Es ist ein spannendes Projekt, das sich in der Sportlandschaft der Stadt abzeichnet. Am Gymnasium könnte eine Sechsfachsporthalle entstehen, also zwei große Hallen, die quasi huckepack übereinander gebaut werden. Bürgermeister German Hacker (SPD) hatte Mitte Dezember den Haupt- und Finanzausschuss mit Entwürfen für eine solche "wahnsinnig reizvolle" Möglichkeit überrascht.

Eine Entscheidung ist freilich noch lange nicht gefallen. Das müsse zu gegebener Zeit politisch gelöst werden, sagte Hacker. Dem voraus geht jetzt eine Bestandsaufnahme mit Ermittlung des Bedarfs. Denn ein Beschluss mit solcher Tragweite braucht belastbare Fakten als Grundlage.


Neue Mitarbeiterin

Für diese Fakten sorgt seit Dezember Katja Heil. Sie ist die neue Sport- und Ehrenamtskoordinatorin im Rathaus. Eine ihrer Hauptaufgaben ist es, mit den Vereinen in Verbindung zu treten und den tatsächlichen Bedarf an weiteren Hallenkapazitäten zu ermitteln. Erst dann könne man sagen, ob eine solch futuristisch anmutende Lösung in Frage komme, meinte der Bürgermeister. Oder man einen anderen Standort suchen müsse und das Sportangebot dann auf zwei Hallen verteile. Für German Hacker wäre die vorgeschlagene Lösung, für die das Herzogenauracher Ingenieurbüro Quandt schon eine Machbarkeitsstudie ausgearbeitet hat, "die einzige, die mir realistisch erscheint".

Allerdings müsse dann, bei gegebenem Bedarf, auch sorgfältig geprüft werden, ob das Projekt denn auch machbar sei. Denn zusätzlich zu den von Quandt angegebenen rund 8,5 Millionen Euro Baukosten käme noch ein erheblicher Unterhalt.

Eine Aussage kann Katja Heil schon jetzt treffen: "Es gibt sehr wenig freie Hallenzeiten". Das hätten die Gespräche mit den Vereinen ergeben, sagte die Kommunikations- und Medienwissenschaftlerin im FT-Gespräch. Ihre erste Aufgabe sei es gewesen, sich einen Überblick zu verschaffen, wer die bestehenden Sporthallen denn überhaupt nutzt. Vor allem war es wichtig, welche Abteilungen denn konkret wann drin sind, also welche Gruppe, mit welcher Stärke, zu welcher Zeit?


Gute Zusammenarbeit

Hierzu hat sie die Belegungen werktags von 17 bis 22 Uhr abgefragt. Und darüber hinaus ermittelt, welche Veranstaltungen denn an den Wochenenden hinzukommen. Vor allem die Gymnasiumhalle sei komplett voll, sagte die 43-Jährige, die aus Erfurt stammt, in Leipzig studiert hat, zuletzt in Nürnberg arbeitete und mit ihrer Familie seit 2007 in Herzogenaurach lebt. Eine weitere Erkenntnis, die sich schon sehr zeitig eingestellt hat: "Die Herzogenauracher Vereine sind sehr kooperativ."

Aktuell ist Katja Heil zusammen mit zwei Studenten dabei, die Angaben zu überprüfen. "Wir drehen abends unsere Runden", sagte sie. Dabei bekommt sie selbst ein Bild von der Belegung. Sehr viele Kinder und Jugendliche treffe sie da an, sagt die verheiratete Mutter zweier Kinder. Und es seien auch immer sehr viele Trainer und Übungsleiter vor Ort. Kurzum: "Eine tolle Sportlandschaft."


