Thomas Fink war bestens gelaunt, als er zum elften Mal auf Einladung des Rotary-Clubs Herzogenaurach zugunsten der Tafel spielte, die Lebensmittel für Bedürftige sammelt. "Ich freue mich, wenn so viele Leute zu mir zum Jazz kommen, weil sich fürchten, es wäre das letzte Mal - sie haben sich bis jetzt jedes Mal getäuscht", witzelte Fink zu Beginn des Konzerts in der evangelischen Kirche.

Eine Hälfte der Veranstaltung bestritt eine "Vorband" aus seinen Schülern, für die zweite Hälfte hatte Fink als Gast Norbert Nagel nach Herzogenaurach holen können, der beim RIAS und der WDR-Bigband genauso wie mit Thilo Wolf spielt.

Aber auch die "Vorband" mit seinen Schülern Andrea Aegerter, Frank Oehler, Stefan Schober, Martin Dannhauser und Rainer Groh begeisterte die Zuhörer. "Wir hatten nur wenig Zeit zum Üben, sonst wäre das Essen kalt geworden." Diese Äußerung von Fink nimmt man ihm nicht wirklich ab. Denn falls es wirklich so war, dann merkte man es dem Programm nicht an.

Zu Stefan Schober meinte Fink nur: "Ich muss sagen, er spielt ganz schön." Denn diese Musik hört sich nur so gut an, wenn man eine passable Rhythmusgruppe im Hintergrund hat, das war wahrscheinlich jedem der Anwesenden klar. Der Spitzname "General" wird für Schober schon etwas länger geführt, auch wenn er und Fink im Alter nicht weit auseinander sind. Meist genügte nur eine kurze Absprachen zwischen den Akteuren, wenn sie "Handful of Stars" und "My shift" von Kurt Weill anstimmten.

Der Kontakt zu Rainer Groh war entstanden, als sich Thomas Fink "aushilfehalber" auch am Schlagzeug versuchte. Groh kam bei einem Konzert als Pressevertreter dazu. "Eigentlich könnte ich das besser als Du", war sein Kommentar. "Er hat sich am Schlagzeug immer noch verbessert", lobte Fink. Das ist vermutlich der Grund, dass Groh bei diesem Konzert mitspielte.

Eine Apothekerin am Saxophon

Über die Dame in der Band sagte Fink: "Es ist ungewöhnlich, dass eine Apothekerin Saxophon spielen kann." Aber Andrea Aegerter stellte es unter Beweis.
Dass die Familie Fink musikalisch engagiert ist, zeigte Thomas Finks Enkel Martin Dannhauser am Schlagzeug bei Alice im Wunderland oder "My foolish heart". Oder Frank Oehler am Klavier. "Er wird immer besser, ich wollte ihn erst gar nicht mitspielen lassen!" Das wäre natürlich ein Verlust gewesen, wenn man von ihm "Lullabye of Birdland" zu hören bekommt oder "Loverman". Leicht perlend gingen ihm die Töne am Klavier von der Hand, auch als er drei Solostücke spielte. Er steuerte die Eigenkomposition "Luna and Miles" bei, die er zweien seiner Haustieren widmete, bei dem er aber durchaus Anspielungen auf Miles Davis einbaute.

Nach der Pause war als Gast Norbert Nagel gemeinsam mit Fink zu hören. Die beiden kennen sich schon aus der Zeit, "als es noch gelbe Telefonzellen gab und kein Handy", wie Nagel es formulierte. Thomas Fink erinnert sich besonders an die vielen Gespräche, die beide im Tourneebus führten und bei denen sie viel Spaß gehabt hätten. Bei Rundfunkbällen, wo sie als Musiker wirkten, ging es zwischen den Musikern erst richtig los, als die Gäste schon nicht mehr da waren und nur noch die Bedienungen zuhörten.

Nagel stellte sein hervorragendes Können unter Beweis, egal ob es sich dabei um die Querflöte, das Saxophon oder die Klarinette handelte. Er ist der Mann, der quasi mit der Flöte und mit dem Saxophon "tanzt". Und Fink am Klavier verwickelt ihn in ein Zwiegespräch der beiden Instrumente, genauso wie die anderen Akteure ihren Freiraum bekamen. Das ganze Konzert war für die Anwesenden ein Hörgenuss.