"Vielleicht wird es ja ein Leader-Projekt", hofft Bürgermeister Werner Stöcker. Aber selbst "wenn es die Gemeinde ein paar Euro kostet", soll das Buch über die jüdische Vergangenheit von Uehlfeld aufgelegt werden. Denn bis jetzt ist dieses Kapitel der Geschichte des Marktes kaum erforscht. In der Sitzung des Marktgemeinderats stellte die Autorin Gisela Blume vor, was sie über Uehlfelds jüdische Bürger gesammelt und niedergeschrieben hat. Zum Thema sei sie durch Johann Fleischmann, den 2013 verstorbenen Heimatforscher aus Mühlhausen gekommen, sagte Blume.

"Uehlfeld - Jüdisches Leben und Häuserchronik" ist die Dokumentation betitelt, die im Herbst erscheinen soll. Zunächst blickt die Autorin zurück auf nahezu 350 Jahre des Zusammenlebens von Juden und Christen im Ort. Zeitweise hätten mehr als fünfzig Prozent Einwohner jüdischen Glaubens in Uehlfeld gelebt. Neben einer Synagoge habe es auch zwei jüdische Schulen gegeben. Wichtige Regeln und Riten des jüdischen Lebens wie die Synagogenordnung, Beschneidung, Ehevertrag erläutert die Verfasserin. Die jüdischen Bürger seien integriert gewesen. "Sie kämpften im Ersten Weltkrieg für ihr Vaterland, waren an der Gründung der Feuerwehr beteiligt und einige waren bereits im Jahr 1810 im Gemeinderat tätig."

Viele Seiten der reich bebilderten Chronik widmet die Autorin der Geschichte des jüdischen Friedhofs, in dem rund 700 Verstorbene beerdigt sind. Bevor es diesen Friedhof gab, hätten die Juden aus Uehlfeld ihre Toten in Zeckern bestatten müssen. Dies bedeutete eine Wegstrecke von etwa drei Stunden. "Es war wichtig, den Friedhof jetzt zu dokumentieren, bevor durch die Witterung noch mehr zerstört wird", betonte die Autorin. Die Grabsteine hat Blume - wo es nötig war - gereinigt, fotografiert und die hebräischen Inschriften übersetzt.

Kindbetterinnen oder auf unnatürliche Weise Verstorbene habe man entlang der Südmauer beerdigt. Als erstes sei im November 1732 ein Kind beerdigt worden. Dem letzten, dem 1938 verstorbenen Lehrer Hermann Köstrich sei kein Grabstein gesetzt worden, weil es seit 1938 in Uehlfeld keine Juden mehr gab.

Als wichtigen Teil der Ortsgeschichte hat Blume eine Chronik der Häuser in Alt-Uehlfeld erstellt. Um 1828 hätten 54 der damals 113 Wohnhäuser, also knapp die Hälfte jüdischen Bürgern gehört. Mit den Häuserchroniken wird auch viel aus dem Leben der einstigen Besitzer, ihrer Berufe, der Nachkommen und anderes mehr bekannt.