals verwendet wurden, dafür aber auch aufwendig gereinigt und wieder sterilisiert werden mussten, kam Einwegmaterial in Mode. In großen Stückzahlen gefertigt - mit niedrigen Verkaufspreisen. "Ich kannte standardisierte Fertigungsmethoden aus meiner Zeit in der Automotive-Industrie und sah eine Chance, dieses Wissen auf den Medizin-Bereich zu übertragen." Doch 1999 wurde das Geld knapp. "Diese Krise sahen wir als Chance. Wir hatten viel zu hohe Kosten in unserem Vertrieb, die wir durch die Produktion nicht auffangen konnten", analysiert Fischer rückblickend. Durch eine neue Gesellschafterstruktur konnte eine Kapitalerhöhung durchgeführt werden, auf deren Basis Medwork bis 2005 für die Zukunft neu aufgestellt wurde. 2001 bekam Fischer zudem die alleinige operative Führung. Mit Erfolg. Die Zentrale wurde zwischen 2008 und 2014 in verschiedenen Abschnitten für insgesamt 17 Millionen Euro erweitert. Hier laufen heute alle Fäden zusammen - an einem Standort wird entwickelt, produziert sowie der Vertrieb und die Logistik gesteuert.


Mittelstandskonzern

"Heute bezeichnen wir uns selbst als Mittelstandskonzern, der industriell arbeitet, aber auch extrem kurze Entscheidungswege hat", betonen Fischer und der Leiter des Bereichs Strategie und Organisation bei Medwork. Acht Mitarbeiter sind in der Entwicklung tätig, rund sieben Prozent des Umsatzes werden in neue Instrumente und Produkte investiert. Ein hoher Wert, wenn man die Forschungsausgaben anderer Unternehmen vergleicht, die im Schnitt in Deutschland zwischen drei und vier Prozent pendeln.
Die Nische von Medwork? "Wir müssen mit Innovationen punkten, unseren Kunden Besonderheiten bieten", so die Unternehmensleitung. In Deutschland liegt der Marktanteil der Höchstadter bei derzeit 15 Prozent. Jährlich verlassen rund dreieinhalb Millionen Produkte das Firmengelände. Tendenz steigend. Grund: Wachsender Bedarf an nichtoperativen Therapiemethoden.


In 25 Minuten am Flughafen

Den Standort im Aischgrund nennt Fischer ideal: Die Kommune biete eine optimale Unterstützung, in nur wenigen Minuten sei man auf der Autobahn A3 und in 25 Minuten am Flughafen Nürnberg. Der gute Ruf von Medwork spricht sich herum und macht das Unternehmen auch als Arbeitgeber attraktiv. "Bei Jobmessen in Schulen sind mittlerweile oft mehr Interessenten bei unseren Präsentationen als bei bekannten Firmen aus der Region", sagt Firmensprecher Stefan Bachmeier. "Wir haben dank unserer Mitarbeiter, die aus vielen Bereichen kommen, einen echt bunten Blumenstrauß an Kompetenzen. Wir müssen sie nur zielgerichtet einsetzen", fügt Fischer an.
Und wie geht es mit der Medwork-Geschichte weiter? Heuer sollen 25 neue Beschäftigte angestellt werden, zudem wird wohl auch bald wieder einmal der Standort erweitert werden. "Die Flächen sind schon zugekauft", lächelt Fischer. Das neue Kapitel der Erfolgsstory ist demnach schon längst angelegt.