Es waren schockierende Bilder und Videos, die am Samstag im Jugendhaus Rabatz gezeigt wurden, und vielen Besuchern stand das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Jahr für Jahr sterben auf den Färöer-Inseln hunderte Wale und Delfine einen grausamen Tod, und das aufgrund einer uralten Tradition - dem Grindadráp.
Durch Bianca Wirth und Florian Stadler von "Sea Shepherd" bekamen die Besucher einen Einblick in die Arbeit der gemeinnützigen Organisation für den Schutz der maritimen Lebewesen. Der Herzogenauracher Thomas Adler und seine Frau Jenny hatten die Tierschutz-Organisation zu einem Kampagnentag nach Herzogenaurach geholt, und die aktiven Meeresschützer berichteten nicht nur von ihrem gefährlichen Einsatz auf den Färöer-Inseln, sondern auch detailgenau von der Tradition der dortigen Bevölkerung.

Die Färinger - wie die Bevölkerung der zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln genannt wird - blasen zur Jagd auf die Wale. Obwohl die Waljagd durch europäische Richtlinien und internationale Konventionen verboten ist, nutzen die Nachfahren der Wikinger ihren politischen Sonderstatus, um mit der Berufung auf alte Traditionen jedes Jahr bis zu tausend Grindwale und Delfine zu töten. Freiwillige der Umweltschutzorganisation "Sea Shepherd" stellen sich den Walfängern entgegen und werden dafür auch verhaftet.

Die Besucher und insbesondere die Kinder wurden vorher gebeten, falls sie die Bilder des grausamen Abschlachtens nicht vertragen können, den Saal zu verlassen. Die Fischer treiben die Tiere in eine Bucht, dann auf den Strand, wie Bianca Wirth und Florian Stadler von der Ortsgruppe München berichteten. Den Tieren werden Fanghaken in das Blasloch gerammt, um sie orientierungslos zu machen.


Tiere bleiben bei der Familie

Mit dem Grindmesser werden das Rückenmark und die Schlagader, die das Gehirn versorgt, durchtrennt. Einige Wale ersticken erst nach Stunden an ihrem Blut. "Grindwale sind äußerst soziale Tiere, die ihrem Leittier auch in den Tod folgen und sich um kranke und verletzte Tiere der Gruppe kümmern. Aus diesem Grund fliehen keine Einzeltiere und die gesamte Walfamilie sitzt in der Falle", erklärte Florian Stadler anhand eines Videos.

Für den Walfang auf den Färöer-Inseln gibt es weder vorgeschriebene Fangzeiten noch Fangquoten. Vielmehr bestimmen die Wetterbedingungen und die an der Küste vorbeiziehenden Wale den Zeitpunkt der Jagd und die Anzahl der Opfer. Höhepunkt der blutigen Tradition sind die Sommermonate Juni bis August. Nähert sich eine Schule von Grindwalen, ein Familienverband von teilweise über hundert Tieren, der Küste und wird von den färingischen Fischern entdeckt, verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Die Fischer fahren mit ihren Booten aufs Meer, kreisen die Wale ein und treiben sie in Richtung einer ausgewählten Bucht. Angestellte bekommen Urlaub und Kinder schulfrei, um an dem grausigen Schauspiel mit Volksfestcharakter teilzunehmen. Es gibt insgesamt mehr als 17 Wal-Buchten, in denen das blutige Schlachten erlaubt ist.

Wie Bianca Wirth und Florian Stadler berichteten, ist das rituelle Schlachten der Wale ist unfassbar grausam. Die Färinger verwenden dafür eine traditionelle Lanze, mit der sie den Tieren das Rückgrat brechen. "Das soll die Wale angeblich innerhalb von zwei Sekunden töten, das funktioniert aber nicht", erklärte Stadler. So rutschen die Lanzen immer wieder ab und die meisten Tiere seien nicht tot, sondern leiden unvorstellbare Qualen, berichteten die beiden Meeresschützer. Die weltweiten Proteste zahlreicher Umwelt- und Tierschutzorganisationen richten sich vor allem gegen die besonders grausame Art des Tötens bei der Grindwaljagd auf den Färöern.
Anders als viele Umweltschützer bezeichnen sich Sea-Shepherd-Aktivisten aber selbst als Strafverfolger und sind mit sieben eigenen Schiffen in internationalen Gewässern unterwegs. "Wir schauen nicht einfach zu, wenn Dinge passieren, sondern sind auch mal bereit, etwas in die Waagschale zu werfen, um das zu verhindern", sagte Florian Stadler.