Wolfram Weber will Erlangen zur Kinostadt machen. Direkt neben dem "Manhattan-Kino" will der fränkische "Kinokönig" (Cinecittá) ein Luxus-Kino mit acht Sälen und über 600 XXL-Plätzen bauen. "Mit einem Schlag stünde Erlangen an der Kinospitze in Deutschland", ist sich Weber sicher. Doch vorher muss der Stadtrat in der Hugenottenstadt grünes Licht geben.

Erst hat Wolfram Weber das "Manhattan" gerettet. Am 1. Oktober übernimmt der bekannte Kinobetreiber aus Nürnberg das vom Aus bedrohte Programmkino, das er vor über 30 Jahren selbst in Erlangen gründete. Zuerst kündigte Weber an, er wolle aus dem "Manhattan"-Kino eine Luxus-Lichtspielhaus machen. Nun denkt Weber noch eine Nummer größer und will von der Unistadt ein benachbartes Grundstück erwerben, um dort ein nagelneues "Deluxe-Kino" für rund 15 Millionen Euro auf drei Ebenen zu errichten.

Die Stadt Erlangen verkauft das Filetstück in der Innenstadt freilich nicht an jeden. Für die begehrte Fläche hat die Stadt ein "Interessenbekundungsverfahren" eröffnet. Bis zum Freitag (12. Mai, 12 Uhr) konnten potenzielle Käufer ein Konzept für das Sahnestück direkt gegenüber dem "Arcaden"-Einkaufszentrum abgeben. Gesucht werde laut Stadt ein Interessent, der eine "kulturelle Nutzung" anstrebt.

Nicht sehen will die Stadt an der Ecke Güterhallen-/Goethestraße neue Wohnhäuser oder Geschäfte. Das dürfte den Kreis der potenziellen Käufer gewaltig einschränken. Schließlich will die Stadt für die rund 750 Quadratmeter über eine Million Euro erzielen. Rund 1600 Euro ruft die Stadt wohl pro Quadratmeter auf.

Damit nicht die genug. Die Stadt macht weitere, kostspielige Auflagen in dem genannten Interessenbekundungsverfahren. Beispielsweise müsse die auf der Fläche befindliche historische Stadtmauer erhalten bleiben.
Für Wolfram Weber scheint das alles kein Problem zu sein. Weder vom Preis noch von den Auflagen lässt sich der "Kinokönig" abschrecken. Für ihn sei das Projekt "finanziell darstellbar".

Selbstbewusst hat Weber bekanntgegeben, dass er sich für das Grundstück mit seinem Nutzungskonzept "Kino der Extraklasse" bewerben will. Ohne zu wissen, ob noch andere Interessenten in den Ring um das Filetgrundstück gestiegen sind. Und ohne zu wissen, ob die Stadt am Ende die ganze Sache nicht doch wieder zu den ungelösten Akten legt. Ausdrücklich weist die Stadt daraufhin, dass kein Anspruch auf Verkauf der Fläche durch dieses Verfahren begründet werde.


Oder "Luxus light"

Wolfram Weber gibt sich dennoch zuversichtlich: "Ich bin ein gnadenloser Optimist. Ich hoffe, dass wir die Stadträte überzeugen können, dass das wirklich ein tolles Projekt für Erlangen ist", sagt Weber. In ganz Deutschland stünde Erlangen mit seinem "Deluxe-Kino" an der Spitze der Kinolandschaft, ist sich der "Kinokönig" sicher, der mit dem Cinecittá in Nürnberg nicht nur eines der größten Kinozentren Europas mit über 4000 Plätzen und 22 Kinosälen seit Jahren erfolgreich betreibt, sondern außerdem zahlreiche Programmkinos in der Region am Laufen hält.

Apropos Programmkino: Das "Manhattan" will Weber bis zum Herbst für rund 500 000 Euro sanieren. Wenn Weber das Grundstück, um das es nun geht, von der Stadt nicht bekommt, soll das alte Programm- zum Luxus-Kino "light" umgebaut werden.

Kino de luxe
Idee Wolfram Weber will ein Kino mit 22 Sälen und 620 Sitzplätzen auf einem städtischen Grundstück direkt neben dem Programmkino "Manhattan" gegenüber dem "Arcaden"-Einkaufszentrum errichten.

Umsetzung Im Erdgeschoss sollen sich neben dem Eingangsbereich mit den Kinokassen und einer Lounge-Bar zwei der kleineren Kinosäle befinden. Im Obergeschoss gibt es neben einem Restaurant mit Außenterrassen drei weitere Kinosäle. Ins Untergeschoss sollen die beiden größeren Kinosäle mit jeweils 135 Plätzen und ein Saal mit 45 Plätzen.

Projekt Das Grundstück (750 Quadratmeter) soll rund 1,2 Millionen Euro (1600 Euro pro Quadratmeter) kosten. Für den Bau des Kinos veranschlagt Weber 15 Millionen Euro.

Verfahren Der Stadtrat hat Auflagen zur Vorbedingung gemacht. In einem Verfahren konnten potenzielle Käufer ihr Interesse an dem Grundstück bekunden, auf dem die Stadt eine kulturelle Nutzung verlangt. Der Vorteil für die Stadt liegt auf der Hand: Der Stadtrat kann sich auch dazu entschließen, das Grundstück nicht zu verkaufen. NP