"Beteiligt euch, reibt euch daran", rief der für die Straßenplanung zuständige Ingenieur Edgar Göller den Wachenrother Bürgern zu. Schließlich müssten sie mit den Veränderungen die nächsten 30 Jahre leben. Die Aufforderung hätte es nicht gebraucht: Einige Wachenrother "rieben" sich an den geplanten Maßnahmen, die die Ortsmitte gravierend verändern werden.

Mit einer so großen Beteiligung zu ungewöhnlicher Tageszeit (17.30 Uhr) hatte Bürgermeister Friedrich Gleitsmann (CSU) nicht gerechnet, sonst hätte er die Versammlung wohl in der Ebrachgrundhalle anberaumt. Im Feuerwehrhaus war kein einziger Platz mehr frei. Stühle und Bänke mussten herbei geschafft werden, um alle Bürger unterzubringen. Dabei handelte es sich eigentlich um eine Sitzung von Teilnehmergemeinschaft und Gemeinderat. Eine Bürgerversammlung zu diesem Thema soll im April anberaumt werden.

In erster Linie interessierten sich die Bürger natürlich für die Kosten. Doch darüber konnte im aktuellen Planungsstadium niemand eine Aussage machen. Dann wurde von einigen angezweifelt, ob die neue Verkehrsführung überhaupt eine Verbesserung bringt.

Die Ingenieure - Markus Dohrer vom Amt für ländliche Entwicklung in Ansbach, Edgar Göller (Höhnen & Partner), der für die Straßenplanung zuständig ist, und die für die Platzgestaltung und Grünbereiche zuständige Claudia Bindereif (Freie Planungsgruppe 7) - wie auch der Bürgermeister hatten keinen leichten Stand. Ein Bürger verließ mit sichtlichem Unmut - "Ihr kocht da euer Süppla" - die Versammlung. "Die meisten Anwohner wollen die Umgestaltung nicht", meinte ein anderer. Das sei jetzt geplant und werde wohl auch so ausgeführt. "Dann brauchen wir gar nicht mehr mitzureden", wurde eingeworfen. Planer Göller wollte das nicht so stehen lassen: "Wenn der Gemeinderat sagt, wir wollen das nicht, ist die Planung zu Ende."

Eine Rennstrecke?

Dabei ist seit Beginn vor drei Jahren schon viel auf den Weg gebracht worden: Die Abstimmung mit Landratsamt und Staatlichem Bauamt über die Führung von Kreisstraße und Staatsstraße erforderte viele Gespräche. Die derzeitige Situation, die heutigen Anforderungen nicht mehr entspricht, soll durch die Zusammenführung der Straßen verbessert werden. Der Bereich um das Rathaus - "eine reine Teerwüste" - soll im Zuge der Dorferneuerung ansprechender gestaltet werden.

Wie der Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft weiter berichtete, ist dem Amt für ländliche Entwicklung eine Unterschriftenliste zugegangen, mit der die Anwohner der Hauptstraße Einwendungen und Bedenken äußern. Darin werde kritisiert, die neue Straßenführung werde eine Rennstrecke, Kosten und Nutzen für die Anlieger stünden in keinem Verhältnis und eine Entscheidungsfindung mit den Anliegern habe nicht stattgefunden.

Es werde der ganz "normale Weg" beschritten, betonte Dohrer und erläuterte die Planungsschritte: Grundlagenermittlung, Vorplanung, Entwurfsplanung, Genehmigungsplanung. Jetzt sei man in der Vorplanung und für eine Aussage über die Kosten sei es noch viel zu früh. "Das ist kein Ratespiel mit Wahrsagekugeln", stellte Göller klar. Je konkreter die Planung werde, umso genauer könnten die Kosten berechnet werden.

Ein Platz zum Verweilen

Die Bushaltestellen waren nach den Worten von Claudia Bindereif das Hauptthema in der Diskussion mit den Behörden. In der aktuellen Planung sind sie an der Staatsstraße vorgesehen. Der oberhalb der Staatsstraße gelegene Bereich soll nach den Worten der Planerin "ein Platz mit hoher Aufenthaltsqualität, einem kleinen Wasserlauf und einer Pergola" werden, auf dem Kirchweih oder Märkte stattfinden können. Der Höhenunterschied zur Staatsstraße soll mit einer begrünten Stützmauer abgefangen werden.

An der Staatsstraße wird es nach dem Konzept des Straßenplaners zwischen den beiden Bushaltestellen eine mit einer Knopfdruckampel "gesicherte Querung" geben. Die komplette Anlage der Straße wird dem neuesten Stand der Technik entsprechen. Besonderer Wert werde auf behindertengerechte Ausführungen gelegt. Derzeit kritische Verkehrspunkte würden entschärft.
Ein Redner brachte die Diskussion auf den Punkt: Die neue Straßenführung müsse eine funktionale Verbesserung bringen und vorhandene Mängel beheben. Denn nur dafür gebe es Förderung, "nicht aber für ein bisschen Pflaster". Diese hohe Förderung zu verschenken, sei er nicht bereit, betonte Bürgermeister Gleitsmann. Allen Bürgern bot er an, mit Fragen und Bedenken zu ihm, zu einem der Räte oder zu den Mitgliedern der Teilnehmergemeinschaft zu kommen.