Eines ist klar: Eine Stadthalle soll, wenn sie denn gebaut wird, auf einem Gelände westlich der Flughafenstraße errichtet werden. Dort, nahe der Puma-Zentrale, wird jetzt ein Bauleitverfahren in die Wege geleitet. Auch ist unstrittig, dass eine Halle die Größe 1000 erhalten soll, also Platz bietet für eintausend Besucher stehend. Nicht so unumstritten war in der Debatte am Mittwochabend dann allerdings die Frage, ob Herzogenaurach eine so große Stadthalle auch wirklich braucht.

Denn Jürgen Ziegler von der Firma Contech hatte in seinem gut einstündigen Vortrag unter anderem auch dargelegt, dass die Region gut bestückt sei mit Veranstaltungsgebäuden und es keine Marktnischen gebe. Selbst in Herzogenaurach finde man in unmittelbarer Nähe, bei der Puma eben, eine Halle für 1500 Besuchern vor, die auch angemietet werden könne.

13 Millionen Euro werden für den Bau wohl nötig

Ziegler empfahl eine klassische Stadthalle, bei der Funktionalität vor Schönheit gehen soll. Eine Patentlösung gebe es nicht, aber die Halle sollte von der Stadt selbst betrieben, also nicht verpachtet werden. Und nur für die Veranstaltungen geöffnet werden, sonst aber geschlossen bleiben.

Einen klaren Befürworter fand sein Konzept in Bürgermeister German Hacker (SPD): "Ich kann mir Herzogenaurach ohne eine Stadthalle nicht vorstellen." Die Größenordnung mit tausend Steh- respektive gut 500 Sitzplätzen hielt er für "das, was zu Herzogenaurach passt und noch Potenzial für die Zukunft bietet." Natürlich bedeute eine neue Stadthalle auch den Abschied vom Vereinshaus und ein dickes Brett, was die Kosten angeht. 13 Millionen Euro dürften für den Bau nötig werden. Einschließlich hoher Unterhaltskosten.

Genau das war auch der Kritikpunkt von Ille Prockl-Pfeiffer (CSU). Sie wollte wissen, wie die Zahlen denn zustandekämen, die Ziegler aufgelistet hatte. Ein errechneter Verlust von 620 000 Euro jährlich sei für sie unhaltbar, "es muss doch höhere Einnahmen geben". Die Stadträtin stellte die konkrete Frage "Braucht Herzogenaurach wirklich eine Stadthalle?" Vieles spreche dagegen, zumal es auch kein Potenzial in der Region gebe.

Man möchte keinen nüchternen Veranstaltungsraum

Auch ihr Fraktionskollege Kurt Zollhöfer sah die Gefahr, dass sich das Beispiel Vereinshaus wiederholen könnte. Da habe man 2001 eine Generalsanierung beschlossen, sie aber wegen finanzieller Möglichkeiten damals auf Eis gelegt. Bis heute steht das Vereinshaus wie es war. Auch jetzt habe die Stadt eine Menge an kostenträchtigen Projekten. Gut möglich, so Zollhöfer, dass sich die Stadt ein "wünschenswertes, aber nicht dringend notwendiges" Projekt dann nicht mehr leisten könne.

Wie Zollhöfer stimmten auch andere Stadträte dem Standort zu, verwiesen aber auch darauf, dass ein Bau damit noch nicht beschlossen sei. Einzig Ille Prockl-Pfeiffer lehnte schon jetzt ab. Manfred Welker (Freie Wähler) wollte nicht gefallen, dass man nach dem Prinzip "aufsperren - zusperren" verfahren solle. So ein nüchterner Veranstaltungsraum sei nicht das, was man wolle. Er verteidigte die Idee eines Vereinshauses, das von den Vereinen für verschiedene Zwecke getragen werde.

Welker stimmte zu, weil er sich einen interessanten Prozess erhoffe. "Vielleicht kommt ja raus, dass wir lieber das Vereinshaus sanieren", meinte er. Diese Option verwarf Bürgermeister Hacker aber klar. Das Haus sei abgewirtschaftet, einfach fertig. Auch Ziegler hatte dargelegt, dass eine Sanierung dort keinen Sinn mache, da das Haus nicht funktionell sei. Gleichwohl es seinen Charme habe, wie alle alten Gebäude.

Das Haus "aktiv vermarkten"

Britta Dassler (FDP) zeigte sich als klare Verfechterin einer Stadthalle. "Herzogenaurach braucht die große Variante als weiter aufstrebende Stadt", stellte sie fest. Sie riet dazu, das Haus dann häufiger zu vermieten, auch an fremde Nutzer: "Wir sollten es aktiv vermarkten."

Curd Blank (SPD) gefiel der Standort, aber auf dem Weg zur Realisierung seien noch viele Beraterstunden nötig. Peter Simon (Grüne) vermisste eine sportliche Nutzung und Franz-Josef Lang (CSU) warnte mit den Worten des Schweizer Dichters Jeremias Gotthelf. Wo viel Geld sei, da beginne auch die Hoffart.

Bürgermeister Hacker beruhigte die Zweifler. Man werde keinen Husarenritt veranstalten, sagte er und verwies auch darauf, dass die Stadt immerhin 60 Millionen Euro an Rücklagen habe. Hacker: "Herzogenaurach darf über eine Stadthalle nachdenken."

Das hatten auch die Bürger getan. In einer Zukunftswerkstatt konnten sich Interessierte beteiligen und ihre Vorschläge für einen möglichen Standort abgeben. Diese Einbindung der Öffentlichkeit sei richtig gewesen, sagte Hacker. Und Retta Müller-Schuimmel von den Grünen forderte das auch weiterhin. Für Gestaltung und Bau der Stadthalle brauche es eine breite Basis. "Wir sollten die Bürger mit einbeziehen."

Der Beschluss für den Standort war erst der Auftakt eines längeren Prozesses. Allein das Umlageverfahren des Areals werde vier bis fünf Jahre in Anspruch nehmen, erläuterte der Bürgermeister. Dann komme noch die eigentliche Planung. Für das Vereinshaus in der Innenstadt bedeutet das einen Abschied auf Zeit.