Jetzt, da der Herbst Einzug hält, ist auch Erntezeit. Draußen in den Fluren, oft an den Verbindungswegen der Landwirtschaft, stehen die Bäume in all ihrer Pracht. Gelb, grün und rot leuchten die Früchte von weitem, die Äste gen Boden gebeugt durch das Gewicht, und sie verlocken den Wanderer zuzugreifen.

Das darf der auch, denn solch "herrenlose" Äpfel, wie es Bürgermeister German Hacker formuliert, gehören der Allgemeinheit. Früher wurden die Bäume von den Gemeinden angepflanzt, im Zuge der Flurbereinigung. Heute sind es oft Ausgleichsmaßnahmen für kommunale Vorhaben. Und so stehen die Felder und Fluren voller Bäume mit dem köstlichen Obst. Auch die Stadt Herzogenaurach hat viele solcher Streuobstwiesen angelegt.

Auf einer dieser Wiesen waren in den Morgenstunden Senioren unterwegs. Mit Körben und Obstpflückern ausgestattet, ernteten sie die Bäume ab. Schöne reife, wenn auch recht kleine Früchte sind es, die jetzt auf ihre Verwertung warten. Denn aus diesen Äpfeln wird Saft gepresst. Die Arbeit in den Morgenstunden machte den Pflückern sichtlich Spaß. "Normalerweise lese ich jetzt die Zeitung", sagte Ulrich Helmold. Und Rudi Lochmiller fügte schmunzelnd an, dass die Äpfel in diesem Jahr von der Größe eher Erdbeeren gleichen würden. Der trockene Sommer sei vermutlich schuld.


Schöpfung und Gesellschaft

"Wir haben das im Jahr 2002 zum ersten Mal gemacht", sagt Gotthard Eichstädt, der Initiator der Aktion. Damals hat sich der ökumenische Arbeitskreis "Schöpfung und Gesellschaft" gegründet. Seither sammeln die Mitglieder Äpfel, entweder auf den Streuobstwiesen der Stadt oder auch in privaten Gärten, um sie zu Saft pressen zu lassen. Der wird dann anschließend verkauft, der Erlös ist dann immer für einen sozialen Zweck bestimmt.
Die Zahl der städtischen Streuobstwiesen sei in den letzten Jahren immer weiter angestiegen, sagt die städtische Umweltbeauftragte Monika Preinl. Viele Bäume aber blieben ungeerntet und die Früchte verrotten. Dem wolle man nun entgegentreten.

Am 28. September hat Herzogenaurach außergewöhnlichen Besuch. Dann ist eine mobile Mosterei vor Ort, um den Sammlern einen längeren Anfahrtsweg zu ersparen und auch anderen Bürgern die Möglichkeit zu geben, ihre Äpfel zu verwerten. Gemeinsam mit der Stadt hat sich der Arbeitskreis an "Angis Mobile Mosterei" aus Weißenburg gewandt. Diese macht mit einem Spezial-Lastwagen Station im Weihersbach.

Die Mitglieder des ökumenischen Arbeitskreises verkaufen den Saft der auf den städtischen Flächen geernteten Äpfel an die Bürger. Wer am 28. September kommt, kann Kartonagen erwerben. Der Fünf-Liter-Bag kostet sechs Euro, zehn Liter zwölf Euro. Aus dem Erlös werde man auch diesmal wohltätige Zwecke unterstützen, verspricht Eichstädt. In den vergangenen Jahren konnten damit unter anderem Kindergärten, Schulprojekte, eine therapeutische Mädchen-Wohngruppe, ein Waisenhaus und ein fremdsprachiges Nachhilfeprojekt gefördert werden.
Auch Bürger, die selbst Apfelbäume haben und aus dem Obst gerne naturbelassenen Saft pressen möchten, sind an diesem Tag willkommen. Und sie können sich sicher sein, dass sie den Saft exakt ihrer eigenen Äpfel erhalten, teilt Preinl mit. Denn der Produktionsablauf der mobilen Bandpresse "garantiert jedem Obstlieferanten, sein Obst als Saft wieder zurückzuerhalten".

Abgefüllt wird der 100-Prozent-Direktsaft in der praktischen "Bag in Box", wahlweise zu drei, fünf oder zehn Litern, was dann drei, vier beziehungsweise sieben Euro kostet. Angenommen wird laut Preinl nur sauberes, frisch geerntetes Obst. Das Obst soll nicht zu reif sein und keine Faulstellen aufweisen. Mindestannahmemenge ist ein Zentner. Das ergibt bei saftigen Früchten etwa 30 Liter.

Wenn Bürger noch Leergut aus früheren Sammlungen haben, dann ist dieser Tag die letzte Gelegenheit, das Pfand einzulösen. Denn man habe sich jetzt von den Glasflaschen verabschiedet, sagte Eichstädt. Schon aus Reinigungsgründen. Alte Flaschen werden am 28. September aber noch ein letztes Mal zurück genommen.