Der Adelsdorfer Hans David, der sich seit vielen Jahren für die Belange von Autismus betroffener Menschen einsetzt, erhält heute aus den Händen von Staatsminister Joachim Herrmann (CSU) das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland im Landratsamt Erlangen.

"Im ersten Moment war ich schon überrascht, als ich Anfang November 2015 die Nachricht über die geplante Ehrung aus dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales erhielt", so Hans David. "Aber ich nehme diese Auszeichnung nicht für mich allein, sondern im Namen aller meiner Mitstreiter entgegen, denn wir sind eine starke Gruppe", fährt er fort. "Ohne diese Menschen, die ihre eigenen Interessen immer unseren gemeinsamen Anliegen untergeordnet haben, hätten wir das alles nie geschafft", erklärt er weiter.


Aktiv mit anderen Eltern

Ein Mitstreiter, Armin Deierling, zeichnet den Werdegang und das Wirken von Hans David - Hans und Ruth David sind Eltern der inzwischen 29-jährigen autistischen Tochter Eva - nach: Anfang der 90er-Jahre haben sich eher zufällig mehrere Eltern von meist jungen Menschen mit Autismus monatlich in Nürnberg getroffen, um sich über ihre Probleme auszutauschen und nach Hilfe zu suchen. Hans David erkannte, dass "wir uns organisieren und aktiv werden müssen!"

1994 trat David dem Nürnberger Verein "Hilfe für das autistische Kind" bei, der später in "Autismus Mittelfranken e.V." umbenannt wurde. Es wurden Arbeitsgruppen zu Themen wie Schule, Wohnen und Öffentlichkeitsarbeit gebildet und man ging mit viel Schwung an die Arbeit. Man wählte Hans David zum Ersten Vorsitzenden des Vereins mit damals 56 Mitgliedern. Heute zählt der Regionalverband etwa 250 Mitglieder.


Erste Schulklasse für Autisten

Viele Initiativen entstanden unter seiner Regie wie unter anderem die Tagungen "Autismus im Dialog", die Einrichtung einer umfangreichen Fachbibliothek und im Jahr 1999 stellte er zusammen mit anderen die Weichen zur Gründung des Autismus-Landesverbandes Bayern. 1995 ging die erste Schulklasse für Kinder mit Autismus unter dem Namen "Muschelkinder" in Nürnberg unter Rummelsberger Trägerschaft an den Start. In dem bis dahin in Deutschland einmaligen Projekt wurden sechs Kinder mit Autismus gemeinsam in angepasster Umgebung und mit speziellen Methoden beschult.

Im Februar 2007 wurde auf seine Initiative hin das erste "Autismus-Kompetenzzentrum Mittelfranken GmbH" gemeinsam mit der Lebenshilfe und der Stadtmission Nürnberg, den Rummelsberger Diensten und der Diakonie Neuendettelsau ins Leben gerufen. Im September 2007 wurde das Konzept "Muschelkinder" mit einer Tagesförderstätte für Menschen mit Autismus unter der Trägerschaft Rummelsberg erweitert.

2011 bezogen die ersten erwachsenen "Muschelkinder" zwei Wohngruppen für Menschen mit Autismus (Rummelsberg). Mit großem Elan engagierte sich Hans David sowohl im Vorstandsgremium "Autismus Deutschland e.V." als auch in der Vorstandschaft der "Lebenshilfe Nürnberg e.V." für die Verbesserung der Situation behinderter Menschen. Wegen der Mehrfachbelastung gab er 1999 den Vorsitz des Regionalverbandes Mittelfranken ab.


Stiftung unterstützt Wohnprojekte

Nach seinem Ausscheiden aus den Vorständen des Bundesverbandes und der Lebenshilfe verstärkte er seine Mitarbeit im lokalen Verband "Autismus Mittelfranken e.V.". In den Folgejahren bemühte sich der Vorstand, junge Eltern zur aktiven Mitarbeit im Vorstand zu motivieren, um einen Generationswechsel herbeizuführen. 2011 errichtete er zusammen mit drei weiteren Eltern die "Stiftung Muschelkinder", die Wohnprojekte für Menschen mit Autismus, aber auch für Menschen mit anderen Behinderungen fördern will.

"Autismus findet schon mehr Beachtung in der Bevölkerung als früher", unter anderem durch Filme wie "Rainman" und "Snowcake", resümiert Hans David. Seine Tochter Eva hatte sich mit einem Jahr massiv anders als andere Kinder entwickelt und im Alter von zweieinhalb Jahren stellte ein Professor in Göttingen die Diagnose "Autismus".

"Wir waren zuerst völlig hilflos und nirgends gab es eine Stelle, an die man sich wenden konnte", so Evas Mutter Ruth David im Rückblick. Es erfolgte eine Odyssee von einer Therapie zur nächsten und niemand kannte sich zur damaligen Zeit richtig aus. Heute finden betroffene Eltern große Hilfe im Kompetenzzentrum.


2000 Betroffene in der Region

"In unserem Einzugsgebiet gibt es nach konservativen Schätzungen etwa 2000 Menschen mit einer Störung im autistischen Bereich. Der Regionalverband Autismus Mittelfranken vertritt davon etwa 100", erzählt Ruth David. Dabei gibt es vier Mal mehr autistische Jungen als Mädchen. Tochter Eva ist stärker vom Autismus betroffen, lebt seit 2011 in einer Wohngruppe in Hersbruck und arbeitet mit großer Freude in der Tagesförderstätte für Menschen mit Autismus.

Seit sie viereinhalb Jahre alt ist, spricht sie nicht mehr und vieles läuft über Beobachtung. Kommuniziert wird über eine Schreibtafel. "Unsere Tochter Eva hat uns viel gelehrt", erklärt Ruth David. "Wir haben durch sie erkannt, was wichtig und was unwichtig im Leben ist."