"Warum immer ich?" In ihrem ersten Soloprogramm befasste sich Annette Grabiger, gelernte Sozial- und Diplompädagogin, Erzieherin, Mutter von zwei halbwüchsigen Kindern und seit vielen Jahren aus Leidenschaft Kabarettistin, im Uehlfelder Prechtel-Saal mit dieser wichtigen Frage. Annette von Bamberg nennt sie sich - erstens, weil ihr Name sowieso immer falsch geschrieben werde, und zweitens mache das "von" doch was her - das hätten schon ganz andere ausgenutzt.
Dass sie den beistimmenden Zuruf aus dem Publikum "Tebartz von Elst" - richtig geschrieben "Tebartz-van Elst" - nicht korrigierte, sondern bereitwillig in ihre Beispielsaufzählung mit aufnahm, ist sicher ihrem Respekt vor den Gästen zuzuschreiben. Außerdem passte es sinngemäß ja ganz ausgezeichnet, und das dem Adelstitel ähnlich klingende "van" hat sich der Legende nach schon Ludwig van Beethoven zunutze gemacht.
Doch eigentlich hatte die Künstlerin, die auch Jonglage und Artistik beherrscht, gar nicht so sehr die großen Ereignisse in Kirche, Politik oder Wirtschaft am Wickel. Wie es der Name ihres Programms schon verrät, sind es die kleinen Dinge, die ihr zu schaffen machen, und von denen jeder im Publikum früher oder später selbst betroffen ist. "Kommunizieren die Rohrleitungen im Bad etwa miteinander, wenn nach dem Versuch der Beseitigung einer Toilettenverstopfung plötzlich braunes Wasser aus Dusche und Badewannenhahn fließt? Und warum passiert so was immer am Wochenende, wo der Notdienst ein Vielfaches kostet?", fragte die Kabarettistin.
Selbst ist die Frau, und die Erlebnisse als einziges weibliches Wesen im Baumarkt führten zu erneuten Lachern bei den Zuschauern. Wenn man es noch nicht selbst erlebt hat, konnte man es sich zumindest sehr gut genau so vorstellen.

Viel Beifall als Lohn

Zum Glück gebe es ja oft auch eine Frau im Verkaufsteam, die als Übersetzerin Frau - Baumarktjargon fungieren kann, so dass die Verständigung letzten Endes dann doch klappt. Dieses und noch viele andere Fettnäpfchen des täglichen Lebens, in die es sich zu treten lohnte, fanden Platz im Programm und die Zuschauer lohnten mit reichlich Beifall.
Alexandra, Günter, Sonja und Petra waren extra aus Neustadt gekommen, um einen vergnügten Abend zu erleben. "Es ist ja auch notwendig, solche Veranstaltungen zu unterstützen, damit sie in der Region erhalten bleiben", meinte Günter. "Außerdem ist er hier so schön familiär. Vor allem aber wollen wir Spaß haben." Der ist bestimmt nicht zu kurz gekommen. Die großen Schenkelklopfer waren es nicht, doch ein Schmunzeln und Lachen über die leiseren Töne, die gewöhnlich auch den Alltag ausmachen, ist für einen gelungenen Abend sicher nicht zu verachten.