Die Herzogenauracher Fans der Stadtumlandbahn werden jetzt ein zweites Mal innerhalb weniger Tage nach Erlangen lugen, doch diesmal werden sie vermutlich etwas entspannter sein. Erneut fällt in der großen Nachbarstadt ein wichtiger Beschluss, der auf die Zukunft der Schienenverbindung auch in Herzogenaurach seine Auswirkungen hat. Doch diesmal scheint es eher ein formeller Beschluss zu werden, denn die Vorgaben der Bevölkerung für die Stadtparlamentarier sind deutlich.

Am Donnerstag steht der Beschluss des Erlanger Stadtrates bevor, der Gründung des Zweckverbandes Stadtumlandbahn zuzustimmen. Nach Ansicht von German Hacker, dem Herzogenauracher Bürgermeister, sollte das lediglich eine Formalie sein. Sowohl er als auch der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly haben ihre Unterschriften längst geleistet, jetzt ist der Erlanger Amtskollege Florian Janik an der Reihe. Allesamt gehören sie der SPD an und allesamt sind sie Befürworter der Stadtumlandbahn.

Auch für Janik scheint alles klar: Der Stadtumlandbahn "steht nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid nichts mehr im Wege", berichtet er auf der Homepage der Stadt. Zur Erinnerung: Am 5. März durfte die Bevölkerung in Erlangen ihre Meinung über die Notwendigkeit der StUB äußern. Rund 60 Prozent stimmten gegen den Vorschlag der Initiatoren, das Projekt zum Scheitern zum Bringen. Oder anders: Die StUB hat auch in Erlangen eine klare Mehrheit gefunden.

Sobald der Beschluss zur Gründung des Zweckverbandes also auch in Erlangen gefallen ist, können die Unterlagen bei der Regierung von Mittelfranken in Ansbach geprüft werden. Auch das sollte nur ein formaler Akt sein, und bei einer positiven Entscheidung "ist der Zweckverband gegründet", berichtet Hacker im FT-Gespräch.


15. April möglicher Termin

Gültig sei das dann just in dem Moment der Veröffentlichung im Amtsblatt der Regierung. Das wiederum könnte schon viel früher geschehen als ursprünglich gedacht. Erst hatte man mit dem 1. Juli einen leicht zu merkenden Termin ins Auge gefasst, sagte Hacker. Doch das nächste Amtsblatt der Regierung erscheint bereits am 15. April. Also wird das wohl der Gründungstag des Zweckverbandes werden.

Nach seiner Gründung kann der Zweckverband in die vertiefte Planung des Projekts einsteigen, berichtet der Erlanger OB Janik. In den folgenden Jahren können die Investitionskosten für den Zuschussantrag konkretisiert werden. Ziel der Planung, die bis zur Phase der Genehmigungsplanung vorgenommen wird, sei das Planfeststellungsverfahren. Auch Janiks Herzogenauracher Amtskollege Hacker sieht die Erlanger Aufgaben umfassender. Dort müsse die Autobahn A3 ebenso gequert werden wie der Regnitzgrund und die Bahntrasse. In Herzogenaurach selbst sei die Querung der Nordumgehung wohl das einzige, technisch besonders anspruchsvolle Problem.

Gleichwohl natürlich auch in Herzogenaurach die konkrete Trassenführung der Stadtumlandbahn noch nicht beschlossen ist. Ja, noch nicht einmal geplant. Denn auch die Ausschreibung des Projekts, mit Beauftragung eines oder mehrerer Planungsbüros können erst nach Gründung des Zweckverbands erfolgen.

Dennoch werden die Planer auch im Stadtgebiet von Herzogenaurach auf interessante Vorgaben stoßen. Die in der Bevölkerung wohl spannendste Frage dürfte lauten: Führt die StUB durch die Rathgeberstraße oder die Flughafenstraße? Und weiter: Ist das Schaeffler-Osttor der Endpunkt, oder gibt es eine zentrale Haltestelle näher zur Stadtmitte? Und noch ein bisschen weiter gedacht: Kann diese zentrale Stelle das Areal am Camping-Bahnhof sein oder muss man doch hinüber zum bisherigen Busbahnhof? Viele entscheidende Fragen, die in den kommenden Monaten und Jahren gelöst werden müssen.

Für Bürgermeister German Hacker stellen sich diese Fragen auch. Dabei ist die neuste Entwicklung, also der Wunsch der Firma Schaeffler nach einer Anbindung des Eingangs am Osttor, für Hacker ein wichtiger Aspekt. Denn dort liegt nicht nur das Haupttor des Unternehmens, das am Standort schon bald 10 000 Beschäftigte zählt. Auch die große Liebfrauenhauswiese namens "Mühlgärten" liegt in der Nähe. Dieses Areal, das als Großparkplatz für Schaeffler-Mitarbeiter genutzt wird, ist eine Option für Erweiterungspläne des Unternehmens.
Wenn also eine Straßenbahn die Rathgeberstraße hinab fahren würde, dann könnte man auch diese Entwicklungsfläche anbinden, meint Hacker.


Vielleicht eine Schleife?

Diese Aufgaben aber werden allesamt erst einmal die Planer beschäftigen. Auch eine mögliche Trasse über die Flughafenstraße, wie sie früher angedacht war, müsse geprüft werden. Oder aber auch eine Schleife: Bergab in die Innenstadt über die Rathgeberstraße, und dann stadtauswärts über die Flughafenstraße. Und schließlich gilt es auch zu bedenken, dass das Schaeffler-Ortstor nicht gerade zentrumsnah ist. Da böte sich dann auch eine Schleife hinüber zur Bahnofskreuzung an, also dem jetzigen Campingbahnhof.

Das aber ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch Zukunftsmusik. Fest stehen zunächst zwei Termine respektive Beschlüsse. Zum ersten die Zustimmung im Erlanger Stadtrat, zum zweiten die daran anschließende formale Gründung des Zweckverbandes, voraussichtlich am 15. April. Danach kann dann die konstituierende Verbandssitzung erfolgen. Zu besetzen sind außerdem noch die Stellen des Geschäftsführers, des technischen Leiters und einer Assistenzkraft.

Und dann kann es in die Vorplanungen gehen. Diese soll laut Hacker zeitgleich in allen drei Städten beginnen.