Jetzt wird optimiert

Jetzt werde ermittelt, welcher Bedarf sich denn ergibt, wenn man aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse die Hallen optimal belegen kann. "Wir versuchen zu optimieren", sagte sie. Eine Aussage hierüber sei zu diesem frühen Zeitpunkt aber noch nicht möglich. Heil soll diese Arbeit bis Frühsommer abgeschlossen haben. Wichtig sei darüber hinaus, belastbare Angaben zu erhalten, wo der Weg der Vereine in Herzogenaurach denn hinführe. Was macht der Handball, was der Basketball? Welche Hallen werden in Zukunft benötigt? Und: Wie wirken sich die neuen Baugebiete auf der Herzo Base, wo ja ein neuer Stadtteil entsteht, auf die Überlegungen aus?

Wenn die Rathaus-Mitarbeiterin ihre Arbeit abgeschlossen hat und sich tatsächlich ein Bedarf für eine weitere Halle ergibt, dann ist die Politik gefragt. Auch für Bürgermeister German Hacker wird es eine spannende Frage werden: "Reicht eine kleine Einheit oder brauchen wir mehr?" Natürlich weiß er, dass die Wünsche der Vereine schon sehr weit gehen, aber man müsse eben dennoch alles genau betrachten.

Für Hacker hat die genannte Variante jedenfalls einen "großen Reiz". Man könnte auch energetisch sehr effizient arbeiten. Gleichwohl natürlich viele offene Fragen erst noch beantwortet werden müssten. Kurz zum Zeitplan: Ein Baubeginn wäre für den Bürgermeister nicht vor Jahresmitte 2018 möglich.

Eine spannende Geschichte wird es bis dahin offenbar allemal. Aber auch der Weg kann durchaus aufregend sein. Katja Heil jedenfalls bestätigt: "Es ist total spannend. Und es macht auch richtig Spaß".

Ingenieur Stefan Quandt fertigte bereits zum Jahresbeginn 2015 seine Machbarkeitsstudie an, die er dann im Dezember dem Ausschuss vorlegte. Ausgangspunkt war die Tatsache, dass die 30 Jahre alte Sporthalle des Gymnasiums ohnehin saniert respektive erneuert werden soll. Die Form des Huckepack erschien bisher relativ neu zu sein. Doch auch andere Städte interessieren sich inzwischen, wie unser unten stehendes Beispiel verdeutlicht. Auch da soll ein Teil der Halle unter der Erde verschwinden, so wie es auch der Herzogenauracher Entwurf vorsieht.


Vergleichbar: "Sportopia"

Die Stadt Herzogenaurach ist nicht der einzige Bauherr, der sich eine Huckepackhalle vorstellen kann. Auch die TSG Söflingen in Baden-Württemberg befasst sich mit einem solchen Projekt. Die Südwestpresse berichtete im Januar online über ein Millionenprojekt namens "Sportopia".

Walter Feucht, seit 25 Jahren Vorsitzender des Vereins aus dem Ulmer Stadtteil, bezeichnete das Vorhaben als eine "weltweit bisher nie dagewesene Sache". Nach seiner Aussage sollte das dortige Projekt ein modernes gesellschaftliches Zentrum werden, das sich auch sozialpolitischen Aufgaben öffnet. Unter einem Dach wolle man soziale, kulturelle und sportliche Aktivitäten für mehrere Generationen auf eine einzigartige Weise bündeln. Das Söflinger "Sportopia" sei als ein multifunktionaler Baukasten gedacht.

Die Kosten sind mit gut acht Millionen Euro in etwa vergleichbar mit Herzogenaurach. Ein Grund der Überlegungen sei auch gewesen, dass die TSG (5200 Mitglieder und 17 Abteilungen) seit langem dringend mehr Hallenzeiten für ihre Abteilungen brauche. Und auch die Nachfrage von Schulen steige von Jahr zu Jahr - also vergleichbar mit der Situation in Herzogenaurach.

Auch interessant: Der Verein will damit in Konkurrenz treten zu anderen Ulmer Großprojekten. Dort ist unter anderem ein Basketball-Campus vorgesehen. Der SSV 46 Ulm spielt Bundesliga.