Die Karpfensaison in unserer Region hat begonnen - seit dem 1. September. Die Weiher prägten seit Jahrhunderten die Landschaft. Bereits Johann Baptist Roppelt schrieb im Jahr 1801 in seiner Zusammenfassung des Fürstenthums Bamberg zu der Fischzucht:
"Auch giebt es in dem Bambergischen Fürstenthum zwar nicht sehr große, aber doch ziemlich ansehnliche Seen und viele Weiher, welche dem Lande durch die Herrlichsten Fischarten, sowohl Nuzen als auch Vergnügen gewähren. Zu den Seen gehören (...) der große Bischofsweiher bey Dechsendorf, und viele andere ansehnliche Fischteiche mehr."

Nach der Säkularisation waren die Weiher aus der Hand des Bischofs oder des Domkapitels in Privatbesitz übergegangen. Im Landgericht Herzogenaurach befanden sich 3380 Tagwerk und 23 Dezimalen Weiher, im Landgericht Höchstadt a. d. Aisch 2049 Tagwerk und 23 Dezimalen bonitierte Weiher sowie 318 Tagwerk und 52 Dezimalen Flüsse, Bäche, Seen und nicht bonitierte Weiher. Im sich anschließenden Landgerichtsbezirk Forchheim waren es 1135 Tagwerk und 40 Dezimalen Weiher.

"Blinkender Wasserspiegel"

Die schönsten waren die sogenannten Mohrweiher zwischen Poppenwind, Hesselberg, Mohrhof, Boxbrunn und Biengarten, die nahen Weiher bei Neuhaus und Buch bis zu den Klebheimer- und den großen Bischofsweihern bei Dechsendorf. Pfarrer Andreas Jäckel (1822-1885), der von Spätherbst 1853 bis zum Februar 1861 als Pfarrer zu Neuhaus wirkte, schrieb dazu: "Hier drängt sich Weiher an Weiher zu einer grossen, in der Vogelperspektive der wandernden Gänse- und Entenschaaren gesehen, fast ununterbrochenen Wassermasse zusammen und ist es sehr begreiflich, dass ein über zwei gute Wegstunden in die Länge sich erstreckender selbst in dunkler Nacht blinkender Wasserspiegel auf das zu Tausenden seine luftige Strasse hoch dahinziehende Sumpf- und Wassergefügel eine unwiderstehliche Anziehungskraft ausüben, die seltensten Gäste aus dem tiefen Süden oder dem hohen Norden zu kürzerer oder längerer Einkehr einladen, ja sogar zum Bleiben und Hecken verführt werden."

Die Umwandlung der Weiher in Wiesen würde sich seiner Meinung nach nicht rechnen, da sie nur saueres Futter geben würden. Jäckel konnte beobachten, dass die Weiher nach einer Reihe von Jahren für ein Jahr trocken gelegt, mit Hafer besät und dann wieder der Fischzucht übergeben wurden. Im ersten Jahr nach der "Häberung" konnte der Besitzer bei einem größeren Weiher noch einen Gewinn in Höhe von 20 bis 30 Gulden für Pferdekümmel (eigentlich Wasserfenchel, Phellandrium aquaticum) erzielen.

In den Weihern wurden hauptsächlich Karpfen und auch Schleien herangezüchtet. Die vorzügliche Karpfenzucht rentierte sich, da die Fische auf dem Main und dem Rhein "...als leckere Speise weithin geführt werden".
Wegen des Fischadlers wurden die hochgehenden weißen Orfen (Idus melanotus Heckel und Kner), sowie die roten Orfen in den Weihern gehalten. "Weil sie hochgehen, glaubt man nemlich, dass sie den Fischaar eher als die tiefer gehenden Karpfen wahrnehmen und durch ihr Entfliehen, die letzteren warnen, weshalb man sie Karpfenwächter nennt." Zur Zeit des Abfischens traten der Beobachtung von Jäckel Graureiher in Scharen von 40 bis 100 Stück an den abgelassenen Weihern auf. Ende Oktober und im November zogen die meisten, einige waren noch an offenen Stellen der Aisch Weihern und Bächen zu finden.

Ring um den Hals

Mit Reihern ging früher die Herrschaft auf Fischfang. Ein Ring um den Hals verhinderte bei dem Vögel das Verschlucken der Fische. Am 13. Mai 1602 schickte Markgraf Georg Friedrich von Ansbach seinen Falkner nach Neuhaus mit dem Ansuchen, die gnädige Herrschaft möge diesem gestatten, dass er so viele junge Reiher fangen dürfe, als er haben könne. Am 13. Mai 1606 schrieb Markgraf Joachim Ernst zu Brandenburg-Ansbach an Friedrich von Crailsheim das Ansinnen, 15 junge, stärkere Reiher zu erhalten.

Löffelreiher und Seeadler

Friedrich von Crailsheim befahl zu Frühstockheim am 11. Juni 1606 seinem Vogt, in Neuhaus die gewünschten Vögel aus den Nestern zu entnehmen. Löffelreiher konnten im Mohrweiher und im Blätterweiher beobachtet werden.

Bemerkenswert ist, dass Jäckel lediglich Reiher und Seeadler als Feinde der Teichwirte aufführte. Den in der Jetztzeit so gefürchteten Kormoran erwähnt er überhaupt nicht, er konnte ihn hier also nicht beobachten.