Nach einem gelungenen Altstadtfest, einer hervorragenden Sommerkirchweih, begann auch das Mittelalterfest bei hochsommerlichen Temperaturen. Diese brachte vor allen diejenigen etwas ins Schwitzen, die anlässlich des speziellen Festes die passende Kleidung trugen oder tragen mussten. Zeitreise in Herzogenaurach - wieder einmal ging es am Wochenende ins Mittelalter. Und wenn der Besucher sich das bunte Treiben in der Stadt anschaute, kann jeder nur einem Schluss kommen: Es scheint eine tolle Epoche gewesen zu sein.


Marktstände bieten Waren feil

Schon vor der offiziellen Eröffnung durch Bürgermeister German Hacker (SPD) und dem dann folgenden Umzug beim Mittelalterfest, drängten sich die Leute in der Hauptstraße. Die vielen Marktstände präsentierten mittelalterliche Handwerkskunst mit traditionellen Waren und boten Spezialitäten für das leibliche Wohl an. Im Schlosshof dampften die Kessel mit selbstgebrautem Bier, während die Kleinsten müde von Rittern und Gauklern im Gewölbekeller des Ratskellers den Rittergeschichten der Herzo-Lesepaten lauschen durften.

Nach dem traditionellen Umzug der Akteure durch die Innenstadt, eröffnete "Purgamasta" auf dem Marktplatz das zweitägige Fest musikalisch. Die Marktstände, Ritter und Spielleut´, Handwerker und Gaukler entführten die Besucher vor der historischen Kulisse der Altstadt in eine längst vergangene Zeit. Heuer erschien der Stadtobere German Hacker in einem neuen Gewand und mit einer Feder in den Stadtfarben auf dem Hut. Mit dabei allerlei politisches Gesindel der unterschiedlichsten Richtungen, vom Rat bis hin zum Bundvertreter.

Als Vertreter der Kaufleute und Mitorganisatoren, schritt die Führung der Förder- und Werbegemeinschaft beim Umzug mit. Bei der Eröffnung wies das Stadtoberhaupt darauf hin, wie sich die Besucher zu verhalten haben. Wenn das nicht funktioniere werde die "Stadtwache Vitus" für Ordnung sorgen, kündigte er an. "Lasst Euch nicht das Geld aus der Tasche ziehen, es ist allerhand Gesindel unterwegs und die Stadt ist voll Gauklern und schrägen Gesellen", gab der Bürgermeister dem Volk mit auf den Weg.


So achte die Stadtwache besonders auf unzüchtiges Weibsvolk, Trunkenbolde und Lästerer, ihnen drohte die Schandgeige. Wie es Ehebrechern ergehen kann, erfuhr ein junger Mann am Rande des Lagers im Schlossgraben. Er wurde kurzerhand mit der Schandgeige versehen und an einer Laterne festgebunden, im Mittelalter wäre es sicher ein Pfahl oder Baum gewesen. Unter Beschimpfungen der betrogenen Gattin wurde der Ehebrecher, wegen der anwesenden Kinder, nur mit Wasser übergossen.

Leider spielte das Thema Sicherheit aufgrund der Vorkommnisse der letzten Wochen eine sehr ernste Rolle. Bereits bei den Planungen war die Sicherheit ein Thema. Von den Maßnahmen merkten die Besucher aber wenig. Es gab ein paar uniformierte Polizeibeamte mehr und auch der Sicherheitsdienst wurde aufgestockt.



Begeisterung bei Hamburgern

Mit ihrem defekten Wohnmobil ist die Hamburger Familie Henning in Herzogenaurach gestrandet. Da das Wohnmobil erst nach dem Wochenende repariert werden kann, campiert die vierköpfige Familie am Atlantis. "Wir wollten eigentlich nur in die Innenstadt zu Eis essen und kamen mitten in das Getümmel", meinte Martin Henning. Klar auch, dass der siebenjährige Jonas und die zwei Jahre jüngere Schwester Jenny erst mal das Eis vergaßen. "Hier gibt es Essen, das man so normalerweise nicht bekommt. Und scheinbar ging das Mittelalter durch den Magen", schwärmte Svenja Henning von der reichhaltigen Auswahl.

Während der Papa das hervorragende selbstgebraute Bier verkostete, ging der Rest der Familie Shoppen, die Geschäfte hatten am Sonntag geöffnet. Neben den vielen Krämern beteiligten sich viele Innenstadtgeschäfte und boten ihre Waren sowie "Spezereyen" feil, zudem gab Gebratenes, Gesottenes und allerlei Gebackenes, das den Leuten das Wasser im Munde zusammenlaufen ließen. Überdies gab es einen Shuttle zu einem Sport-Outlet, so das auch die außenliegenden Firmen etwas von dem Verkaufssonntag hatten.


Selber mitmachen

"Schade dass das morgen schon wieder vorbei ist, da hätten wir bleiben können", meinte Jonas etwas traurig, als er hörte dass das Spektakel nur zwei Tage dauert. Was das Mittelalterfest so besonders macht, sind die vielen vielfältigen Möglichkeiten selber Hand anzulegen und zum Beispiel mittelalterliches Handwerk mal auszuprobieren.

"Vom Schafpelz zum Wolltuch" hieß es im Stadtmuseum. Zum Mittelalterfest öffnete die mittelalterliche Tuchmacherwerkstatt und bot Mitmachangebote für die ganze Familie. Die Besucher gingen mit den Wollproduzenten auf "Tuchfühlung und konnten den Rohstoff Schafwolle hautnah am lebenden Objekt fühlen. Eines war schnell ersichtlich: Viele Arbeitsgänge sind notwendig, um aus Schafwolle einen Stoff herzustellen: Scheren, Waschen, Färben, Wolfen, Krempeln, Spinnen, Weben und Walken.

Die wichtigsten Arbeitsschritte konnten die Kinder spielerisch ausprobieren und selbstgefertigte Filzprodukte mit nach Hause nehmen. Bei einer Führung durch das Stadtmuseum mit dem Färbergesellen Sebastian Seidenfaden wurde zudem die Zeit der Tuchmacher lebendig.