Das Vereinshaus in der Hinteren Gasse, städtischer Veranstaltungssaal und einst Treffpunkt der Herzogenauracher Vereine, ist in den vergangenen Wochen und Monaten zunehmend in die Kritik geraten. Diese gipfelte in einer öffentlichen Schelte durch den Karnevalsclub. Dieser Zwist konnte inzwischen beigelegt werden, aber offene Fragen gibt es weiterhin. Wie soll die nahe Zukunft des Objektes aussehen, wollte beispielsweise Gotthard Lohmaier (SPD) in der Stadtratssitzung am Donnerstagabend wissen.

Um es vorweg zu nehmen: An eine Änderung des Betriebskonzeptes ist wohl vor einem Neubau respektive einer Generalsanierung des Hauses nicht zu denken. Das sagte Bürgermeister German Hacker (SPD). Das Stadtoberhaupt liebäugelt mit einer komplett neuen Lösung - Abbruch des Vereinshauses samt einem benachbarten Wohnhaus, das ebenfalls der Stadt gehört, und Neubau an gleicher Stelle. Da könnte dann ein Kultursaal oder eine Stadthalle entstehen. Allerdings bezifferte Hacker auch gleich den zeitlichen Rahmen: Vor 2017 sei an eine solche Baumaßnahme nicht zu denken.

Der Pachtvertrag mit dem Wirt Serkan Maktav besteht noch bis Ende 2015, führte der Bürgermeister weiter aus. Kündigt keine der beiden Seiten zuvor, verlängert sich das automatisch. Vor einem möglichen Neubau also an ein neues Konzept zu denken, mache keinen Sinn, sagte Hacker. Da wäre die Zeit zu kurz.
Dennoch wolle man natürlich auch jetzt schon "mit Nachdruck auf einen reibungslosen und erfolgreichen Betrieb" achten. Sauberkeit und Qualität des Betriebs haben für den Bürgermeister dabei höchste Priorität. Das wisse auch der Pächter und dieser Punkt sei ja auch Bestandteil der jüngsten Besprechung im Rathaus gewesen.

"Kein Draht zu den Vereinen"

Allerdings stellte Hacker auch klar, dass der Betrieb des Hauses inklusive Belegung der Räumlichkeiten dem Pächter obliege, die Stadt sei da außen vor. Auch das war ein Punkt, den Lohmaier ansprechen wolle. Denn seines Wissens habe es auch Beschwerden anderer Vereine gegeben. Das bestätigte der Bürgermeister. So sei schon manches an die Stadt herangetragen worden, nicht nur vom KCH. Aber der Pächter bekomme auch Lob, beispielsweise habe er neue Veranstaltungen an Land gezogen und gehe da sehr engagiert zu Werke. Und: "Die Kritik hat ihn getroffen".

Manfred Welker (Freie Wähler) sah da aber einen Nachholbedarf. Der Pächter habe "nicht so den Draht zu den Herzogenauracher Vereinen", sagte er. "Ich würde mir wünschen, dass es künftig besser funktioniert". Kurt Zollhöfer (CSU) bestätigte diesen Eindruck. Auch die CSU hat sich mit ihren Neujahrsempfängen inzwischen aus dem Vereinshaus verabschiedet und belegt lieber das Novina-Hotel. 650 Euro Kosten für eine Veranstaltung und das Überlassen des Bewirtungserlöses an den Pächter sei für viele ein Ärgernis, sagte der Ortsvorsitzende seiner Partei. Man sollte darüber nachdenken, die Vereinbarung aufzulösen und das Haus vereinsfreundlicher gestalten. Über den städtischen Haushalt könne man eine Ausgleichszahlung geben. Zollhöfer: "Dann würden auch wieder die Vereine rein gehen".

Bürgermeister German Hacker hält das für nicht erforderlich. Denn schon jetzt sei es über die Förderrichtlinien so geregelt, dass Herzogenauracher Vereine von der Stadt einmalig im Jahr 300 Euro Zuschuss erhalten, wenn sie das Vereinshaus belegen. Auch zu den Kosten hatte Hacker Zahlen parat. Die Saalmiete für örtliche Vereine betrage 300 Euro zuzüglich 150 Euro Nebenkosten und die Mehrwertsteuer. Auch seien Herzogenauracher Vereine bei der Anmietung bevorzugt zu behandeln.

Dritter Bürgermeister Manfred Welker äußerte sich auch als Anlieger. Man müsse zwischen Lokal und Saal unterscheiden und der Pächter ziele auf die Nutzung des Saals ab. "Türkische und russische Hochzeiten können schon lang und sehr laut sein", sagte der Bewohner einer benachbarten Straße. German Hacker verkniff sich nicht den Hinweis, dass das wohl Welkers persönliche Meinung sei und die genannten Hochzeiten nicht minder schön seien als alle anderen auch. Außerdem: "Der Pächter soll doch Leben ins Vereinshaus bringen".

Technik ist "Kraut und Rüben"

Eine andere Kritik ließ der Bürgermeister unwidersprochen. Die technische Ausstattung lasse zu wünschen übrig und sei dort "seit Jahrzehnten ein Stückwerk". Hacker: "Das ist schon Kraut und Rüben". Aber man könne ja nicht täglich die Technik kontrollieren. Und angesichts der "Restlaufzeit" des Gebäudes mache es jetzt auch keinen Sinn, die Technik komplett zu erneuern.

Im Übrigen äußerte Antragsteller Gotthard Lohmaier seine Freude, dass der Streit zwischen Karnevalsclub und Pächter wohl beigelegt und der Bürgermeister bei dem gemeinsamen Gespräch als "Friedensengel" aufgetreten sei.


Stimmen aus Facebook

Renner Auch auf der Facebookseite des FT (www.facebook.com/ERHft) hat sich das Thema Vereinshaus zum Renner entwickelt. Mehr als 1500 Personen haben den jüngsten Beitrag über das Gespräch zwischen Pächter und KCH bis gestern Abend gesehen. Manche haben kommentiert und geben ein paar Anregungen.

Meinung 1 Paul Rösch, als ehemaliger Schlappenschuster mit dem Vereinshaus bestens vertraut, meint: Jede andere Kleinstadt, die nicht so viel Gewerbesteuern einnimmt, hat eine Stadthalle. Das Vereinshaus mit seinen veralteten Sanitäranlagen und wenigen Parkplatzmöglichkeiten gehört abgerissen.

Meinung 2 Eine andere Schreiberin sagt: Es ist eine Schande für Herzogenaurach. Ganz sicher würden in geeigneten Räumen auch gute Veranstaltungen stattfinden können. Viele könnten ihr Kabarett in Herzi zeigen, nicht nur in Erlangen. Auch viele Veranstaltungen, die in nicht so riesigen Hallen laufen, wären dann bei uns richtig. Ich glaube auch, dass der Bedarf in der Bevölkerung schon da wäre.