Zu der langen, aber wunderbar kurzweiligen Nacht waren Gäste aus nah und fern gekommen. Musik, Gesang, Literatur, Zauberei und mehr lösten einander in wohl komponierter, abgestimmter Folge ab - ein stimmiges Gesamtkunstwerk. Zusammen mit dem Lions-Club Aischgrund veranstaltete der Rotary Club Höchstadt am Samstag nun schon zum zweiten Mal die "Lange Nacht der Poesie" in Höchstadts Kulturfabrik.

"Aus der Gruppe der etwa 100 Mitglieder der ,Compagnie Poesie' treten pro Veranstaltung immer etwa sieben bis acht Künstler auf, die jeweils extra für diesen Abend zusammenkommen", so Manfred Hausin, der Gründer der "Compagnie Poesie" - ein buntes Völkchen von Musikern, Puppenspielern, Poeten, Varietékünstlern, Kabarettisten und Schauspielern. Hausin, literarischer Kabarettist, führte durch den Abend. Er würzte seine Überleitungen immer wieder mit Gedichten aus seinen eigenen Werken.

Aus dem Erlös des Abends wird wieder das Erich-Kästner-Kinderdorf, ein heilpädagogisch-therapeutisches Kinderheim für traumatisierte Kinder in Oberschwarzach (Kreis Schweinfurt) unterstützt. Dies erfahren die Gäste von Gerd Baumüller, Präsident des Rotary Clubs.

Der Schulleiter des Kinderdorfs, Gerald Möhrlein, stellte die zwei heilpädagogischen Tagesstätten und die sechs Kinderdörfer vor. Der Bogen zur Poesie wird dadurch gespannt, dass Erich Kästner in seinem Vermächtnis Teile seiner Kinderbibliothek dem Kinderdorf vermacht hat und in dieser Einrichtung auch darauf geachtet wird, die Kinder an die Poesie und an Erich Kästner heranzuführen. Nach einem Besuch des Kinderdorfs taten sich damals Rotary und Lions spontan zusammen, und so entstand auch dieser Abend.

Neue Musikinstrumente

"Die Nacht der Poesie nach Höchstadt zu bringen, war die Idee von Dr. Hans-Joachim Laugwitz", so der Präsident Eberhard Bender von Lions. "Laugwitz kennt den Chef der ,Compagnie Poesie' Manfred Hausin noch aus Schulzeiten." Vor mehr als zehn Jahren hatten sie sich wieder getroffen - in einer solchen Nacht", erzählte Laugwitz unserer Zeitung.

Wolfgang Grieger und die High Nees, Musik-Komödianten vom Feinsten, setzten den fulminanten Schlusspunkt und Höhepunkt des langen Abends. "Wir singen fröhliche Lieder vom Scheitern", so Wolfgang Grieger. Die Gruppe hatte 2011 den NDR-Comedy-Kulturpreis gewonnen. Man konnte das von Highn, dem Percussionisten, neue selbst gebastelte Instrument "Dosimba" aus Orangendosen und seine Fähigkeit beim Spiel damit bewundern, genau so wie den perfekten Umgang der Gruppe mit Schüttelreimen. Das afrikanische Volkslied "Kawamba" - neben der intensiven rhythmischen Begleitung auf der von Highn ebenfalls selbst hergestellten Cajon (Sitztrommel), vor allem auch wegen der "afrikanischen Sprachlaute", riss das Publikum fast von den Sitzen. Die Zugabe von Wolfgang Grieger, ein Dreiergespräch zwischen Jim Knopf, Wendelin und Donald Duck, brachte den Saal dann endgültig zum Toben.

Winfried Bornemann, der "Letterat und Briefmacker", stellte einige seiner unzähligen Briefe an verschiedene offizielle Stellen vor - mit den unmöglichsten Anfragen wie der Bitte um Erlaubnis zur Einführung eines OP-Besteckes für Camping und Freizeit. Oder die Frage an einen Experten, wann eine Ehe verjähre. Wie die Fragen, so brachten auch die ernsthaften Antworten der offiziellen Ämter das Publikum nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Nachdenken. Stellmäcke, der Liedermacher, Poet und Musiker aus dem Erzgebirge, besang mit pointiertem Witz und Melancholie den Zustand der Welt und wechselte spielerisch von der Gitarre zur Konzertina. Er stellte seine neuartige Payback Karte vor, auf der man Kleinkunstpunkte sammeln kann.

Matthias Wesslowski, Feuerspucker, Zauberkünstler und Wort-Spieler, zauberte eigentlich immer nur so nebenbei. Zum Beispiel mit bunten Flüssigkeiten, während er das Publikum vom Verlust des Paradieses über die Aufklärung bis zum Beginn der Poesie in einer einmaligen Wortakrobatik und in klug wirkenden Reden aufklärte.

Fast wie Reinhard Mey

Carsten Langner
, jüngster Liedermacher und Gitarrenpoet in der Truppe, schließt in bester Art an die Liedermacher Reinhard Mey und Hannes Wader an. Gar mancher schwärmte über seine Stimme in der Pause kleine Stärkungen angeboten wurden.

Auch der Liederjan, eine Volksmusikgruppe aus Entertainern und Komödianten, die schon ihr 40. Jubiläum feiern konnte, war dabei und begeisterte das Publikum.