Zwei politische Power-Frauen standen im Mittelpunkt der Nominierungsversammlung in Buckenhof. In der Gaststätte Hallerhof trafen sich die Delegierten der SPD aus Erlangen und dem Landkreis, um ihren Direktkandidaten für die Bundestagswahl im nächsten Jahr zu küren. Zur Wahl stand Martina Stamm-Fibich, die bereits 2009 im Wahlkreis Erlangen angetreten war.
Unterstützung bekam die 47-Jährige von Renate Schmidt, der Kandidatin von 2005. Mit einer überwältigenden Mehrheit von 93 Prozent wurde Stamm-Fibich erneut zur Bundestagskandidatin gewählt. Von den 75 Delegierten gaben ihr 69 die Stimme. Nur vier stimmten mit Nein. Es gab eine Enthaltung.
Zuvor hatte die Kandidatin in einer Rede an die Delegierten mit ihren zentralen Positionen geworben. Und diese gehören zum klassischen Fundus der Sozialdemokratie: Stärkung von Betriebsrat und Gewerkschaften, Mindestlohn, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Gleichstellung von Mann und Frau.
Stamm-Fibich setzt ihre Schwerpunkte im Terrain der so genannten "kleinen Leute", der Minijobber, der Leiharbeiter, der geringfügig Beschäftigten, der von der Statistik Vergessenen. Also dort, wo das Herz für den einen oder anderen Sozialdemokraten in den letzten Jahren geblutet haben mag.
Keinen Rundumschwenk über bundes- und europapolitische Themen oder gar über die alles dominierende Finanzkrise, sondern eine mit arbeitspolitischen Details gespickte Rede hörten die Delegierten der SPD. Einen Parforce-Ritt über Brennpunkte und Gemeinplätze sozialdemokratischer Arbeitsmarktpolitik.
Wen wundert es, denn Stamm-Fibich ist schon von Berufs wegen mit der Materie vertraut. Als IG Metall-Mitglied und freigestellte Betriebsrätin bei Siemens hat sie täglich mit der Wirklichkeit auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu tun. Sie kennt Arbeitnehmerprobleme quasi "von innen".
Zwar sei es wahrscheinlich, so die 47-Jährige, dass die Finanzkrise auch in den nächsten vier Jahren das dominierende Thema bleiben werde. Dabei sollten aber andere Probleme in der Republik nicht vergessen werden. "Wir dürfen uns von den angeblich so hervorragenden Arbeitsmarktzahlen nicht täuschen lassen", rief sie den Delegierten im Saal zu. Die Praxis von Lohndumping durch geringfügige Beschäftigung und Leiharbeit müsse endlich gestoppt, der Grundsatz "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" ohne Wenn und Aber durchgesetzt werden.

Augenwischerei


"Es muss selbstverständlich sein, dass Menschen von einer Vollzeitstelle vernünftig leben können." Natürlich erntete sie hierfür den Applaus der Genossen.
Auch auf die Probleme der Jüngeren, einen Einstieg in die Arbeitswelt zu bekommen, ging Stamm-Fibich ein. "Heute ist bei Neueinstellungen nahezu jeder zweite Vertrag befristet. Für die jungen Menschen bedeutet dies eine unsichere Lebensplanung." Zu oft würden Unternehmen das Argument "Projektarbeit" für eine Befristung des Arbeitsvertrages heranziehen. Die Kandidatin: "Wenn man so will, besteht jede Arbeit aus einzelnen Projekten. Das ist doch Augenwischerei."
Die Genossen im Saal mussten sich ein bisschen in alte Zeiten zurückversetzt gefühlt haben, als im Anschluss an Stamm-Fibich "ihre Renate" auf das Podium trat. Die Grande Dame der fränkischen SPD, Renate Schmidt, war gekommen, um Martina Stamm-Fibich ihre Unterstützung zu geben.
Obwohl sie nach dem Ende ihrer Politik-Karriere als "One woman office" eigentlich keine Partei-Termine mehr wahr nehme, habe sie sofort zugesagt, als ihre Parteifreundin sie eingeladen hatte. Vieles verbinde sie mit ihr: "Auch sie ist, wie ich es war, Betriebsrätin und damit kennt sie die Sorgen und Fragen von Arbeitnehmern. Zudem wissen wir beide, was es bedeutet, eine anspruchsvolle Berufstätigkeit und eine anspruchsvolle Familie unter einen Hut zu bringen", sagte Schmidt.
Auch sie verließ sich in ihrer Rede ganz auf ihr Spezialgebiet. Die ehemalige Familienministerin sprach zu Themen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und geißelte die Politik der Regierungskoalition: "Das Betreuungsgeld gehört ganz und gar nicht zur Wertschätzung der Familie. Ihrer Parteikollegin Stamm-Fibich wünschte sie, dem "komischen Betreuungsgeld" im Bundestag ab 2013 "den Garaus machen zu können".
Nicht nur das Bohren dicker Bretter in der großen Politik traue die 69-Jährige Stamm-Fibich zu. Renate Schmidt hatte noch ein größeres Lob im Gepäck: "Ich sage euch, die Martina, die hat auch das Zeug zur Ministerin."
Trotz dieser Vorschusslorbeeren gilt es aber zunächst für Stamm-Fibich und den SPD-Kreisverband, im nächsten Jahr noch ordentlich zuzulegen, um in den Bundestag einzuziehen.