Trotz der fünf Grundschulklassen, die sich in der Aula der Carl-Platz-Schule versammelten, war es schon ungewöhnlich ruhig, ja beinahe mucksmäuschenstill. Das sollte sich aber mit Unterrichtsbeginn ändern und es kommt bestimmt nicht oft vor, dass es frühmorgens tosenden Applaus gibt, aber er war sogar erwünscht.
Da musste Schulleiterin Gabriele Lommer auch nicht die Finger auf ihre Lippen legen, es lag irgendwie eine Spannung in der Luft. "Heute erwartet euch etwas ganz Besonderes, wir haben zwei außergewöhnliche Künstler in unserer Schule", erklärte die Rektorin und erhöhte die Spannung abermals.
Endlich ertönte Musik, in die Aula kam ein "Hausmeister" im grauen Arbeitsmantel und es ertönte die Glocke, das hieß Schulbeginn. Streng um sich blickend kam dann auch der Lehrer, auf dem Stundenplan stand Erdkunde. Zum Vergnügen der Kinder stand die Tafel mit den Erdteilen auf dem Kopf, die Hausmeister (und Musiker) Michalko nach einem strengen Blick des Lehrers umdrehte. Dann begann ein "wortloser" Unterricht, der Lehrer deutete mit seinem Zeichenstock auf einen Erdteil und die Herzogenauracher Schüler bewiesen ihr Wissen. Die Schüler wurden in den Unterricht mit einbezogen, spielten die Tiere der Erdteile ebenso wie Indianer und Cowboys.
Aber auch diese Stunde ging mit einem Läuten zu Ende und die Schüler mussten zum Biologieunterricht. Das Gelächter war groß, als der vorherige strenge Erdkundelehrer mit Perücke und einem schwarzen Kleid erschien. In dieser Stunde ging es um Vogelarten, für die Carl-Platz-Schüler ebenfalls kein Problem, nur mit dem Fliegen haperte es zwischendurch.

Sport auf der Bühne

Die nächste Stunde hieß Sport - der Sportlehrer hetzte geradezu mit Trillerpfeife in die Aula und auf die Bühne. Die fünf Klassen kamen in Bewegung, auf der Bühne wurde geturnt und Ball gespielt, aber der Sportlehrer war nicht so richtig zufrieden und machte die Übungen vor.
Aber es sollte noch nicht zu Ende sein, es blieb keine Zeit für eine Pause. Allerdings wurde der Kunstunterricht mit einem sehr verträumten Kunstlehrer dann doch etwas erholsamer und an der großen Tafel war am Ende eine Sonne zu sehen. Dazu gesellte sich ein Meer, Urlaubsträume wurden wahr, bis ein Schüler ein Loch ins Schlauchboot malte und es zum Vergnügen der Kinder samt dem Kunstlehrer blubbernd unterging.
Der Unterrichtstag wurde abgeschlossen mit dem Musikunterricht und es wurde die Tonleiter geübt. Allerdings gab auch in dieser Stunde der Musiklehrer keinen Ton von sich, dafür sorgten die Kinder und der Hausmeister umso mehr für die Lautstärke. Am Ende bildete sich ein großes Orchester mit den unterschiedlichsten Instrumenten und auch die Lehrerinnen in der letzten Reihe wurden nicht verschont.
Das Ensemble "Theater Fortissimo" mit dem Pantomime-Künstler Vlado Kulisek und dem Musiker Radek Michalko hatte für einen außergewöhnlichen Unterricht gesorgt. Das Stück hieß "Die Schule als Spiel". Ganz nach dem Geschmack der Kinder, verbunden mit dem Wunsch, dass es doch jeden Tag so einen Unterricht geben müsste.